Dennis Buchner: Fragen und Antworten zu Olympia

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Dennis Buchner: Fragen und Antworten zu Olympia

Dennis Buchner, Olympia
 

„Wir wollen die Spiele“ ist momentan an vielen Stellen im Berliner Stadtbild zu lesen. Berlin hat die Werbung für eine Olympiabewerbung verstärkt. Aber: Bis Mitte Februar ist noch viel zu tun, denn der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) macht seine Entscheidung vor allem von einer Telefonumfrage abhängig, die Ende Februar in Berlin und Hamburg durchgeführt wird. Für die sozialdemokratische Wochenzeitung Berliner Stimme (Ausgabe 2-2015) gibt Dennis Buchner Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie ist das Verfahren?
Mitte 2017 vergibt das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Olympischen und Paralympischen Spiele für 2024. Das IOC hat großes Interesse daran, wieder mehr klassische westliche Demokratien als Ausrichter zu gewinnen. Mit einer Reformagenda und deutlichen Veränderungen an die Organisation der Spiele steht eine Abkehr vom Gigantismus vergangener Jahrzehnte an. Es gilt als relativ sicher, dass die Spiele 2024 und 2028 nach Mitteleuropa und in die USA gehen. Die Reihenfolge ist unklar. Der DOSB hat bereits klar gestellt, dass er sich ggf. auch für die Spiele 2028 bewerben will.
Wie sieht das Berliner Konzept aus?
Berlin hat sein Interesse an der Ausrichtung mit einem Reformkonzept bekundet. Die Olympischen und Paralympischen Spiele müssen sich demnach an die Stadt anpassen. Im Wesentlichen sollen bereits vorhandene Sportstätten genutzt werden, nicht nur in Berlin, sondern im ganzen ostdeutschen Raum. So sollen u.a. die Segelreviere um Rostock und Warnemünde, die Wildwasseranlagen in Nordsachsen, Ruderstrecken in Brandenburg und Fußballstadien in Sachsen-Anhalt mit genutzt werden.
Was hat der Berliner Sport davon?
Für Olympische und Paralympische Spiele müssen rund 25 Wettkampfstätten zur Verfügung gestellt werden. Von denen sind viele, wie das Olympiastadion, die Max-Schmeling-Halle, das Velodrom oder die heutige O2-Arena schon vorhanden. Auch die Messehallen können zur Ausrichtung genutzt werden. Einige Anlagen (Reiten, Beachvolleyball) würde man sicher temporär in der Innenstadt anlegen.
Neben den Wettkampfstätten braucht man aber auch mindestens 50 Trainingsstätten für die Mannschaften. Hier kommt der Breitensport ins Spiel: Eine Olympia-Ausrichtung würde die Sanierung zahlreicher bezirklicher Sportanlagen bedeuten, quasi ein „sportliches Konjunkturprogramm“. Die Ausrichtung der Paralympics macht es notwendig, massiv auch in die Barrierefreiheit in Berlin zu investieren.
Die Spiele schaffen aber auch Nachfrage, vor allem im Kinder- und Jugendsport und wecken Interesse an Sportarten, die sonst nicht so im Blickfeld stehen.
Was hat Berlin davon?
Vor allem jede Menge Werbung. Das Bewerbungsverfahren dauert sieben Jahre, die Stadt bleibt international im Gespräch. Jeweils rund zwei Wochen Olympia und Paralympics bringen Milliarden Zuschauer vor die TV-Geräte - und damit direkt nach Berlin. München und Barcelona profitieren bei ihren Besucherzahlen bis heute von der Ausrichtung der Olympischen Spiele.
Was kosten Olympische und Paralympische Spiele?
Die reine Durchführung der beiden Wettbewerbe kostet nach bisherigen Erfahrungen rund zwei Milliarden Euro. Der Großteil wird durch einen Zuschuss des IOC (ca. 1,5 Mrd. Dollar) finanziert, weitere Einnahmen werden durch Kartenverkäufe und Sponsoring erzielt. Es gibt kein Beispiel für Verluste bei der Ausrichtung.
Hinzu kommen die Investitionskosten, die stark davon abhängen, was in den jeweiligen Ausrichterstädten getan werden muss, etwa im Neubau von Sportstätten, beim Bau von Hotels und des olympischen und paralympischen Dorfs oder bei der Verkehrsanbindung.
Berlin hat heute schon die nötigen Hotelkapazitäten und ein ausgebautes Nahverkehrssystem. Geplant wird mit rund 2 Milliarden Euro Investitionen in die Sportinfrastruktur.
Hinzu kommt der Bau des Olympischen Dorfes. Diese Wohnungen stehen hinterher den Berlinerinnen und Berlinern zur Verfügung. Das Abgeordnetenhaus hat beschlossen, dass der Bau in Verantwortung der städtischen Gesellschaften und von Genossenschaften organisiert werden soll.
Im internationalen Bewerbungsverfahren werden voraussichtlich Kosten zwischen 30 und 50 Millionen Euro anfallen.
Wer zahlt?
Neben den Zuschüssen des IOC wird der Bund die deutsche Olympiabewerbung unterstützen, in der Regel finanziert der Bund alle Einrichtungen des Spitzensports 50:50. Berlin wird vor allem die Kosten zur Sanierung von Sportanlagen und für den Bau des olympischen Dorfes tragen. Diese sind aber - erst recht über einen Zeitraum von zehn Jahren - finanzierbar.
Wer ist der deutsche Konkurrent?
Deutscher Konkurrent ist die Hansestadt Hamburg. Das Hamburger Konzept unterscheidet sich stark von unserem. Geplant ist der Bau eines olympischen Campus samt eines neuen Olympiastadions, das nach den Spielen in ein kleines Stadion zurückgebaut werden soll.
Wer sind die Internationalen Konkurrenten?
Boston hat sich innerhalb der USA durchgesetzt und wird sich bewerben. Aus Europa hat Rom eine Bewerbung angekündigt.
Wie geht es weiter?
Ende Februar führt der DOSB mit einem Meinungsforschungsinstitut repräsentative Telefonumfragen in Hamburg und Berlin durch. Auf der Basis der Ergebnisse bereitet der DOSB im März eine Entscheidung vor, die die Mitgliederversammlung am 21. März beschließt.
Prognosen sind schwierig. Es gilt als sicher, dass vor allem die Spitzenverbände eine deutliche Präferenz für Berlin haben, hinzu kommt, dass der Stadt international erheblich größere Chancen eingeräumt werden. Ergibt die Umfrage eine deutliche Mehrheit für Spiele in Berlin sieht es gut aus.
Wann entscheiden die Berlinerinnen und Berliner?
Wenn der DOSB pro Berlin entscheidet, wird das Konzept in diesem Jahr mit der Stadtgesellschaft weiter entwickelt. Voraussichtlich am 13. September sollen die Berlinerinnen und Berliner in einer rechtlich formal nicht bindenden Befragung abstimmen. Senat und Abgeordnetenhaus werden sich an das Ergebnis halten.  Erst wenn es im September eine Mehrheit gibt, wird es eine Berliner Bewerbung geben. Für nachhaltige, transparente und finanziell verantwortliche Spiele in Berlin.