Werth, Gertrud

Geschichte: Personen L-Z

Gertrud Werth

Gertrud Werths Vater starb als sie noch Kleinkind war, deshalb musste sie sich ihre Ausbildung hart erarbeiten. Was Wunder, dass ihr Arbeitsschwerpunkt bei den Gewerkschaften lag. Sie war schon vor 1933 Mitglied eines Betriebsrats, nach 1945 wurde sie Betriebsratsvorsitzende im Bezirksamt Kreuzberg und Mitglied des Hauptbetriebsrates beim Magistrat, gehörte dem Berufsgruppenvorstand ihrer Gewerkschaft an und war Personalratsvorsitzende beim Arbeitsgericht. Wer für über 10 Jahre von den Kollegen in solche Funktion gewählt wird, der hat sich ein großes Vertrauenskapital erarbeitet. Diese kleine, von Krankheiten geplagte Frau hatte hervorragende Kenntnisse des Arbeitsrechts, ein ausgeprägtes soziales Gewissen und einen starken Sinn für Gerechtigkeit. Ihre Hilfsbereitschaft war fast sprichwörtlich. Sie überlebte alle ihre Brüder und pflegte zwei von ihnen über Jahre bis zu ihrem Tode. Nach Ausscheiden aus dem Arbeitsleben wurde sie langjährige Bezirksverordnete und sogar für kurze Zeit Mitglied des Abgeordnetenhauses. Im Kreisvorstand war sie eine energische und kenntnisreiche Vertreterin der Interessen der Frauen, so hat sie schon sehr frühzeitig davor gewarnt, dass die Diskussion um die "Doppelverdiener" zu schlimmen Ergebnissen führen kann, weil sie die einseitige Entlassung von Frauen begünstigt und weil dadurch vor allem Trümmerfrauen arbeitslos werden.

Horst Löwe