Zech, Paul

Geschichte: Personen L-Z

Paul Zech

Gedenktafel Paul Zech
 

als Paul Robert Zech am 19. Februar 1881 im westpreußischen Briesen (heute: Wabrzezno) geboren, Sohn von Adolf Zech und Emilie, geborene Lebrecht. Deutscher Schriftsteller, gestorben 7. September 1946 im Exil in Buenos Aires.

 

Zechs kreativer Lebenslauf

 

Die unten nachlesbaren Artikel zu Paul Zech sind älteren Publikationen entnommen. Inzwischen wird immer deutlicher, dass Paul Zech, was die eigene Darstellung seines Lebens angeht, überaus kreativ war. Da viele Klappentexte oder Lexika Zechs Angaben übernommen haben, ziehen sich auch durch die unten stehenden Texte Fehler, unrichtige Darstellungen und Übertreibungen, die wir versucht haben, durch kursive Schrift zu kennzeichnen. Paul Zech hat ein unstetes Leben geführt und offenbar auch mehrfach gegen Gesetze verstoßen. Etwas anderes ist es, seine Werke zu beurteilen.

Wir danken Alfred Hübner, der die Widersprüche in Zechs Lebenläufen erforscht, für seinen Hinweis.

mehr zum Lebenslauf von Paul Zech bei Wikipedia

U. Horb, 1.5.2011

 


Zur Gedenktafel


An seinem Wohnhaus Naumannstraße 78 (früher Königsweg) unweit der Torgauer Straße befindet sich eine Gedenktafel aus Bronze seit dem 22.8.1983. Enthüllt wurde sie von Volksbildungsstadtrat Ottokar Luban gemeinsam mit Zechs Schwiegertochter Hella Zech.
Inschrift: "Hier wohnte von 1925 bis 1933 / Paul Zech / * 19.2.1881  + 7.9.1946 / Arbeiterdichter  Dramatiker / Übersetzer französischer Lyrik " 
Die Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Friedenau, Stubenrauchstraße 43-45 Ecke Südwestkorso ist Abt. 12, 49-51.
Foto: Holger Hübner

 

 

Erinnerung an Paul Zech

Eigentlich hätte Paul Zech in sein deutsches Zuhause zurückkehren und weiterleben wollen. Doch seine Vita war - wie so viele andere - links  gestrickt. Der braune Moloch war besiegt, die Hinterlassenschaft bekanntermaßen chaotisch, der Rückweg aus dem argentinischen Exil so gut wie unmöglich. So nahm er von der ganzen Welt Abschied - am 7. September 1946 in Buenos Aires. Erst 1971 kehrte seine Asche nach Deutschland, nach Berlin zurück. Sein Grab befindet sich auf dem Städtischen Friedhof in der Friedenauer Stubenrauchstraße/Ecke Südwestkorso. Und seit Sommer 1983 ist an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Naumannstraße 78 eine Gedenktafel angebracht.
Wer war Paul Zech, Sohn eines Lehrers aus Briesen in Westpreußen? Die Versetzung seines Vaters bescherte ihm eine Jugend- und Schulzeit in Wuppertal. Nach dem Studium in Bonn, Heidelberg und Zürich war er zwei Jahre Maurer, Steiger und Metallarbeiter in den Kohlegruben des Ruhrgebiets, Belgiens und Nordfrankreichs. Nach einem Aufenthalt in Paris zog er nach Berlin-Schöneberg. Hier, in der Naumannstraße 78 auf der “Insel“, wirkte er als Werbeleiter, Dramaturg, Redakteur und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Berliner Stadtbibliothek mit der besonderen Aufgabe, den an die Stadt vermachten Nachlass von Hugo Heimann zu betreuen.
Sein dichterisches Schaffen war vielfältig. Seine ersten Gedichte erschienen 1909, seit diesem Zeitpunkt entstanden in ununterbrochener Folge an die 80 Gedichtbücher, Erzählungen, Romane, literarische Abhandlungen, Schauspiele, Szenen und viele übersetzte Nachdichtungen französischer Autoren wie Villon, Balzac, Mallarme, Verlaine, Rimbaud, Deubel u.a. Aufsehen erregte 1926 Erwin Piscator mit der Zechschen Rimbauld-Übersetzung "Das trunkene Schiff' in der Berliner Volksbühne am Bülowplatz.
1933 von den Nationalsozialisten verhaftet, emigrierte Zech nach seiner Entlassung über Prag, Paris nach Südamerika. Weitere Lyrik- und Prosabücher - darunter der bekannte Roman "Deutschland, Dein Tänzer ist der Tod" erscheinen im Quadriga-Verlag in Buenos Aires, nach 1945 im Greifenverlag in Rudolstadt (Thüringen) und als bibliophile Kostbarkeiten, z.T. in wenigen Exemplaren, in der Friedenauer Handpresse seines Sohnes Rudolf R. Zech.

Konrad Beck
 

PAUL ZECH
Rotes Herz der Erde

"Rotes Herz der Erde"  hieß ein Band mit Balladen, Gedichten und Gesängen  von Paul Zech. Der während der Nazi-Zeit auf der "Liste  des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" stehende Band ist jetzt in der Reihe "Das verbrannte Buch" des Rostocker BS-Verlags wieder erhältlich.
1929 war der Band erstmals im Kreuzberger Arbeiterjugend-Verlag erschienen, zusammengestellt hatte die Gedichte und Balladen Walter G. Oschilewski, nach dem Krieg lange Jahre als Redakteur beim Telegraf und der BERLINER STIMME tätig. Eine Gedichtzeile Paul Zechs aufgreifend, schrieb "Oschi" in seinem Geleitwort 1929: "Ja, ,wie aus Granit gehaun, das ist er, Paul Zech, breitschultrig, mit einem etwas ramponierten Dick-Schädel, ein Kessel glühender Lava, die er ausschleudert und zum Poem werden lässt, ein Blutklotz, vernarbt und zerrissen, von reiner brüderlicher Menschlichkeit gegen andere, von unerbittlicher Selbstprüfung beunruhigt gegen sich selbst, herrlich: ein Mensch, ein Dichter unserer Zeit."
Paul Zech, 1881 geboren, wuchs in Wuppertal auf, in seinen Gedichten finden sich eindrucksvolle Beschreibungen der Industrie, der Schachtanlagen, der Arbeitsbedingungen.  "Die Öfen rauchen, große Schober Heu / grau-grün, aus einem Gürtel Kupfernuten" - so zieht er den Leser in die "Gießerei", um dann den Blick auf die Menschen zu lenken: "Die Tiegel zwischen sich an harten Zangen, bau'n sich die Gießer um den Herd herum."
Paul Zech, gehört zu den Dichtern, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Realität der Arbeitswelt beschreiben, klar und ausdrucksvoll in der Sprache.  Er setzt seine die Wirklichkeit beschreibende "Arbeiterdichtung" der bürgerlichen Dichtkunst entgegen.  Oschileswki: "Jedes seiner Gedichte, auch die, die nicht soziale Aufgeschlossenheit zum Anlaß haben, zielt darauf ab, den Menschen auffällig zu machen gegen Unterdrückung und Gewalt, ihn zu bessern, ihn frei und gelöst werden zu lassen für einen schöneren Himmel." 
Paul Zech lebte und arbeitete von 1925 bis 1933 in der heutigen Naumannstraße 78 in Schöneberg,  er starb am   7. September 1946 im Exil in Buenos Aires.    Ulrich Horb
- Paul Zech, "Rotes Herz der Erde", BS-Verlag-Rostock, 2006, 96 Seiten, ISBN 3-89954-201-0,  8,20 Euro

(aus: Berliner Stimme 6-2006 vom 18. März 2006)