Landesparteitag vom 9. April 2005: Resolution zum 8. Mai

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Landesparteitag vom 9. April 2005: Resolution zum 8. Mai

Der Landesparteitag der Berliner SPD hat am 9. April 2005 in einer Resolution einstimmig beschlossen, den Aufruf zum 8. Mai "Ein Tag für die Demokratie" zu unterstützen. Am 7. und 8. Mai soll mit zahlreichen Veranstaltungen an den 60. Jahrestag der Befreiung von der Nazi-Diktatur erinnert werden. Der Beschluss im Wortlaut:

Resolution
Die Berliner SPD unterstützt den Aufruf „8. Mai 1945: Befreiung von der Nazi-Diktatur! 8. Mai 2005: -  Ein Tag für die Demokratie!”

Um an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an das Leid der Kriegsjahre zu erinnern rufen wir zur Teilnahme am „Tag für die Demokratie” auf. Wir wollen damit auch ein deutliches Zeichen für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte setzen.
 
Gemeinsam mit einer breiten Koalition aus Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Gruppen wollen wir uns an den Veranstaltungen am 7. und 8. Mai beteiligen.
 
Wir werden gemeinsam mit Demokratinnen und Demokraten anderer Parteien und Organisationen dafür sorgen, dass nicht alte und neue Nazis ausgerechnet den 60. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus prägen!
 
Wir wollen gemeinsam an der Kundgebung am 8. Mai teilnehmen und rufen unsere Mitglieder in den Kreisen und Abteilungen auf, sich daran zu beteiligen!
 
Wir Sozialdemokraten haben uns stets für die Freiheit, Demokratie und die Menschenrechte in unserem Land eingesetzt. So wie wir uns in der Historie stets dem Rechtsextremismus widersetzt haben, so wollen wir auch heute Flagge zeigen!
Aufruf
 
8. Mai 1945: Befreiung von der Nazi-Diktatur! 8. Mai 2005: Ein Tag für die Demokratie!
 
Am 8. Mai jährt sich das Kriegsende in Europa zum 60. Mal. Die alliierten Streitkräfte beendeten die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. Nach sechs Jahren Krieg und über 60 Millionen Toten bedeutete der 8. Mai 1945 das Ende der verbrecherischen Gewaltherrschaft Deutschlands über fast ganz Europa und das Ende des Massenmordes an den europäischen Juden. Auch die Verfolgung und die Ermordung von zahlreichen anderen Opfern endeten an diesem Tag.
 
Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat vor nunmehr 20 Jahren die richtigen Worte für diesen Tag gefunden:
 
»Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. «
 
Heute gedenken Demokratinnen und Demokraten des Kriegsendes vor 60 Jahren. Nur wenn wir die Erinnerung an das Leid der Kriegsjahre und an die Opfer der Gewaltherrschaft wach halten, bleibt uns bewusst, wie wichtig und zukunftsweisend Freiheit, Demokratie und Menschenrechte für uns sind.
Für Millionen von Menschen war der . Mai ein Tag der Hoffnung und Zuversicht. Ihre Hoffnung ist aufgegangen in einem zusammenwachsenden, friedlichen Europa und einem demokratischen, vereinigten Deutschland.
 
Für viele Menschen war mit dem . Mai das Leiden noch nicht beendet: Das Unrecht der Vertreibung und das Leid der Flüchtlinge waren Folgen des von Deutschland begonnenen Krieges, und erst mit dem Fall der Mauer und der friedlichen Wiedervereinigung wurden Freiheit und Demokratie in ganz Deutschland Realität.
 
Die Erinnerung an den . Mai 1945 schärft unseren Blick auf das Heute und ist Auftrag und Verpflichtung zugleich:
 
Gedenken wir am . Mai gemeinsam aller Opfer und begehen wir diesen Tag gemeinsam mit denen, die Widerstand gegen das Naziregime geleistet haben, und denen, die uns als Alliierte von der NS-Diktatur befreit haben.
 
Der . Mai 1945 war der Ausgangspunkt dafür, aus alten Gegnern Partner und schließlich Freunde zu machen. Freiheit und Demokratie verbinden uns heute. Auch diese historische Versöhnung wollen wir gemeinsam würdigen.
 
Jenen, die die Geschichte umdeuten und die Opfer am Tag der Befreiung verhöhnen wollen, setzen wir die Entschlossenheit aller demokratischen Kräfte entgegen. Wir wollen in Deutschland nie wieder Unfreiheit, Intoleranz, Rassismus, Fremdenhass und Antisemitismus zulassen. Wir werden an diesem Tag in der Mitte Berlins ein Zeichen der Stärke unserer Demokratie setzen. Und wir zeigen, dass es lohnt, an unserer freiheitlichen Gesellschaft weiterzubauen und sie damit zu stärken.
Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben mit dem Artikel 1 eine unmissverständliche Antwort auf die Barbarei der Nazis gegeben. Diese Antwort hat für uns Demokraten bis heute Gültigkeit:
 
»Das deutsche Volk bekennt sich darum zu den unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. «
 

Wir laden dazu ein, den Jahrestag der Befreiung von der NS-Diktatur mit einem Tag für die Demokratie zu begehen!