Stadt des Wissens: Bildung schafft Chancen

Wahlprogramm

Wahlprogramm 2006

Stadt des Wissens: Bildung schafft Chancen

Der Zugang zu Bildung muss unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht, Alter und Einkommen gewährleistet sein. Das ist eine wesentliche Grundlage sozialer Gerechtigkeit und Voraussetzung für die Entwicklung der Gesellschaft. Bildung ist mehr als Fachwissen. Toleranz, Demokratie, Gemeinschaft, Menschlichkeit müssen vermittelt und erlebbar gemacht werden.

Die Herausforderungen der demografischen Entwicklung, der Globalisierung und des internationalen Wettbewerbs können wir nur meistern, wenn wir unser Bildungssystem weiter ausbauen und besser qualifizieren. Wir haben ein im Bundesvergleich sehr gut ausgestattetes Bildungs- und Betreuungsangebot für die kleinen Berlinerinnen und Berliner. Die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind bereits jetzt in kaum einem anderen Bundesland besser als in Berlin.

Kleine Kinder haben Freude am Lernen: Auch Kitazeit ist Bildungszeit. Deshalb gestalten wir alle Berliner Kitas konsequent zu Bildungs- und Erziehungseinrichtungen um. Die mit allen Trägern abgeschlossene Qualitätsvereinbarung verpflichtet jede Berliner Kita zur Umsetzung des Berliner Kita-Bildungsprogramms, das in Fachkreisen über Deutschland hinaus große Anerkennung findet. Alle Berliner Erzieherinnen und Erzieher werden dazu fortgebildet.

Darüber hinaus haben wir erreicht, dass ab 2007 das letzte Kita-Jahr kostenfrei ist. Dadurch ist für alle Kinder ein Jahr vorschulischer Förderung sichergestellt. Kinder werden so besser auf die Schule vorbereitet.

Mit dem neuen Schulgesetz ist eine umfassende Reform der Berliner Schule eingeleitet und wird Schritt für Schritt umgesetzt. Damit stärken wir die kindliche Sprachkompetenz, verkürzen die Zeit zum Abitur, verbessern die Qualität des Unterrichts und fördern bildungsbenachteiligte Kinder besser als bisher.

Wir wollen die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Fachabitur und Abitur erhöhen. Wir haben den Schulen mehr Selbständigkeit und Verantwortung gegeben, das Ganztagsschulangebot in der Grundschule flächendeckend ausgebaut, unser Schul- und Sportstättensanierungsprogramm über 40 Millionen Euro jährlich erfolgreich fortgesetzt und junge Lehrer eingestellt. In den Schulen haben wir ein abgestimmtes System von Maßnahmen zur Qualitätssicherung installiert – von regelmäßigen Tests und Vergleichsarbeiten über Schulinspektionen bis zur Intensivierung der Fort- und Weiterbildung.

Die Zukunft der Einzelnen wie der gesamten Gesellschaft ist eine Frage sozialer Kompetenz und eines leistungsfähigen Bildungssystems. Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit gibt es nur, wenn alle entsprechend der individuellen Fähigkeiten bestmöglich gefördert und gefordert werden.

 
Bildung ist Zukunft - Bildungspolitische Prioritäten
Wir werden das Berliner Bildungssystem so weiter entwickeln, dass alle Schülerinnen und Schüler einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Abschluss erzielen können und die Absolventinnen und Absolventen unserer Schulen und Hochschulen in nationalen und internationalen Vergleichen einen Spitzenplatz einnehmen. Deswegen haben wir uns folgende Ziele gesetzt:

  • Alle Kinder sollen bei der Einschulung angemessen Deutsch sprechen können. Dazu werden wir die Sprachförderung der Kinder durch Sprachstandsfeststellungen und Sprachkurse weiter intensivieren und verlässliche Angebote der Familienbildung und Sprachangebote für Eltern in direkter Anbindung an Kita-Standorte entwickeln und ausbauen.
  • Wir werden die Erzieherinnen und Erzieher zur Sprachförderung in den Kitas weiter qualifizieren und die Ausbildung entsprechend verbessern.
  • Wir werden die Schulabbrecherquote in den nächsten zehn Jahren mindestens halbieren.
  • Der Anteil der Klassenwiederholer und derjenigen, die beim Schulübergang von der Grundschule in die Mittelstufe scheitern, wird weiter reduziert. Außerdem werden mehr Jugendliche eines Jahrgangs die Hochschulzugangsberechtigung erwerben und ein Studium aufnehmen.
  • Die Berufsweltorientierung der Schulen wird verbessert. Die Schulen sollen ihre Selbständigkeit dazu nutzen, eigene Initiativen zur stärkeren Zusammenarbeit mit weiterführenden Bildungseinrichtungen und Unternehmen zu ergreifen.
  • Kinder und Jugendliche sollen am kulturellen Leben der Stadt teilhaben können. Kulturelle Bildung muss durch bessere Koordinierung der kulturellen Einrichtungen und Bildungsinstitutionen verstärkt werden.
  • Die Bildungsverwaltung wird sich stärker als bisher als Dienstleister der Schulen ausrichten und durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildungsangebote die Qualität von Bildung und Erziehung erhöhen.
  • Das Schul- und Sportstättensanierungsprogramm wird fortgesetzt und ein Investitionsprogramm zum Ausbau von Mensen auch an den Oberschulen gestartet. Damit werden wir das Angebot und die Qualität von Ganztagsschulen weiter erhöhen.
  • Wir werden allen Schulen ein Budget für Personalmittel zur Verfügung stellen, mit dem sie selbständig Vertretungen organisieren können.
  • Zur Sicherung des künftigen Lehrerbedarfs an Berliner Schulen wird es in den nächsten Jahren einen Einstellungskorridor geben, so dass die gut ausgebildeten Berliner Referendarinnen und Referendare eine Beschäftigungsmöglichkeit an Berliner Schulen erhalten.
  • Wir stehen für lebenslanges Lernen aus Gründen der Zukunftsfähigkeit wie sozialer Gerechtigkeit. Deshalb fördern wir die dafür notwendigen Rahmenbedingungen und Institutionen.


Wir wollen eine Schule, in der Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und ihre Kinder gemeinsam Verantwortung tragen. Hierzu gehört es auch, das Engagement der Eltern zu unterstützen und einzufordern. Deshalb weiten wir die Selbständigkeit der Schulen konsequent aus. Wir werden eine Internetplattform einrichten, über die die Schulen Zugriff auf noch nicht fest angestellte junge Lehrkräfte und andere Qualifizierte haben. So werden wir den Unterrichtsausfall weiter reduzieren.

Um diese Ziele zu erreichen, brauchen wir mehr Transparenz und Wettbewerb unter den Bildungseinrichtungen. Wir werden deshalb neben den Schulprogrammen auch die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten öffentlich zugänglich machen. Dabei werden wir darauf achten, dass qualifizierte Vergleichsmöglichkeiten die Unterschiede im Umfeld der Schulen und damit die unterschiedlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Nach der umfassenden Reform durch das Schulgesetz werden die Schulen in den nächsten Jahren eine gesicherte Ausstattung erhalten, die es ihnen ermöglicht, ihre Arbeit kontinuierlich fortzuführen und dabei der Verbesserung der Unterrichtsqualität und der Entwicklung von Schule als Lern- und Lebensort besonderes Augenmerk zu widmen. Die bildungspolitische Debatte um die Zukunft der Schule ist damit aber nicht beendet. Auch über die Umsetzung des Schulgesetzes hinaus wird sich Schule in Berlin weiter verändern müssen. Wir haben aus den Bildungsstudien der vergangenen Jahre und aus den Erfahrungen in Skandinavien die richtigen Schlüsse gezogen: Unsere Kinder sollen länger gemeinsam lernen. Wir wollen die soziale Auslese des deutschen Schulsystems überwinden. Wir werden deshalb ein Konzept für eine Gemeinschaftsschule entwickeln. Im ersten Schritt werden wir Initiativen von Schulen zur schulformübergreifenden Kooperation unterstützen. Erfolgreiche Gesamtschulen wollen wir zu Gemeinschaftsschulen ausbauen.

 

Schule und Kita in sozialer Nachbarschaft
Schulen und Kitas sind keine isolierten Bildungseinrichtungen. Sie müssen sich öffnen, in ihre sozialen Nachbarschaften integrieren und Verantwortung in ihrem Umfeld übernehmen. Deshalb werden wir die Zusammenarbeit der Schulen und Kitas mit der Jugendhilfe, der lokalen Wirtschaft, den bezirklichen Job-Centern, der Bundesagentur für Arbeit und anderen Einrichtungen intensivieren.

Unsere besondere Verantwortung liegt darin, auch denen eine Perspektive zu geben, die keine hohen und höchsten Abschlüsse erreichen. Wir werden die Hauptschülerinnen und Hauptschülern bei ihrer Ausbildungswahl und der Suche nach einem Ausbildungsplatz besser unterstützen als bisher. Dafür ist die Zusammenarbeit der Schulen mit der Wirtschaft, der Bundesagentur für Arbeit und anderen Einrichtungen erforderlich.

Jugendliche brauchen Förderung und Schutz. Damit Kinder und Jugendliche gute Bedingungen für ihre Entwicklung bekommen, sind neben einem gut funktionierenden Bildungssystem eine sie fördernde Familie, ausreichend Möglichkeiten für wohnortnahe Freizeitaktivitäten, bedarfsgerechte und flexible Hilfen sowie eine Vielzahl von Angeboten an die Familien unabdingbar. Mit sozialraumorientierter Jugendhilfe wollen wir erreichen, dass die notwendigen Hilfen im Kiez angeboten werden und passgenau ankommen. Jugendhilfe wird in Zukunft regional organisiert sein und sich mit den Schulen und den anderen Institutionen, Projekten und Vereinen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, vernetzen. Frühzeitige Unterstützung bietet die größtmöglichen Chancen auf Erfolg. Deshalb gehen wir u.a. konsequent gegen Schulschwänzen vor und nehmen gleichzeitig die Eltern in die Verantwortung. Jugendhilfe muss unterstützen, aber auch in Gefährdungssituationen unverzüglich und konsequent eingreifen. Um Gefährdungssituationen rechtzeitig erkennen und richtig einschätzen zu können, müssen alle Institutionen und Bezugspersonen von Kindern und Familien zusammenarbeiten.

 

Mehr Studierende mit besserer Betreuung
Die Lehre und die Betreuung der Studierenden an den Berliner Hochschulen muss verbessert werden, um die viel zu hohe Zahl der vorzeitigen Studienabbrüche deutlich zu reduzieren. Auch deshalb werden wir die Hochschulverträge zukünftig allein an Leistungskriterien für Forschung und Lehre ausrichten. Wir erwarten von den Hochschulen eine stärkere Zusammenarbeit mit den Schulen, damit Schülerinnen und Schüler sich besser auf das Studium vorbereiten können. Die Studierenden sollen nach dem erfolgreichen Abschluss des Bachelor-Studiums frei wählen können, ob sie in das Master-Studium gehen oder eine Berufstätigkeit aufnehmen.

Für den Hochschulzugang darf es keine finanziellen Zugangshürden geben. Die Berliner SPD plädiert für ein Studienkontenmodell, das nach in Anspruch genommener Lehrleistung und nicht nach Zeit zur Verfügung steht. Damit wird auch unbürokratisch ein Teilzeitstudium aus beruflichen, familiären oder anderen Gründen ermöglicht.

Angesichts der bundesweit steigenden Nachfrage an Studienplätzen sollen die Berliner Hochschulen weiterhin Studierende aus anderen Bundesländern und dem Ausland anziehen und über den Bedarf Berlins hinaus ausbilden. Mit den anderen Bundesländern und dem Bund werden wir über einen Finanzausgleich für die Studienplätze verhandeln.

 

Konsequent Berlin.

  • Familie und Beruf sind in Berlin keine Gegensätze. Das Angebot an Kinderbetreuung ist nirgendwo in Deutschland dichter und das letzte Kita-Jahr ab 2007 sogar beitragsfrei.
  • Wir haben mit dem Schulgesetz auf PISA reagiert und alle lernen: Die Schulen lernen Selbstständigkeit, die Lehrer neue Methoden, die Eltern lernen Schulen zu vergleichen, die Kinder lernen miteinander und voneinander – und alle lernen ein neues Maß gemeinsamer Verantwortung für ihre Schule.
  • Chancengerechtigkeit für Berliner Kinder ist nicht verhandelbar. Für Chancengerechtigkeit sind alle verantwortlich. Deshalb ist Deutsch zu können Pflicht – für Kinder und Eltern.

Gute Ausbildung bringt uns alle weiter. Deshalb stehen wir für ein gebührenfreies Erststudium und bessere Studienbedingungen.