Für den gemeinsamen Ethik-Unterricht hat die Berliner SPD auch an diesem Wochenende geworben - wie hier am Infostand der Abteilung 5 (Lankwitz) aus Steglitz-Zehlendorf. Dabei geht es vor allem um sachliche Aufklärung: Religionsunterricht gibt es in Berlin auch nach Einführung des Ethik-Unterrichts weiter, so wie seit mehr als sechzig Jahren. Der Ethik-Unterricht bietet dagegen die Chance, dass alle Jugendlichen gemeinsam über ihre Werte sprechen. Die Berliner SPD ruft daher zum Nein beim Volksentscheid auf.
Auch in ihrem jüngsten Brief an Kirchenmitglieder in Berlin erweckt der Initiator des Volksbegehrens Pro Reli den Eindruck, Kinder hätten keine Gelegenheit, sich mit ihrer Religion vertraut zu machen. "Durchschnittlich gerade einmal acht Schulstunden pro Jahr sind im Ethikunterricht für Religion vorgesehen, und das nur für vier Schuljahre - sicher zu wenig, um etwas darüber zu lernen", heißt es in dem Brief.
Verschwiegen wird dabei, dass Kindern während der ersten sechs Grundschuljahre ausschließlich der in Berlin traditionell freiwillige Religionsunterricht angeboten wird. Und dass sie in den Klassen sieben bis zehn. in denen nach und nach das Fach Ethik eingeführt wird, auch nicht auf den Religionsunterricht verzichten müssen. Er wird, zu 90 Prozent staatlich finanziert, auch künftig unverändert angeboten und kann zusätzlich besucht werden. Seit Einführung des Ethik-Unterrichts gibt es also ein Mehr an Information. Dieses Mehrangebot will Pro Reli nun allerdings einschränken: Jugendliche sollen sich künftig entscheiden müssen zwischen Ethik und Religion, obwohl es sich nicht um wirkliche Alternativen handelt. Unter dem Slogan "Religion oder Ethik? Wir machen beides" wirbt die Berliner SPD auf ihren Plakaten und Flyern daher für ein Nein beim Volksentscheid am 26. April.
Foto: Ihlenburg