Wowereit on Tour: Reinickendorf

+++ 24. August | „Wowereit on Tour“ in Reinickendorf +++

Am Infostand der SPD
 

Gute Bilanz,  guter Ausblick

„Wir sind auf einem guten Weg und die Wirtschaftszahlen zeigen: es wird besser!“, lobte Walter Momper. Der ehemalige Regierende Bürgermeister und heutige Präsident des Abgeordnetenhauses sprach sich für Klaus Wowereits Politik aus, die bereits viele gute Ergebnisse erzielt habe. Der Regierende Bürgermeister und Spitzenkandidat der Berliner SPD hatte auf seiner Veranstaltungsreihe „Wowereit on Tour“ am gestrigen Nachmittag in der Fußgängerzone Gorkistraße in Reinickendorf halt gemacht.

 
Moderator Hannes Hönemann mit Stadtrat Thomas Gaudszun und Walter Momper
 
Momper verteidigte Wowereit auch gegenüber Vorwürfen der CDU, er würde zu viele Parties besuchen: „Kontakte werden bei solchen Gelegenheiten gemacht“. Gerade diese Kontakte zur Industrie seien wichtig für Berlin und für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Jörg Stroedter, Kandidat zur Wahl des Abgeordnetenhauses, sprach sich darüber hinaus für den Abbau von bürokratischen Hemmnissen aus. Bei Investitionen sei es wichtig, „dass man EINE Anlaufstelle hat“.
 
Hannes Hönemann und Klaus Wowereit auf der Bühne
 

Dem Regierenden Bürgermeister war das Thema Integration ein besonderes Anliegen. Man müsse die Menschen mit offenen Armen empfangen, so Wowereit. Allerdings dürfe man auch etwas einfordern, nämlich dass sich die- oder derjenige „auch integrieren lassen will“. Zugleich forderte er, sich auch die erzielten Erfolge ins Bewusstsein zu rufen. Man dürfe nicht vergessen, dass tagtäglich viele Menschen etwas für Integration tun.

 
Beim Aspekt Innere Sicherheit zeigte sich der Regierende sichtlich zufrieden. Dass dieses Thema nicht an erster Stelle der Sorgen der Berlinerinnen und Berliner stehe, dafür sorge die hervorragende Arbeit der Berliner Polizei. Allerdings gelte es, für mehr Polizeipräsenz an öffentlichen Plätzen zu sorgen, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu stärken und um für den Notfall gerüstet zu sein. Senator für Inneres, Erhart Körting, lobte die Einrichtung von Ordnungsämtern: „wir haben etwas geschaft, was vor uns kein Senat geschafft hat.“ „Ein großer Schritt nach vorn“ sei getan worden. Auch Anja Hertel, Kandidatin zur Wahl des Abgeordnetenhauses, gab sich zuversichtlich was den Einsatz von „Kiezstreifen“ anbelangt: „Ich bin davon überzeugt, es kommt gut an.“

Der BVV Kandidat und Bezirksstadtrat für Kultur und Umwelt Thomas Gaudzun hob die kulturelle Vielfalt Reinickendorfs hervor. Anders als in anderen Bezirken, sei Reinickendorf mit zwei großem Sälen ausgestattet, zeigte er sich sichtlich zufrieden. Allerdings gelte es, sich bei der Ausgabe des knappen Budgets intensiv zu verständigen. „Wir können Kultureinrichtungen nicht gegeneinander ausspielen“, forderte er. Walter Momper rühmte Berlin als Medienstadt. Was die Beschäftigung betreffe, so liege Berlin direkt hinter München an zweiter Stelle.

 
Jörg Stroedter, Klaus Wowereit und Peter Senftleben.
 

Die für den Bezirk wichtige Entscheidung zur Schließung des Flughafens Tegel unterstützte der Regierende Bürgermeister. Jörg Stroedter sagte, „das, was für Tempelhof gilt, gilt für Tegel erst recht“. Man sei es den tausenden betroffenen Menschen schuldig: „Die warten darauf, dass ihr Leben wieder lebenswert wird.“
Peter Senftleben, stellvertretender Bürgermeister und Stadtrat für Jugend und Familie warb für seine Wahl zum Bezirksbürgermeister. Reinickendorf sei bisher nach „Gutsherrenart“ regiert worden. Man müsse eine Stimmung erzeugen, die alle Menschen berühre. Es sei wichtig, dass „mehr eingebracht wird, was die Menschen wirklich wollen“.

Eine Zwischenfrage aus dem Publik bezüglich des Ausfallens von Unterrichtsstunden nahm Klaus Wowereit gerne auf und beantworte sie eingehend. Von 23 Millionen gehaltenen Stunden im Jahr sei die Zahl der ausgefallenen Stunden seit seinem Amtsantritt von 1,2 Millionen auf 600.000 gesenkt worden. Der Durchschnitt liege in Berlin bei 2,6% und damit im bundesweiten Vergleich durchaus gut. Stichproben in Bayern und Baden-Württemberg hatten teilweise einen Ausfallanteil von über 3% ergeben. Zugleich betonte der Regierende Bürgermeister, dass es eine Unterrichtsgarantie von 100% nicht geben könne. Diese Forderung von der Union wies er als „lebensfremd“ zurück.

Der Jungen Union, die mit Gegenplakaten mit dem Slogan „Klaus muss raus“ kombiniert mit einem roten Ampelmännchen auch die Veranstaltung „besuchten“, grub der Regierende mit Humor und ohne Mühe das Wasser ab. Er habe immer gedacht, man dürfe nicht gehen, wenn die Ampel rot zeige. Die Union solle doch ihre Plakate noch einmal überdenken.

Klaus Wowereit bekam am Ende der Veranstaltung noch ein Bild der Künstlerin Christina Allzeit überreicht. Diese gewährt mit dem Projekt „Marici“ jeder der 195 Nationen auf unserer Welt einen Quadratmeter Kunst. Schirmherr des Weltfrieden-Projektes für Kinder und Jugendliche ist Peter Senftleben.

 

Text: Gerster | Fotos: Gerken

 

Das Donnern soll ein Ende haben

Randbeobachtungen von Conrad Ziesch

Wenn über Reinickendorf die Maschinen auf ihrem Weg vom oder zum Flughafen Tegel donnern,  regt sich Widerstand bei den hier lebenden Menschen: Zu laut und zu schmutzig seien die startenden und landenden Flugzeuge, so die Meinung vieler Anwohner. „Wir sind es den Leuten schuldig, dass der Airport Tegel geschlossen wird“, fand auch Jörg Stroedter, Wahlkreiskandidat im Bezirk. Gemeinsam mit Klaus Wowereit und Peter Senftleben unterstrich er die Bedeutung des neuen Großflughafens BBI, der 2011 seinen Betrieb aufnehmen wird. „Wenn man sieht, unter welchen Zuständen die Leute in dieser Region zu leiden haben, ist die Schließung von Tegel und Tempelhof zu befürworten“, so der SPD-Politiker. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit äußerte sich kritisch zum momentanen Standort in Tegel: „Hunderttausende Menschen sind hier vom Flughafen betroffen, negativ betroffen.“ „Das Nachtflugverbot wird nicht konsequent eingehalten. Die Lärmbelästigung durch die Flugzeuge ist enorm“, pflichtete ihm Stroedter bei. „Viele Bewohner warten darauf, dass ihr Leben endlich wieder lebenswert wird.“, so der Wahlkreiskandidat.
Auch die weitere Nutzung des Flughafengebietes erregte die Gemüter. „Die Planung für das Gebiet ist bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen.“, erwiderte Wowereit. „Wir werden die Vorhaben gründlich und perspektivisch sinnvoll angehen“, versprach der Regierende Bürgermeister. „Wir haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit großen Entwicklungsgebieten gemacht, bei denen Milliarden Euro versenkt wurden. Sorgfalt hat hier oberste Priorität“, so Wowereit. 
Der Berliner Bürgermeister gab sich zuversichtlich, dass ein Mix aus verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten gefunden und umgesetzt werden könnte. Wohnen, Gewerbe, Freizeit, Sport und Erholung seien Möglichkeiten, das Areal sinnvoll zu nutzen, gab sich Wowereit optimistisch. Das Donnern der Flugzeuge werde dann ein Ende haben.