Wiechert, Erna

Geschichte: Personen L-Z

Erna Wiechert

geboren 7.5. 1905 in Bielefeld
gestorben 24.7. 1974 (Westfalen)
Volksschule, Ausbildung als Stenosekretärin
1946-1958 Stadträtin im Bezirksamt Wedding

Gelebte Solidarität überschrieb Dora Lösche ihre Erinnerungen an Erna Wiechert. Sie stand in den schwersten Zeiten Seite an Seite mit ihren sozialdemokratischen Mitstreitern. Als Mitglied des Hauptvorstandes der Sozialistischen Arbeiterjugend war sie in Bielefeld zu bekannt. So kam sie nach 1933 aus ihrer westfälischen Heimat nach Berlin, um illegal für die Partei zu arbeiten, der sie seit ihrem 16. Lebensjahr verbunden war. Auch die Anonymität der Großstadt schützte weder sie noch ihrem Mann Theo vor Gestapo-Verhör und Gefängnis. 1945 war sie eine der ersten, die die neue SPD Organisation im Wedding aufbauten. Bei der Zwangsvereinigung zur SED blieb sie unbeirrt der SPD treu, Theo, der durch die Gestapo-Folter schwer gezeichnet war, ging zur SED. Er starb 1946, ihm blieb keine Zeit seinen Irrweg zu korrigieren.
Erna Wiechert diente ihrer Partei als Kreisfrauenleiterin, als Stadträtin für Ernährung und später für Jugend, danach als Abgeordnete und lange Zeit als Mitglied des Landesvorstandes. Was sie auszeichnete, war ihr soziales Wirken. Ihr Durchsetzungsverrnögen war beachtlich Unvergessen ist es, wie vielen Menschen sie geholfen hat. Dabei waren ihr Optimismus und ihre unkonventionelle Art manchmal umstritten. Weil sie aber die Ernährung der Weddinger Bevölkerung in Nachkriegszeit und Blockade sichern half und sich dann so mütterlich um die Jugend des Bezirks kümmerte, tat dies ihrer allgemeinen Beliebtheit keinen Abbruch.

Horst Löwe

3-2003