Wowereit on Tour: Lichtenberg

Wowereit on Tour im Lindencenter in Lichtenberg

+++ 30. August | Klaus Wowereit on Tour in Lindencenter, Lichtenberg+++

 

„Berlin ist mit seiner tollen Entwicklung nach der Einheit Vorbild für ganz Deutschland“, sagte Wolfgang Tiefensee am Mittwochnachmittag, „hier kann man erleben, wie alle vier Himmelsrichtungen der Stadt zusammenwachsen.“ Der Bundes-verkehrsminister und ehemalige Oberbürgermeister von Leipzig war prominenter Gast der Wahlkampfaktion „Wowereit on tour“, die den Spitzenkandidaten der Berliner SPD diesmal in das Lindencenter nach Lichtenberg führte. „Ich komme nicht aus Ost- oder Westberlin“, brachte es Klaus Wowereit dazu auf den Punkt, „sondern ich bin Südberliner.“ Die Bürgerinnen und Bürger, die sich zahlreich um die Bühne in dem neuen Shopping- und Verwaltungscenter versammelt hatten, quittierten es mit freundlichem La-chen.

 
 
Bereits zuvor hatte sich die Lichtenberger SPD in dem eineinhalbstündigen, locker moderierten Polittalk mit ihrem Programm für die Abgeordnetenhaus- und Bezirkswahlen präsentiert. „Unsere Vision ist das kinder- und familienfreundliche Lichtenberg“, erklärte der Bezirksbürgermeisterkandidat Andreas Geisel selbstbewusst, „trotz des mitunter wenig erfreulichen Images, das außerhalb des Bezirks anzutreffen ist, gibt es so viele Lichtenbergerinnen und Lichtenberger, die gerne in ihrem Kiez wohnen.“ Deshalb müssten die Stärken des Bezirks – allen voran die gut ausgebaute Infrastruktur im Bereich Kinderbetreuung und Bildung – herausgestellt werden, meinte der Kandidat, welcher selbst als Familiengründer in seinen Geburtsbezirk zurückzog, weil er die vielen Grünflächen, Spielplätze, Kitas und Schulen schätzte. „Wir verschweigen nicht, dass unser Bezirk nach der Wende viele Einwohner verloren hat“, pflichtete ihm die Spitzenkandidatin der SPD Lichtenberg für die Abgeordnetenhauswahlen Karin Seidel-Kamutzki zu, „aber die übergroße Mehrheit der Bürger begrüßt die Erfolge des Wandels in den letzten fünfzehn Jahren. Hohenschönhausen präsentiert sich heute als sehens- und lebenswerter Bezirk.“ Einen Eindruck von diesen Erfolgen vermittelten die drei Gäste aus dem Bezirk: Karsten Heyer vom Verein „Kiez für Kids Freizeitsport“ freute sich, dass seine Initiative mit dazu beiträgt, junge Familien in Lichtenberg zu halten. Matthias Stawinoga, Präsident des in Hohenschönhausen beheimateten SC Berlin, lobte das in den letzten Jahren umgesetzte Schul- und Sport-stättensanierungsprogramm des Senats. Er zeigte sich guter Hoffnung, dass auch bei den nächsten Olympischen Spieler wieder zahlreiche Leistungssportler aus Lichtenberg, die sich im „Club Peking 2008“ zusammengeschlossen haben, für Deutschland an den Start gehen können. Monika Rink vom GF Columbus Hotel schließlich brach eine Lanze für die mittelständischen Unternehmen im Bezirk, die – wie ihr eigenes Hotel – oft Ausbildungsquoten von bis zu 30% erreichten, auch unterstützt vom bezirklichen Projekt „AG Jugend und Wirtschaft des Wirtschaftskreises Hohenschönhausen-Lichtenberg e.V.“.

Danach warb Klaus Wowereit für seine Politik in der Stadt. Er freute sich über die WM-Begeisterung in diesem Sommer und dem Boom im Tourismus. Besonders unter den Nägeln brannte dem Regierenden Bürgermeister aber das Thema Arbeitslosigkeit. Anlässlich der drohenden Schließung des Bosch-Siemens-Hausgerätewerks in Spandau appellierte er an die Verantwortung der Unternehmen: „Diese Arbeitnehmer brauchen die Solidarität aller Berliner. Es mag ja sein, dass in unserer globalisierten Welt Waschmaschinenproduktion in Deutschland als nicht mehr rentabel erscheint. Dann haben wir aber auch die Erwartung an die großen Unternehmen, welche ständig damit beschäftigt sind, professionell den Markt analysieren zu lassen, rechtzeitig neue Produktlinien für den Standort zu entwickeln.“ Die Politik könne Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze schaffen und dies sei in erster Linie, durch Anstrengungen im Bildungsbereich das Potenzial an gut ausgebildeten Menschen in der Stadt zu erhöhen. In diesem Kontext wolle er die Reformanstrengungen der Berliner SPD mit der Einführung der kostenfreien Kita und der in der Umsetzung begriffenen Schulreform begriffen sehen. An dieser Stelle sprach er den Lehrerinnen und Lehrern Berlins „ein dickes Lob“ für ihre tagtägliche Arbeit aus: „Die Lehrer haben heute einen ungleich schwereren Job als früher. Schule muss heute viel mehr Soziales leisten.“
 
 
Schließlich traf gutgelaunt Wolfgang Tiefensee ein, der Klaus Wowereit für dessen Unterstützung dankte, als er noch Leipziger Oberbürgermeister war. „Klaus Wowereit stand mir mit Rat und Tat zur Seite, etwa beim Flughafenprojekt Leipzig/Halle, bei der Olympiabewerbung, aber auch in meinen dortigen Wahlkämpfen“, sagte der Bundes-verkehrsminister. Der Angesprochene dankte seinerseits für die Verlässlichkeit des Bundesengagements in Berlin, etwa beim Bau des neuen Hauptbahnhofs. Intensiv warben die beiden Politiker für den neuen Flughafen Berlin Brandenburg International in Schönefeld. „Ich bin glücklich, dass Wolfgang Tiefensee als Verkehrsminister neben Matthias Platzeck und mir einer der Garanten ist, dass es mit dem BBI klappt“, sagte der Regierende Bürgermeister, „der Spatenstich erfolgt nächste Woche. Dann geht es richtig los.“ Wolfgang Tiefensee ist überzeugt: „„Der BBI ist das Infrastrukturprojekt für Ostdeutschland. Zur deutschen Hauptstadt gehört ein internationaler Flughafen. Es werden Arbeitsplätze entstehen, in der Bauphase, aber auch, wenn der Betrieb 2011 aufgenommen wird. Deshalb sage ich die volle und nachhaltige Unterstützung von Bundesseite für den BBI zu.“ Diese zeige sich beim Ausbau des Autobahnzubringers nach Schönefeld und des Zugbahnhofs am Flughafen.
 
 

Bevor zum Ende der Veranstaltung das obligatorische Gruppenfoto der Bezirkskandida-ten mit Klaus Wowereit auf der Bühne anstand, gab Wolfgang Tiefensee noch zu: „Etwas neidisch bin ich schon auf seinen Job, denn als Regierender Bürgermeister verfügt er qua Amtes über mehr Bürgernähe als ein Bundesminister.“ Lachend fügte er hinzu: „Es ist toll, dass er so dicht dran ist an denen, für die er arbeitet. Aber natürlich liebe ich meinen Beruf genauso.“ Die angesprochene Nähe zu den Berlinerinnen und Berlinern bewies der SPD-Spitzenkandidat dann noch nach dem Bühnenprogramm, als er sich eine gute halbe Stunde Zeit nahm, um direkt mit den Lichtenberger Wählern ins Gespräch zu kommen.

 

Text: Christoph Gerken | Bilder: Marco Gerster