Singer, Paul

Geschichte der Berliner SPD

Geschichte: Personen L-Z

Paul Singer

* 1844
+ 31.01.1911

Im Jahre 1844 wird Paul Singer geboren – als neuntes Kind eines jüdischen Kaufmanns. Sein Vater stirbt bereits vier Jahre später.

Im Jahre 1858 ist Paul Singer aufgrund von wirtschaftlichen Problemen gezwungen, die Realschule abzubrechen, er beginn eine Kaufmannslehre, die er 1861 erfolgreich abschließt.

Von 1858 bis 1869 arbeitet Singer in verschiedenen Berliner Konfektionsfirmen.

Er beginnt sich politisch zu engagieren:  1861 tritt er in die liberale Deutsche Fortschrittspartei ein. Im Jahre 1868 wird er – nach Kontakten mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht – Mitglied im Berliner Arbeiterverein.

Am 26. Oktober 1868 wird der „demokratische Arbeiterverein“ gegründet – Paul Singer tritt als einer der Mitgründer auf.

1869 gründet er mit seinem ältesten Bruder die „Damenmäntelfabrik Gebr. Singer“, noch im gleichen Jahr wird er Mitglied der SDAP, der sozialdemokratischen Arbeiterpartei.
Im Jahre 1871 erkrankt Singer an Tuberkulose und wird dadurch zu einem längeren Kuraufenthalt gezwungen. Vier Jahre später übernimmt er die Leitung über einen Berliner Asyl-Verein, der sich um das Wohlergehen von Obdachlosen kümmert. Nachdem im Jahre 1878 die „Sozialistengesetze“ durch Bismarck erlassen wurden, organisiert Singer Solidaritätskundgebungen und -aktionen, er hält Kontakt mit Karl Marx und Friedrich Engels.  1879 werden Singers Wohnung und seine Geschäftsräume aufgrund seiner politischen Aktivitäten von der preußischen Polizei durchsucht – erfolglos. Singer wird ständig von der preußischen Polizei überwacht.

Singer gründet die Zeitung „Sozialdemokrat“ und leitet ihren illegalen Vertrieb aus Zürich. Im Oktober 1883 wird Singer als eines von fünf Mitgliedern (zusammen mit Franz Tutzauer, Fritz Goercki, Ferdinand Ewald und August Herold) als sozialdemokratischer Abgeordneter in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt. Diesen Posten behält er bis 1911 bei, er wird Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion und beweist sich als Verwaltungsfachmann.

Im Jahre 1884 gründet Paul Singer ein weiteres Blatt, das "Berliner Volksblatt“, das den Untertitel „Organ für die Interessen der Arbeiter“ trägt und offiziell keiner Partei gehört. Das „Volksblatt“ gilt allgemein als Vorläufer des „Vorwärts“.

In den Jahren 1884 bis 1911 ist er Mitglied des Reichstages. Er ist Vorsitzender der Geschäftsordnungskommission und Fraktionsvorsitzender seiner Partei, er betreut viele Parlamentarier vor allem zu Beginn ihrer politischen Laufbahn.

1886 wird Singer aus Berlin ausgewiesen. Vorher hatte er im Reichstag über einen Polizeiagenten berichtet, der als Sozialdemokrat getarnt organisierte Arbeiter zu terroristischen Anschlägen verleiten wolle. Paul Singer lässt sich in Dresden nieder, seine Ausweisung gestaltet sich als Protestveranstaltung gegen die „Sozialistengesetze“.

In der illegalen Partei übernimmt er den Posten des Schatzmeisters, da sein Vorgänger Bebel verhaftet wurde. 1887 scheidet Singer aus seiner Damenmäntelfabrik formell aus, um sich so komplett auf die politische Arbeit konzentrieren zu können. Nach dem Ende der Sozialistengesetze wird die SDAP im Jahre 1890   zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, in der Singer und Bebel als Vorsitzende gewählt werden. Von den Jahren 1890 bis 1909 bestand seine hauptsächliche Tätigkeit darin, diese Position wahrzunehmen, er leitete fast sämtliche SPD-Parteitage.

Nach der Ankündigung einer Erhöhung der Getreidezölle protestiert Paul Singer vehement im Parlament und auch auf Protestveranstaltungen. Diese Art der Verknüpfung von parlamentarischer und politischer Arbeit, die auch die unteren Schichten nicht auslässt, lassen die Anerkennung Paul Singers weiter wachsen. Im Jahre 1898 zeigt sich wieder einmal Singers hoch demokratisches Selbstverständnis: Obwohl Singer mit der politischen Richtung Eduard Bernsteins nicht übereinstimmt, stimmt er gegen dessen Ausschluss aus der Partei.
Seitdem 1900 das Internationale Sozialistische Büro gegründet wurde, ist Singer hier ständiges Mitglied des Exekutivvorgangs der Internationale. In diesem arbeitet unter anderem auch Lenin als Vertreter Russlands mit.
Im Jahre 1905 bringt sich Singer aktiv in die Proteste gegen die Verfolgung von politischen russischen Emigranten ein, er organisiert Protestkundgebungen.
Im Jahre 1911 erkrankt Paul Singer schwer und stirbt nach kurzer Zeit am 31. Januar. Am fünften Februar findet seine Beerdigung statt, Hunderttausende geben ihm das letzte Geleit. Beigesetzt wurde er auf dem als „Sozialistenfriedhof“ bekannten Zentralfriedhof im Berliner Stadtteil Friedrichsfelde im Bezirk Lichtenberg.

Felix Christl

 

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