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Pressemitteilung vom 4. Mai 2012

Alte Fragen, alte Antworten im Interview von Bundespräsident Joachim Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck hat in seinem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit vom 31. Mai die Worte seines Vorgängers Christian Wulff zur Zugehörigkeit des Islams zu Deutschland kommen-tiert. Dabei hat er mehr Fragen aufgeworfen, als Antworten gegeben.

„Es ist anscheinend noch ein langer Weg bis zur Gleichstellung aller in unserer Gesellschaft lebenden Bürgerinnen und Bürger, wenn man das Interview vom Bundespräsidenten liest“, so Serpil Kücük, stellvertretende Landesvorsitzende der AG Migration und Vielfalt in der SPD Berlin. Kücük weiter: „Während durch die Worte von Christian Wulff viele Muslime in Deutschland das Gefühl hatten, langsam dazugehören zu dürfen, findet mit diesem Interview eine Abkehr von der symbolischen Umarmung statt. Für Joachim Gauck bedeutet die Aussage Wulffs „Der Islam gehört zu Deutschland“ lediglich, dass einfach nur viele Muslime in Deutschland leben würden. Verkennt Herr Bundespräsident wirklich, dass in diesem Satz mehr steckt als nur die Feststellung, dass in unserem Land viele Muslime leben?“

Aziz Bozkurt, Landesvorsitzender der AG, ergänzt zum weiteren Interview: „Seine Freude darüber, dass Deutschland auf die Krise nicht mit „Überfremdungsängsten“ reagiert habe, würden wir gerne teilen. Wir fragen uns aber, ob die Wahrnehmung des Bundespräsidenten nicht verzerrt ist. Wir bitten Herrn Gauck, sich die zahlreichen Studien zum Thema Rassismus in unserer Gesellschaft anzusehen. Es braucht keine rechten Parteien im Bundestag, um festzustellen, ob „Überfremdungsängste“ und Rassismus in Deutschland Einzug halten. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Deswegen wünsche wir uns eine genaue Analyse des Status quo vom Staatsoberhaupt.“