Familien stärken. Durch Ausbau von Betreuung und frühkindlicher Bildung

BERLINprogramm 2011-2016 - Leitantrag für den Landesparteitag

Familien stärken. Durch Ausbau von Betreuung und frühkindlicher Bildung
Wir wollen die Bedarfsprüfung in den Kitas abschaffen, damit alle Kinder die Möglichkeit ganztägiger Förderung erhalten. Kinder ab dem dritten Lebensjahr sollen bis 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz erhalten. Die öffentlichen Kitas sollen neben denen in freier Trägerschaft ihren festen Platz in unserer Kitalandschaft behalten. Damit wir genügend Kitaplätze in Berlin bereitstellen können, werden wir ein Anreizsystem zur Gründung von Kitas in kommunaler und freier Trägerschaft entwickeln und umsetzen.
Wir wollen den Beruf der Erzieherin und des Erziehers attraktiver machen. Ziel ist es, den Erzieherberuf und die Qualität der Betreuung durch die Einführung eines Fachhochschulstudiums aufzuwerten.
Die SPD tritt dafür ein, dass Kinder möglichst frühzeitig den Zugang zu Bildungsangeboten finden. Daher werden wir intensiv für den Kitabesuch werben, dies in Zukunft auch mehrsprachig. Wir setzen auf kultursensible Werbung, um die Familien zu erreichen, die bisher ihre Kinder zu Hause betreuten.
Besonders wichtig ist die Sprachförderung. Daher wird die SPD unter dem Motto „Frühes Fördern“ die Kitas unterstützen, um Sprachkompetenz zu stärken und damit Bildungschancen zu verbessern. Jedes Kind soll zwei Sprachtests vor Schuleintritt durchlaufen: den ersten – wie bisher – ein Jahr vor der Einschulung, um Art und Umfang des Förderbedarfs festzustellen; den zweiten kurz vor Schulbeginn im Rahmen der Einschulungsuntersuchung. Hierfür muss der Sprachteil der Einschulungsuntersuchung weiterentwickelt werden, um aussagekräftigere Daten über die Sprachkompetenz der Kinder zu erhalten, die dann sowohl an die Kindertagesstätten rückgemeldet als auch an die Schulen vermittelt werden sollen. Ist bei einem Kind beim ersten Sprachtest Sprachförderbedarf festgestellt worden, soll zukünftig die bisher dreistündige Förderung am Tag auf fünf Stunden im Rahmen eines verpflichtenden Kitabesuchs ausgedehnt werden.

Kitas zu Familienzentren weiterentwickeln – Flexibilität ausbauen
Wir richten spezielle Familienzentren an rund 200 Kitas ein, die koordinierte Beratung und Unterstützung für Familien anbieten. Besonders in sozialen Brennpunkten sehen wir hier einen erhöhten Bedarf. Parallel dazu bauen wir ein Familien-Informationsportal im Internet auf.
Die SPD setzt sich dafür ein, die Kinderbetreuung in Berlin flexibler zu gestalten. Durch den  Ausbau von Kitas verbessern wir die Rahmenbedingungen für Alleinerziehende. Wir stellen  sicher, dass viele Kitas in Berlin weiterhin Öffnungszeiten von bis zu zwölf Stunden anbieten  können. Um den Betreuungsbedarf außerhalb der Kitaöffnungszeiten abdecken zu können,  wollen wir vermehrt auf Angebote der ergänzenden Tagespflege setzen. In einem zweijährigen Modellversuch sollen ausgewählte Kitaträger Tagesmütter und -väter in ihrer Kita anbieten. Durch sie können die Kitas flexiblere Angebote der ergänzenden Tagesbetreuung unterbreiten. Damit gehen wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Ausbau der Flexibilität in der Kinderbetreuung ist auch ein wichtiger Beitrag zur Gleichstellung.

Eltern und Familien direkt und vor Ort unterstützen

Familie ist für uns überall dort, wo Menschen dauerhaft füreinander Verantwortung tragen. Die SPD will in allen Bezirken das Konzept „Bürgeramt Familie“ umsetzen. Familien sollen hier zu allen sie betreffenden Fragen von der kindesbezogenen Unterstützungsleistung bis zur Pflege von Angehörigen beraten werden.
Besonders für junge, von Überforderung bedrohte Familien sollen die bestehenden frühen Hilfen ausgebaut und mit Familienbildungs- und Erholungsangeboten ergänzt werden. Außerdem sichern wir niedrigschwellige Beratungsstellen und erfolgreiche Projekte in diesem Bereich. Die Hotline Kinderschutz soll mehrsprachig erweitert werden.

Kindeswohl in den Mittelpunkt stellen

Das Kindeswohl steht für die SPD im Mittelpunkt des Handelns. Deswegen werden wir die Rahmenbedingungen für Adoptionen und Pflegeeltern verbessern, damit die Zahl derjenigen Kinder weiter sinkt, die nicht in einer Familie aufwachsen können. Dies gilt auch für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften.
Wir wollen die rechtliche und soziale Situation aller Kinder in Berlin verbessern. Dabei ist gerade auch der Kampf gegen Kinderarmut ein sozialdemokratisches Grundanliegen. Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung. Darum setzt sich die SPD dafür ein, für alle Kinder das Recht auf Bildung im Grundgesetz zu verankern.
Eine lebendige Jugendarbeit gehört zum festen Bestandteil einer innovativen Berliner Bildungslandschaft. Angebote und Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit sind dafür zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Die SPD erkennt außerschulische Jugendbildung als eigenständige Bildungssäule neben Schule und Kita an und will Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen stärken. Sie sollen Konzepte entwickeln und sich so auf die durch Ganztagsschulen veränderte Situation einstellen. Die weitere Entwicklung der Kooperation von Schule und Jugend innerhalb der sozialräumlichen Bezüge wird die Arbeit der Ganztagsschulen prägen. Die FSJ-Stellen, die zu dieser Kooperation bereits eingerichtet wurden, sollen erhalten bleiben. Die SPD will flächendeckende und an den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzern orientierte Kinder- und Jugendfreizeitarbeit gewährleisten. Der Erhalt von Freiräumen für Kinder und Jugendliche ist der Berliner SPD ein besonderes Anliegen.
Wir wollen dabei die Jugendverbände und Sportvereine ermutigen, sich an der Gestaltung von Ganztagsschulen zum Lebensmittelpunkt von Kindern und Jugendlichen zu beteiligen. Ehrenamtliches Engagement von Kindern und Jugendlichen möchten wir anerkennen, indem wir die Ehrenamtscard für Kinder und Jugendliche weiterentwickeln.