7. Wissenschaft

Koalitionsvereinbarung

Koalitionsvereinbarung 2006-2011

7. Wissenschaft

Die Wissenschaftseinrichtungen Berlins sind eine unentbehrliche Zukunftsressource für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt. Die Koalitionsparteien wollen die Hochschulen und Forschungseinrichtungen Berlins auch in Zukunft bei der nachhaltigen Entwicklung ihres Profils und bei der Qualitätssicherung begleiten und unterstützen. Das Leitbild der Wissenschaftsregion Berlin-Brandenburg und die entsprechend konzipierten Cluster und Kompetenzzentren bilden den Rahmen der strategischen Positionierung der Wissenschaftseinrichtungen. Die Hochschulen nehmen in diesem Prozess eine tragende Rolle ein.
 
Die Koalitionsparteien halten an einem diskriminierungsfreien Hochschulzugang fest. Für den Hochschulzugang darf es keine finanziellen Hürden geben.


Planungssicherheit für die Hochschulen

Die Koalition bekennt sich zur Stärkung der Autonomie der Hochschulen. Mit den Hochschulverträgen sichert sie die nötige Planungssicherheit. Dieses System wird daher bei der im Jahre 2007 erfolgenden Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes rechtlich verankert. Gleichzeitig werden die Verträge als Steuerungsinstrument weiterentwickelt und zu Zielvereinbarungen qualifiziert. Bei den Verhandlungen über die vierjährige Verlängerung der Verträge ab dem Jahre 2010 werden die bislang vereinbarten Maßnahmen überprüft. Auf dieser Grundlage wird entschieden, welche Zielkriterien fortgeführt werden und welche verzichtbar sind bzw. neu hinzutreten sollen. Zielvereinbarungen sollen zu verbindlichen Leistungsbeschreibungen entwickelt werden, deren Erfüllung im Rahmen der Leistungsberichte zu überprüfen ist. Die Universitätsmedizin Charité ist mit einem eigenen Hochschulvertrag in das System zu integrieren. Das Parlament soll künftig intensiver und konkreter die Erfüllung der von ihm im Rahmen der Hochschulverträge gesetzten Ziele kontrollieren.

Die Koalition wird die Hochschulen bis 2010 vom kameralen auf das kaufmännische Rechnungswesen umgestellt haben und eine einheitliche Kosten- und Leistungsrechnung einführen. Die Wissenschaftsverwaltung wird mit den Hochschulen ergänzend einen Katalog von Leistungskriterien entwickeln. Die Hochschulverträge und das Berichtswesen über die Zielerreichung werden so ausgestaltet, dass das Abgeordnetenhaus auf Abweichungen während der Vertragslaufzeit reagieren kann.

Die Hochschulverträge sollten neben den Kernbereichen Forschung, Lehre, Weiterbildung sowie Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses folgende Inhalte berücksichtigen:

  • gesellschaftliche Anforderungen, strategische Zielsetzungen und das Hochschulprofil,
  • Serviceleistungen für die hochschulexterne Öffentlichkeit,
  • Einbindung in internationale Netzwerke und Kooperationen zwischen den Hochschulen einschließlich der Einwerbung von Drittmitteln,
  • interne Weiterbildungs- und Entwicklungsmaßnahmen,
  • Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit des Ressourceneinsatzes, eine verbesserte Berichts- und Rechenschaftslegung, Indikatoren für die Budgetzuweisungen, Haushalts- und Rechnungswesen, Managementleistungen und -instrumentarien,
  • modifizierte Instrumentarien der interne Evaluation sowie zur Gleichstellung der Geschlechter.

Die Forschungsstärke der Hochschulen soll auf ihrem hohen Niveau erhalten bleiben und auch durch die verstärkte Kooperation mit außeruniversitären Einrichtungen und der Wirtschaft erhöht werden. Der qualitativen und quantitativen Entwicklung von Lehre und Studium soll an den Universitäten ein ebenso großer Stellenwert eingeräumt werden. So soll die Ausbildungsleistung ein Kriterium für die Budgetierung und die interne Verteilung der Kapazitäten sein. Bereits im Vorfeld der Vertragsverhandlungen ist ein hochschulinternes Beteiligungsverfahren sicherzustellen.

Die leistungsbezogene Mittelvergabe (LBMV) hat sich als Instrument zur Setzung von Anreizen bewährt und soll beibehalten und weiterentwickelt werden. Die Kriterien sind im Detail zu evaluieren und zu den Neuverhandlungen der Hochschulverträge zu qualifizieren. Besonderes Augenmerk liegt auf dem Bereich Lehre und Studium. Der Studienerfolg und die Senkung der Abbrecherquoten besitzen dabei absolute Priorität.


Gleichstellung in der Wissenschaft

Die Koalition wird den Prozess der Gleichstellung der Geschlechter in Forschung und Lehre fortsetzen. Dabei sollen die erzielten Fortschritte bei der Qualifizierung von Frauen für eine wissenschaftliche Tätigkeit auch zu einer Erhöhung der Berufungsquote auf Professuren und in Führungspositionen führen. In den Hochschulverträgen sollen qualitative Aspekte der Gleichstellung der Geschlechter stärker berücksichtigt und die gleichstellungsorientierten Ziele, Leistungsanreize und das entsprechende Controlling weiterentwickelt werden. Die Bund-Länder-Vereinbarung über die Anwendung der Grundsätze des Gleichstellungsdurchsetzungsgesetzes sollen in den gemeinschaftlich finanzierten außeruniversitären Forschungseinrichtungen mit Sitz in Berlin durchgesetzt werden. Entsprechende Controllinginstrumente werden geschaffen.


Weiterentwicklung der Fachhochschulen

Der erfolgreiche Prozess der Neueinrichtung von Studienplätzen an Fachhochschulen wird durch die Verlagerung von universitären Kapazitäten fortgesetzt. Der Anregung des Wissenschaftsrates zur Eingliederung der FHVR in eine andere Fachhochschule wird unter Berücksichtigung von inhaltlichen und wirtschaftlichen Aspekten durch den Zusammenschluss von FHVR mit einer anderen Fachhochschule entsprochen. Nach der Novelle des Berliner Hochschulgesetzes werden die Fachhochschulen, wie in anderen Ländern bereits üblich, künftig Hochschulen heißen.


Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung fortsetzen

Die Reform der Lehrerinnen- und Lehrerbildung wird fortgeführt. Dabei stehen die Attraktivität und Qualität des Lehramtsstudiums, aber auch die Erreichung der vereinbarten Zahl an Absolventen im Mittelpunkt. Die neu geschaffenen Lehrerinnen- und Lehrerbildungszentren werden im Jahre 2009 evaluiert. Zeichnet sich ab, dass die notwendige Abstimmung und Kooperation sowie eine angemessene Betreuung in diesen Strukturen nicht geleistet werden kann, prüft die Koalition die Bildung einer übergreifend koordinierenden Einrichtung für Lehrerbildung in gemeinsamer Verantwortung der Hochschulen und der Schulverwaltung. Die Koalition strebt an, nach Evaluierung in einem Diskussionsprozess zwischen den Ländern für alle Lehrämter Studiendauern anzugleichen und Inhalte den Erfordernissen einer besseren Professionalisierung bei Erhalt des wissenschaftlichen Standards anzupassen. Die Koalition prüft eine Erhöhung des Anteils der Berufswissenschaften im Bachelorstudiengang. Die Hochschulen werden in die Weiter- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer eng einbezogen. Die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher für die vorschulische Bildung muss qualitativ verbessert werden.


Personalstrukturen modernisieren

Die Koalitionsparteien wollen im Rahmen der Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes die mit der Einführung der Juniorprofessur begonnene Reform der Personalstruktur verstetigen. Angestrebt wird eine moderne, international kompatible Personalstruktur, die »Wissenschaft als Beruf« ermöglicht, die differenziert und zugleich offen ist und in der es keine Sackgassen der wissenschaftlichen Karriere gibt. Dadurch sollen die Möglichkeiten der Hochschulen erweitert werden, im Rahmen der ihnen zugewiesenen Budgets das Lehrangebot durch Personal mit erhöhter Lehrverpflichtung deutlich zu verbessern, um kürzere Studienzeiten, geringere Abbrecherquoten und eine höhere Qualität der Abschlüsse zu erreichen. Damit dieses Ziel nicht um den Preis eines erheblichen Studienplatzabbaus erreicht wird, sollen die Personalstruktur geändert, der »tenure track« erweitert und die Einheit von Forschung und Lehre gewährleistet werden. Zukünftig sollen alle neu einzurichtenden Stellen im Angestelltenverhältnis besetzt werden.


Neue Spielräume nutzen – Novelle des Berliner Hochschulgesetzes

Die Koalitionsparteien wollen die im Rahmen der Föderalismusreform gewachsenen Gestaltungsmöglichkeiten des Landes bei der Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG) für eine fortschrittliche Hochschulpolitik nutzen. Die Koalition legt der Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes folgende politische Zielsetzungen zugrunde:

  • Die Eigenständigkeit, Handlungsfähigkeit und Verantwortung der Hochschulen im Rahmen der gesetzlich festgelegten Aufgaben und Verfahrensweisen ist zu stärken. Damit sollen Leistungsfähigkeit und Effizienz besser gesichert und Exzellenz im überregionalen und internationalen Vergleich ermöglicht werden.
  • Hochschulen bleiben Körperschaften öffentlichen Rechts. Allen Mitgliedern ist weiterhin die demokratische Teilhabe an der Selbstverwaltung nach gesetzlich festgelegten Mitwirkungsgrundsätzen zu sichern.

Offener Zugang – auch für beruflich Qualifizierte – und Chancengleichheit sind Voraussetzung dafür, dass möglichst viele junge Menschen an den Hochschulen für ihre Aufgaben in einer demokratischen Gesellschaft ausgebildet werden können. Die praktischen Erfahrungen mit der geltenden Erprobungsklausel nach § 7 BerlHG sind transparent auszuwerten und in die 2007 anstehende Novelle des Gesetzes zu übertragen.

Eine umfassende und wirksame Teilhabe der am Wissenschaftsprozess beteiligten Gruppen – Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen, Studierende, wissenschaftliche und sonstige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – im Sinne einer inneren Demokratisierung der Hochschulen ist Voraussetzung für die weitere Stärkung der Autonomie der Hochschulen und Ausgleich für den Rückzug des demokratisch legitimierten Staates aus der Detailsteuerung.

Vor dem Hintergrund der Entwicklung in anderen Bundesländern hält die Koalition an der Stellung der Studierendenschaft als öffentlich-rechtliche Teilkörperschaft der Hochschulen fest, die mit Finanz- und Satzungsautonomie sowie mit politischem Mandat, entsprechend der Regelungen des Berliner Hochschulgesetzes, ausgestattet ist.


»Berliner Modell« für Bachelor und Master

Die Koalitionsparteien unterstützen die Schaffung eines Europäischen Hochschulraums im Bologna-Prozess. Wir wollen diesen durch die Entwicklung eines »Berliner Modells« qualifizieren: Die Studienstrukturreform muss die flexible wechselseitige Anerkennung von Studienleistungen zwischen den Hochschulen sicherstellen. Die Modularisierung soll Auswahlmöglichkeiten für Studierende erweitern und nach fachlichen sowie hochschuldidaktischen Kriterien erfolgen. Überregulierung innerhalb der und Abschottungstendenzen zwischen den Hochschulen sind abzubauen, Auslandsaufenthalte zu fördern, das Teilzeitstudium auch in den neuen Studiengängen zu sichern ist.
Um die Studienabbruchsquote zu senken, soll das Bachelorstudium im ersten Jahr stärker Orientierung und gegebenenfalls Umorientierung ermöglichen. Studierende sind durch forschendes Lernen in den Forschungsprozess einzubinden. Akkreditierung und regelmäßige Evaluierung der Studiengänge durch Studierende sind gesetzlich zu verankern.

Die Koalitionsparteien wollen mehr Exzellenz im Studium. Deshalb wird die Einrichtung von Kollegs für Research Students in qualifizierten Studiengängen der Universitäten, die zusätzlich mit privaten Mitteln finanziert werden können, unterstützt. Diese Ausbildung erfolgt zusätzlich zur Teilnahme am normalen Studienangebot in der Regelstudienzeit und dient der frühzeitigen Einbindung von Studierenden in Wissenschaft und Forschung.

Die Hochschulen erschließen durch den beschleunigten Aus- und Aufbau einer eigenen wissenschaftlichen und beruflichen Weiterbildung unter Nutzung der Qualifikation ihrer Mitglieder und der Infrastruktur der Hochschulen über den Globalzuschuss hinaus finanzielle Spielräume.


Von der Kapazitätsberechnung zum Vereinbarungsmodell

Nach der Kündigung des Staatsvertrags über die Kapazitätsverordnung obliegt den Ländern die Regelung in eigener Kompetenz. Dabei ist zu sichern, dass bei angemessenen Betreuungsrelationen eine größtmögliche rechnerische Aufnahmekapazität gewährleistet ist, die bei entsprechender Bewerbungslage ausgeschöpft werden muss. In der vergangenen Legislaturperiode wurde zur Steigerung der Erfolgsquote an den Universitäten eine Verbesserung der Betreuungsverhältnisse in den modularisierten Studiengängen um durchschnittlich 15 % und die Steigerung der Erfolgsquoten auf 70% vereinbart. Damit ist ein Schritt zu einer neuen Grundlage für die Kapazitätsermittlung gegangen worden.

Die Koalition wird auf dieser Grundlage eine landesspezifische Regelung erarbeiten und im Rahmen eines Vereinbarungsmodells mit den Hochschulen umsetzen. Die realen Studienplatzkosten sollen in Zukunft die Grundlage für die Berechnung von Studienanfängerplätzen sein. Die so vereinbarten Zulassungszahlen werden ab 2010 in die neu zu verhandelnden Hochschulverträge integriert. Mittelfristig wird ein Systemwechsel in der Hochschulfinanzierung hin zu mehr Leistungsorientierung angestrebt. Mit den neuen Hochschulverträgen ab 2010 soll die Finanzierung getrennt für die Bereiche Forschung und Lehre ausgewiesen werden.


Die Hochschulfinanzierung zukunftsfähig gestalten

Die Berliner Hochschulen haben in den vergangenen Jahren bedeutende Konsolidierungsbeiträge erbracht. Sie benötigen nunmehr stabile finanzielle Grundlagen. Deshalb werden die Koalitionsparteien die Landeszuschüsse im Rahmen der Hochschulverträge nach 2009 verstetigen. Steigende Kosten der Hochschulen (zum Beispiel Mehrwertsteuererhöhung, Tarifsteigerungen) können nicht berücksichtigt werden.

Im Exzellenzwettbewerb der Bundesregierung haben die Berliner Hochschulen hervorragende Chancen, in die Förderung im Rahmen der zweiten Runde aufgenommen zu werden. Die Kofinanzierung der erfolgreichen Konzepte aus dem Landeshaushalt und eine Anschlussförderung nach 2010 werden sichergestellt. Berlin wird sich am Hochschulpakt 2020 beteiligen, wenn die Anstrengungen des Landes, das seit Jahren mehr als die Hälfte der Kapazität für Studierende aus anderen Bundesländern vorhält, angemessen berücksichtigt werden.


Berliner Initiativen für eine gerechte Hochschul- und Studienfinanzierung

Die Lasten der Studienplatzfinanzierung sind in der Bundesrepublik ungleich verteilt. Berlin hält weit über den eigenen Bedarf hinaus Studienplätze vor, während andere Länder weniger Studienplätze anbieten, als sie eigentlich brauchen. Um eine langfristige Stabilisierung der öffentlichen Hochschulfinanzierung zu erreichen, streben die Koalitionsparteien einen Systemwechsel im Rahmen der »Föderalismusreform II« an. Auf der Ebene der Kultusminister-Konferenz und des Bundesrates wird sich Berlin für eine Berücksichtigung der Hochschulausgaben im Länderfinanzausgleich bzw. das Modell eines Finanzausgleichs im Hochschulwesen einsetzen, bei dem das Bundesland, in dem die Hochschulzugangsberechtigung erworben wurde für die Finanzierung der Studienplatzkosten zuständig ist.

Künftig sollen mehr junge Menschen ein Studium aufnehmen. Wir wollen, dass Berlin seinen Teil dazu beiträgt, dass sich die Studierendenquote bundesweit erhöht. Dies macht eine Novelle des Bundesausbildungsförderungsgesetzes erforderlich, dessen Bedarfssätze und Freibeträge seit 2001 nicht erhöht wurden. Mittels einer Bundesratsinitiative soll eine Anpassung des BAföG an die gestiegenen Lebenshaltungskosten sowie eine weitere Öffnung des BAföG erreicht werden.


Verstetigung und Neuausrichtung der Hochschulbauförderung

Mit den bis 2013 laufenden Übergangsregelungen im Rahmen der Föderalismusreform sind alle bislang vom Wissenschaftsrat bestätigten und bereits begonnenen Investitionsvorhaben des Hochschulbaus finanziert. Zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Berliner Hochschulen müssen jedoch auch neue Vorhaben, insbesondere Re- und Innovationsinvestitionen, in Angriff genommen werden. Diese sind nach den Regelungen der Föderalismusreform allein durch die einzelnen Länder zu tragen. Die Koalition erkennt den Bedarf, neue Vorhaben, insbesondere Sanierungsmaßnahmen und Innovationsinvestitionen, in Angriff nehmen zu können. Dieser Bedarf muss sich in der Finanz- und Investitionsplanung niederschlagen. Es bedarf darüber hinaus der Zweckbindung der Bundesmittel über das Jahr 2013 hinaus.

Für die Neuaufnahme von Vorhaben in die Haushaltsplanung wird ein transparentes und qualifiziertes Verfahren der Prioritätensetzung entwickelt, bei dem Senat, Hochschulen und externer Sachverstand zusammenwirken. Die Koalition prüft, inwieweit nationale und europäische Fördermittel besser für Wissenschaftsinvestitionen genutzt werden können.

  
Optimierung des Facility Managements

Der Prozess der Optimierung und Angleichung des Facility Managements der drei Berliner Universitäten ist ein wesentlicher Schritt, um Mittel für Lehre und Forschung freizusetzen. Optimierungsgewinne, die sich aus der weiteren Restrukturierung der Facility-Management-Prozesse ergeben, verbleiben bei den Hochschulen. Die Koalitionspartner erwarten eine verbindliche Vereinbarung zunächst der Universitäten und im zweiten Schritt aller staatlichen Hochschulen zur operativen und strategischen Abstimmung ihrer Planungen und Prozesse. Bis zum Herbst 2007 sollen die Hochschulen in einem gemeinsamen Projekt die Möglichkeiten einer Überführung des Liegenschaftsmanagements der Hochschulen in ein Mieter-Vermieter-Modell aufzeigen. Die Ergebnisse werden bei der Novelle des Berliner Hochschulgesetzes berücksichtigt. Im Falle einer Einigung auf ein gemeinsam getragenes Modell werden den Hochschulen die ihnen überlassenen Liegenschaften als Sondervermögen zur Verfügung gestellt. Bei der Einführung eines solchen Modells sind die Optimierungsgewinne im Sinne einer bedarfsgerechten und leistungsbezogenen Bewertung zwischen den Hochschulen zu verteilen.


Fortentwicklung und Planungssicherheit der Hochschulmedizin

Die Berliner Hochschulmedizin wird im Laufe der Legislaturperiode ihr dreihundertjähriges Jubiläum feiern. Die 300-Jahr-Feier ist ein würdiger Anlass, Vergangenheit und Perspektiven der Charité darzustellen. Das Land wird die Charité dabei begleiten und unterstützen sowie den erfolgreichen Prozess der Umgestaltung der Hochschulmedizin fortsetzen.

Die Charité – das Markenzeichen einer erfolgreichen Medizingeschichte und -zukunft – muss als öffentliche landeseigene Einrichtung erhalten bleiben. Die wünschenswerte und notwendige Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und anderen soll dem Erhalt und der Stärkung dieses Markenzeichens dienen. Besonders sind die Leistungen der Charité auf dem Gebiet der Gesundheitswissenschaften/Public Health, Präventions- und Versorgungsforschung sowie Genderforschung und -studien zu stärken.

Berlin ist Eigentümer der beiden größten und bedeutendsten Krankenhausunternehmen der Stadt, der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Vivantes GmbH. In dieser Funktion wird es klare und eindeutige Vorgaben zur strategischen Ausrichtung der beiden Unternehmen machen, damit alle wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Potentiale optimal entwickelt werden können. Die Koalitionsparteien werden die Vernetzung der beiden öffentlichen Gesundheitsunternehmen Charité und Vivantes im Sinne einer strategischen Kooperation fördern und durch die Vereinbarung gemeinsamer Projekte, z.B. in der integrierten Versorgung, verbindlicher gestalten.

Die Spitzenstellung in der Forschung, die sich unter anderem im Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und in der Drittmitteleinwerbung widerspiegelt, soll auch in der Lehre erreicht werden. Die guten Erfahrungen von Modellstudiengang und Regelstudiengang sollen zu einer Neuausrichtung der Ausbildung der Medizinstudenten auch auf Grundlage der »Evidence Based Medicine« beitragen, der innovative Studienreformprozess an der Charité ist durch qualifizierte Ausbildungsforschung und studentische Partizipation zu begleiten.

An der Charité wird bis zum 30.06.2007 eine konsequente und transparente Trennungsrechnung zwischen Lehre und Forschung einerseits und der Krankenversorgung andererseits eingeführt und organisatorisch abgesichert. Die vorhandenen Leitungsstrukturen werden mit dem Ziel der Stärkung ihrer Handlungsfähigkeit überprüft. Darüber hinaus wird geprüft, welche weitergehenden Effekte durch andere organisationsrechtliche Modelle für die Krankenversorgung erzielt werden können.

Die internen Entscheidungen der Charité zu strukturellen Veränderungen der bestehenden Standorte dürfen nur den Erfordernissen der notwendigen Konzentration, der wirtschaftlichen Effektivität und Effizienz sowie denen einer qualitätsgerechten Lehre und Forschung unterworfen werden. Angestrebt wird eine effiziente Reorganisation von Forschung, Lehre und Krankenversorgung mit dem Ziel, die vereinbarte Anpassung des Landeszuschusses für Lehre und Forschung sowie die Risiken des neuen Krankenhausfinanzierungsrechts (DRG-System) einschließlich der Auswirkungen der Gesundheitsreform auf Basis wettbewerbsfähiger Strukturen zu bewältigen. Die Koalitionspartner setzen den eingeschlagenen Weg fort, die fusionierte Universitätsmedizin wirtschaftlich an ihren vier Hauptstandorten in Mitte, Steglitz, Wedding und Buch weiterzuentwickeln.

Die Koalitionspartner unterstützen die Entwicklung der Charité zum Motor der Gesundheitswissenschaften in der Region Berlin-Brandenburg und zum wettbewerbsfähigen Anbieter auf dem Gesundheitsmarkt, der ein enormes Wachstumspotenzial aufweist. In diesem Sinne werden die Bestrebungen, am Standort zwischen Friedrich- und Luisenstraße ein Zentrum für Lebenswissenschaften unter Beteiligung der Charité, der Freien Universität, der Humboldt-Universität, der Technischen Universität und anderer Einrichtungen zu errichten, zeitnah geprüft. Umzüge von Einrichtungen und Veräußerungen von Gebäuden können erst auf Grundlage des vorliegenden Prüfungsergebnisses erfolgen.


Forschungslandschaft qualifizieren

Die Koalitionspartner betonen die Bedeutung der Forschung für den Wissenschaftsstandort Berlin und unterstützen den Pakt für Innovation und Forschung. Die kofinanzierten Forschungseinrichtungen werden entsprechend den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz finanziert. Berlin wird sich für eine entsprechende Anschlussförderung ab 2010 einsetzen. Ebenso werden die Re- und Innovationsinvestitionen im außeruniversitären Bereich unterstützt.

Mit der Fortführung zeitlich befristeter interdisziplinärer Forschungsverbünde soll die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen intensiviert werden. Die Koalition strebt an, auch über 2006 hinaus durch Landesmittel die Entwicklung von Forschungsschwerpunkten zu fördern, wettbewerbsfähige Strukturen aufzubauen und den Wissens- und Technologietransfer fachspezifisch zu unterstützen. Die geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungszentren sind ein essenzieller Bestandteil der hauptstädtischen Wissenschaftslandschaft, die zu einem Klima der Innovation und der kulturellen Öffnung beitragen. Sie sollen noch stärker mit den entsprechenden Hochschuleinrichtungen in Lehre und Forschung kooperieren bzw. mit den jeweiligen Profilen fusionieren.

Die Koalitionspartner streben die Fusion von BESSY und HMI in der Helmholtz-Gesellschaft der Forschungszentren an. 

Nach der Durchführung des ersten Bauabschnitts muss die weitere Sanierung des Museums für Naturkunde zunächst sowohl durch die Aufnahme in die Gemeinschaftsfinanzierung als auch durch das Einwerben weiterer Mittel gesichert werden. Die nationale und internationale Bedeutung des Museums für Naturkunde nicht nur als hervorragende Forschungsstätte, sondern auch als weltweit einzigartiges Kulturgut rechtfertigt auch die Übernahme in die Verantwortung des Bundes oder überregionaler Kultur- oder Forschungseinrichtungen.