12-04-04 30. Todestag von Robert Havemann

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30. Todestag von Robert Havemann

Zum 30. Todestag von Robert Havemann erklärt der SPD-Landesvorsitzende Michael Müller:

Robert Havemanns Leben und Wirken ist in besonderer Weise von der deutschen Geschichte geprägt worden. Von den Nazis als Widerstandskämpfer zum Tode verurteilt, von den sowjetischen Truppen befreit, in der Führungsschicht der DDR aufgestiegen und zwischenzeitlich als Kontaktperson der Stasi tätig gewesen, erkennt er die Folgen des Stalinismus und wendet sich gegen ein Regime der Unterdrückung. Er wird selbst wieder zum Opfer eines Staatsapparats, der glaubt, Gedanken und Ideen per Hausarrest und Berufsverbot unterdrücken zu können. Dazu Michael Müller: „Havemann setzte sein Leben aufs Spiel, als er während der Nazi-Zeit von der Deportation bedrohten Juden Schutz gewährte. Er bewies Mut, als er eigene Fehler eingestand und sich gegen den Stalinismus und das DDR-System wandte. Für viele Oppositionelle in der DDR war er Vorbild und Ratgeber. Sein Einsatz für die gesamtdeutsche Friedensbewegung und die Kritik am herrschenden System prägten die letzten beiden Jahrzehnte seines Lebens. Für die SED wurde er längst unerträglich, denn er nahm sich das Recht heraus, einen Sozialismus infrage zu stellen, der freies Denken und demokratische Grundrechte im Keim erstickte. Sein Vermächtnis - die Suche nach der Wahrheit - gilt es zu bewahren.“

1910 als Sohn einer Malerin und eines Lehrers geboren, begann er sein Chemie-Studium 1929 in München und promovierte 1935 in Berlin. Sein politisches Erwachen führte ihn zu den Kommunisten. Im gleichen Jahr fand Havemann zur Widerstandsgruppe „Neu Beginnen“, die sich aus oppositionellen KPD- und SPD-Mitgliedern zusammensetzte. 1935 wird die Gruppe entdeckt und ihre Mitglieder verhaftet – Havemann blieb unentdeckt. 1943 gründete er mit Freunden die Widerstandsgruppe „Europäische Union“. Im September des gleichen Jahres wird die Gruppe durch einen Spitzel der Gestapo verraten. Havemann und elf weitere Mitglieder wurden durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Weil seine Arbeit als „kriegswichtig“ eingestuft wurde, entging er der Hinrichtung.

Nach Kriegsende wurde Havemann Leiter der Kaiser-Wilhelm-Institute in Berlin-Dahlem und ein Jahr später auch Professor an der Humboldt-Universität im sowjetischen Sektor Berlins. Als Havemann 1950 die amerikanischen Pläne zur Entwicklung der Wasserstoffbombe kritisierte und im „Neuen Deutschland“ ihre möglichen Auswirkungen andeutete, wurde er fristlos aus seiner Stelle an den Kaiser-Wilhelm-Instituten entlassen. Havemann zog mit seiner Frau in den Ostteil der Stadt, wurde 1951 Mitglied der SED, war Vorsitzender des Berliner Friedenskomitees und bis 1963 Volkskammerabgeordneter für den Kulturbund. Seine Tätigkeit als „Geheimer Informator“ der Staatssicherheit fand ein abruptes Ende als die Stasi ihn selbst als verdächtig einstufte. Seine zunehmend kritischeren Äußerungen führten zu einem Berufsverbot und drei Jahre Hausarrest. In einem Artikel in der „Zeit“ begründete er 1965 unter der Überschrift: „Ja ich hatte Unrecht. Warum ich Stalinist war und Antistalinist wurde“ seinen Bruch mit der DDR-Diktatur. Bis zu seinem Tod, am 9. April 1982 in Grünheide, wurde er von der Staatssicherheit überwacht.

 

Pressemitteilung Nr. 17
Datum: 4. April 2012
Redaktion: Josephine Steffen