Im Interview: Mark Medebach zur Jugendpolitik

Im Interview: Mark Medebach zur Jugendpolitik

Mark Medebach
 

Für eine Aufwertung des ehrenamtlichen Engagements setzt sich der Landesjugendring Berlin ein. Im Interview mit der SPD-Wochenzeitung "Berliner Stimme" äußert sich der Vorsitzende des Landesjugendrings Mark Medebach zudem zu den Erwartungen Jugendlicher an die Politik und den Entwurf des Wahlprogramms der Berliner SPD.


Berliner Stimme: Herr Medebach, was finden Sie als Experte für Jugendpolitik an der Entwurfsfassung des Wahlprogrammes positiv?

Mark Medebach: Es ist sehr erfreulich, dass die SPD die berufliche Ausbildung verbessern will. Die hohe Zahl von Jugendlichen, die in den sogenannten „Warteschleifen“ auf eine Ausbildung vorbereitet werden, muss unbedingt verringert werden. Wir als Landesjugendring sind der Meinung: Die Politik hat dafür zu sorgen, dass für alle Jugendlichen ein Ausbildungsplatz zur Verfügung steht, der sich an ihren Bedarfen orientiert und auch Gelegenheit zur Erweiterung ihrer sozialen Kompetenzen bietet. Jugendliche dürfen nicht unter Zeit- und Verwertungsdruck als billige Arbeitskräfte auf Kosten ihrer Zukunft missbraucht werden.
Positiv finde ich weiterhin, dass Kinder und Jugendliche stärker an allen sie betreffenden Fragen der Politik beteiligt werden sollen. Ein wichtiger Schritt wurde bereits mit dem „Abkommen für die Jugend“ zwischen dem Land Berlin und dem Landesjugendring unternommen. Darin wurde unter anderem die Einrichtung eines „Runden Tisches Jugend“ vereinbart, der bereits einmal zum Thema „Ehrenamtliches Engagement von Jugendlichen“ zusammengetroffen ist. Ehrenamtliches Engagement befähigt junge Menschen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und verdient Wertschätzung und Förderung.

Berliner Stimme: Wann würden Sie ein Wahlprogramm als gelungen betrachten?

Mark Medebach: Ein gelungenes Wahlprogramm zeigt neue Wege auf und entwirft Visionen. Zu wichtigen gesellschaftlichen und politischen Fragen bezieht es deutlich Stellung. Besonders bei der Jugendpolitik sollte es klar Partei für die Belange von Jugendlichen ergreifen. Dazu gehört, das Thema Jugend als Querschnittsaufgabe zu begreifen. Das Wahlprogramm sollte klar und verständlich aufzeigen, wie eine Jugendpolitik aussieht, die allen Berliner Jugendlichen zu Gute kommt. Das heißt auch, ein besonderes Augenmerk auf die Teilhabe von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu legen. Sie müssen dabei unterstützt werden, sich aktiv in die Gesellschaft einzumischen.

Berliner Stimme:Welche jugendpolitischen Aspekte sollten denn unbedingt noch Eingang in das Wahlprogramm finden, bevor es verabschiedet wird?

Mark Medebach: Uns ist die Anerkennung der außerschulischen Jugendbildung als eigenständige Bildungssäule neben Schule und Kita sehr wichtig. Außerschulische Bildung versteht sich ja als informelle oder nonformale Bildung, will heißen: Hier wird nicht unter Zeitdruck nach Lehrplan gepaukt, sondern freiwillig an selbst gewählten Themen gearbeitet - eine ideale Ergänzung zur formalen schulischen Bildung, die die Persönlichkeit stärkt und bei der demokratische Kompetenzen eingeübt werden. Die Berliner Jugendverbände sind bestrebt, dieses ganzheitliche Bildungsverständnis in die Ausgestaltung der Ganztagsschule einzubringen und wünschen sich dazu Unterstützung aus der Politik.
Weiterhin bedarf es einer gesellschaftlichen Aufwertung des ehrenamtlichen Engagements. Der Landesjugendring setzt sich deshalb für bessere Freistellungsmöglichkeiten in Schule und Ausbildung ein. Außerdem sollte ehrenamtliches Engagement als Nachweis sozialer und fachlicher Kompetenzen im Hochschulstudium anerkannt werden. Eine entsprechende Absichtserklärung im Wahlprogramm der SPD würden wir sehr begrüßen.

Berliner Stimme: Welche Erwartungen haben Jugendliche eigentlich an die SPD?

Mark Medebach:Die SPD soll die Belange von Jugendlichen konsequent unterstützen. Dabei darf sie nicht paternalistisch auftreten, sondern muss sich öffnen und die politische Meinung junger Menschen ernst nehmen. Das Sprachrohr von Jugendlichen sind vor allem die Jugendverbände. Die SPD tut gut daran, diesem Sprachrohr zu lauschen und den Dialog zu suchen - denn ohne junge Menschen sieht Berlin alt aus!

Interview: Malte Andersch

erschienen in: Berliner Stimme 6-2011 vom 19. März.