Westphal, Max

Geschichte: Personen L-Z

Max Westphal

War es in Wilmersdorf, Wedding oder in Baumschulenweg? Die Chronik gibt nichts her, in welcher Krematoriums-Feierhalle der Abschied von Max Westphal (30.9.1895 - 28.12.1943) am 3. Januar 1943 - also vor 55 Jahren in Form einer "stillen Demonstration" mit über tausend Freunde und Genossen aus SPD und Arbeiterjugend stattgefunden hat.
In den Klub der Fünfziger einzutreten, das war dem gebürtigen Hamburger unter den Nazis nicht vergönnt. Gerade mal 48 Jahre wurde er. Paul Löbe in "Das Volk" im Januar 1945: "Als er vor drei Jahren den ständigen Verfolgungen erlag, glaubte man immer noch, einen Dreißiger vor sich zu haben, so frisch hielt ihn der Glaube an den schließlichen Sieg der sozialistischen Ideale. Denn diesen war sein viel zu kurzes Leben geweiht. Als Hamburger Junge war er in die kaufmännische Lehre gegangen, aber als zog ihn die frische Atmosphäre der Hamburger Jugendbewegung in seinen Bann, in Spiel und Ernst, im Jugendheim und im grünen Wald wuchs er schnell zu ihrem Führer heran und die Jugendtage waren nicht denkbar ohne ihn, der ganz aus dem aufrechten, offenen Norddeutschen gewachsen war.
Der erste Weltkrieg, den er mit Widerstreben als Soldat mit durchfechten mußte, hatte ihm einen Arm gekostet. Mit eiserner Energie machte er den Ausfall wett und kaum spürt man, daß die Verwundung ein ernstliches Hindernis seiner Arbeit war."
Seit dem 30. August 1920 war er Mitglied des Haupt- Vorstandes des Verbandes der Arbeiterjugendvereine Deutschlands, ein Jahr später sein Vorsitzender. Er siedelte nach Berlin über. Er wollte, daß sich die Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ) aus der alten Oppositionsrolle heraus entwickelte, um den Willen zur lebendigen Gestaltung zu wecken. Seit 1927 wohnte Westphal mit seiner Famile in der Paradestraße 22 gegenüber dem Tempelhofer Flughafen. Im gleichen Jahr wurde er auf dem Parteitag in Kiel (22. - 27.Mai) Parteisekretär und somit jüngstes hauptamtliches Mitglied im Parteivorstand. 1932 wählten ihn die Berliner als Abgeordneter in den Preußischen Landtag.
Auf den letzten Konferenzen nach dem Machtwechsel 1933 gaben ihm die Genossen ihr Vertrauen. Trotz der ständigen Gefahr, verhaftet zu werden, blieb er neben Franz Klühs in Berlin als Verbindungsmann zu den emigrierten Kollegen.
Und die Nazis waren oft ante portas! Heinz Westphal - der Sohn, Bundestags-Vizepräsident i. R .(vvvvv-bbbbbb) - erinnerte sich in einem Interview mit Kurt Schilde: "Im Herbst 1933 (...) kam mein Vater aus der Schutzhaft wieder nach Hause nach Tempelhof. Dies dedeutete nicht, daß uns die Gestapo in Ruhe ließ. Es gab Hausdurchsuchungen, bei denen vor allen Dingen Bücher beschlagnahmt und mitgenommen wurden. Einmal habe ich (...) unser Bild von August Bebel verteidigt, es hing im Arbeitszimmer und war die Öffnung einer Tür verdeckbar, so daß es nicht gesehen werde.n konnte. Ich stellte mich vor die geöffnete Tür." Es ging gut denn die Durchsucher meinten, es sei ein alter Großvater...
Im Juni 1933 war die Ruhe vorbei. Mehrmals kam Westphal in KZ Sachsenhausen. Als er Mai 1940 endlich entlassen wird, ist er ein kranker Mann, der nicht mehr genesen sollte. Die Polizeiaufsicht verbot ihm, nach 21 Uhr das Haus zu verlassen. Er kam noch kurz bei der Tempelhofer Firma Eduard Linnhoff unter. Am 28. Dezember 1942 erlag er im Hildegard-Krankenhaus im Charlottenburg.
Urne und Stein sind wegen des Autobahn-Baus vom alten Germania-Friedhof Tempelhof nach Hamburg-Ohlsdorf verlegt
worden. 
Konrad Beck