Schlussspurt-Kundgebung am Gendarmenmarkt

Schlussspurt-Kundgebung am Gendarmenmarkt

 

 

 

 

 

 

 

"Hinter den Kulissen"

Auf dem erwürdigen Gendarmenmarkt, vor der beeindruckenden Kulisse des französischen Domes, sind Fernsehteams unterwegs, die nach der geeigneten Einstellung suchen, sind Journalisten und Reporter  auf der Jagd nach Neuigkeiten.  Kameramänner sehen zwar viel. Mit ihren Objektiven erfassen sie das Podium und das Publikum davor, der Blick hinter die Kulissen bleibt ihnen jedoch verwehrt. Aber was passiert eigentlich hinter der Bühne?

 
 

Auf dem erwürdigen Gendarmenmarkt, vor der beeindruckenden Kulisse des französischen Domes, sind Fernsehteams unterwegs, die nach der geeigneten Einstellung suchen, sind Journalisten und Reporter  auf der Jagd nach Neuigkeiten.  Kameramänner sehen zwar viel. Mit ihren Objektiven erfassen sie das Podium und das Publikum davor, der Blick hinter die Kulissen bleibt ihnen jedoch verwehrt.

 

Aber was passiert eigentlich hinter der Bühne?

 
 
Es ist kurz vor Fünf, langsam trudeln die ersten Zuschauer auf dem Gendarmenmarkt ein. Der Berliner Himmel ist wolkenlos, Sonnenstrahlen verwöhnen die, die sich auf den Stufen des Domes niedergelassen haben. Auch hinter der Bühne herrscht Gelassenheit. Einzig der Moderator des Abends Frank Buschmann wirkt angespannt, während er die letzten Korrekturen an seiner Anmoderation vornimmt.
 
 
Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Klaus Schütz feiert übermorgen seinen 80. Geburtstag“ flüstert ihm einer der Organisatoren ins Ohr. „Schon vermerkt“ antwortet Buschmann. „Ehrengast Klaus Schütz grüßen“ kritzelt er auf seinen Zettel. Während sich Buschmann auf seinen Auftritt vorbereitet, dröhnen donnernde Bässe aus den Lautsprecherboxen, ein Gitarrensolo erklingt. Die Band „Rock for Berlin“ lässt den Gendarmenmarkt erbeben. „Fly away … to the sky“ heißt es in einem ihrer Songs.
 
 
Passenderweise landet in diesen Augenblick Kurt Beck auf dem Flughafen Tempelhof, um sich von dort auf den Weg nach Mitte zu machen. Bereits angekommen sind die Entertainerin Gayle Tafts und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, die sich herzlich umarmen. Einen großen Milchkaffee in ihrer Hand sprudelt es nur so aus Tafts heraus: „Schön hier zu sein“, freut sich die gebürtige US-Amerikanerin. Für Klaus Wowereit gibt es einen frisch gepressten Orangensaft, er mustert sein silbernes Klapphandy.
 
 
„Sie haben 73 neue Nachrichten“ scheint auf dem Display zu stehen, dem SPD-Politiker ist das jetzt egal. Lieber begrüßt er die jungen Musiker, die soeben von der Bühne gekommen sind. Die selbsterklärten Wowi-Fans drängen sich um den Regierenden Bürgermeister. Einige Erinnerungsfotos später,wird er in einem der Zelte für den bevorstehenden Auftritt verkabelt und geschminkt. Wowereit flachst mit Stephan Weil, Oberbürgermeister aus Hannover, als plötzlich ein weißer Touristenbus an ihnen vorbei fährt und die begeisterten Zuschauer der oberen Etage einen exklusiven Blick auf die Politprominenz erhaschen können. Auslöser klicken, eine blecherne Stimme versucht vergeblich die Touristen auf die architektonische Schönheit des Gendarmenmarkts aufmerksam zu machen.
 
 
Währenddessen besprechen einige schwarz gekleidete Männer mit Funkgerät den bevorstehenden Einsatz. „Wie lange dauert es noch bis zum Auftritt von Wowereit?“ fragt einer der Bodyguards seinen Kollegen. Noch zwanzig Minuten bedeutet dieser mit einigen kurzen Handzeichen. Kurz darauf vergrößert sich die Zahl der Anzugträger: Klaus Böger, Tilo Sarazin, Ehrhart Körting und Ingeborg Junge-Reyer sind soeben eingetroffen. Auffällig sind die vielen roten Krawatten, die mehr oder wenig ordentlich geknotet an den Politikerhälsen baumeln. Auch der Regierende Bürgermeister setzt heute auf die Trendfarbe „Rot“.
 
 

Frank Buschmann kehrt von der Bühne zurück: „Wer hat meine Zigaretten geklaut?“ fragt er erstaunt, als er den leeren Tisch vor sich sieht. Der Wind hat sie weggepustet, ein Ersatz ist schnell gefunden. Langsam bricht die Berliner Abenddämmerung herein. Noch immer wird in kleiner Runde geschmaucht, geplaudert und über alte Zeiten sinniert. Mittlerweile ist es 1903 Uhr, der Einmarsch Klaus Wowereits steht unmittelbar bevor. Über einen Hinterausgang mach er sich, umringt von seinen Sicherheitsleuten auf den Weg zur Bühne, Matthias Platzeck und Kurt Beck folgen ihm. Im Backstage-Bereich wird es nun ruhiger, Kinder spielen auf dem Boden, die weiteren Ablaufpläne werden besprochen. Vereinzelt schallen „Wowi, Wowi“-Sprechchöre über den Platz, Sprachfetzen dringen auch hinter die Kulissen.

 
 
Platzek schwärmt: „Heute schaut die Welt auf Berlin, mit herzförmigen Pupillen.“ Kurt Beck spricht von der Erhaltung des Berliner Bären: „Berliner verschenken ihre Bären, Bayern erschießen sie“, so der Ministerpräsident scherzhaft. Kurze Zeit später landen einige Exemplare der Spezies „Wowi-Bär“ in den Armen glücklicher Zuschauer.

Es ist 2025 Uhr, die Schlussworte des Regierenden Bürgermeisters sind gesprochen. Auf den Monitoren eines Übertragungswagens flimmern die letzten Bilder, zwei Aufnahmeleiter sitzen an ihren Mischpulten, um das Gefilmte zusammen zu schneiden.
 
 
Die Musiker der Band „Jazzkantine“ bereiten sich derweil auf den bevorstehenden Auftritt vor. Ein langhaariger Gittarist im weißen Anzug zupft behutsam an seinen Saiten, auch der Saxophonist spielt leise Akkorde. Einige Minuten später betreten sie die Bühne, jazziger Hip Hop erklingt aus den großen, schwarzen Boxen. Die Band spielt bis die letzten Nebelschwaden verschwunden und die verbliebenen Scheinwerfer erloschen sind, bis sich der Mantel der Nacht über den Gendarmenmarkt gelegt hat.
 
 
 
 
 
 
 
 
Text: Conrad Ziesch | Fotos: Felizitas Lang