Wellmann, Ingeborg

Geschichte: Personen L-Z

Wellmann, Ingeborg

geb. 5. Mai 1924

gest. 6. Januar 2015

 

1989
Zum Beispiel...

Künstler für die SPD - das findet man in jedem Wahlkampf. Künstler aber, die in der SPD aktiv sind, gehören zu den politischen Orchideenblüten. Zwei von ihnen haben Anlaß zum Feiern: Ingeborg Weilmann, wurde am 5. Mai 65 Jahre, Heinz Giese am 5. Juni 70 Jahre alt. Alt? Ja, aber nicht weniger aktiv.
Ingeborg trat unserer Partei 1963 bei, zur Unterstützung Willy Brandts, der gegen Adenauer antrat. Heinz gehört ihr seit 1952 an. Sein Schritt war Teil des - vergeblichen - Kampfes gegen die Wiederbewaffnung.
In der Partei zu Hause sind die beiden in Nikolassee. Der Anstoß zur Aktivierung war der Tod von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967. Es folgten innerparteiliche Auseinandersetzungen, über die man heute schon fast wieder lächeln kann. Knapp unterlag Heinz mit 57:58 Günter Struve im Jahre 1975, der dafür von einem "linken" Abteilungsvorstand eingerahmt wurde. Manch einer wird sich an Heinz' Ansagen auf Wahlveranstaltungen erinnern, seine Beiträge auf Landesparteitagen, in denen immer auch ein Stück moralischer Appell zu finden war (berühmt seine "Laien-Rede" gegen das "Experten-Unwesen": "Ein Laie, sagt das Wörterbuch, ist dem Volke, nicht dem Priesterstande zugehörig."), seine Mitwirkung auf den Vorbereitungstreffen zur Auschwitz-Fahrt. Höhere Parteiweihen strebte er nie an. Inge war eine hervorragende Kassiererin und Betreuerin der Mitglieder, lange bevor es eine derartige Funktion gab.
Kennengelernt haben sich beide 1951 in Berlin. Inge, die Breslauerin, war mit Wolfgang Neuß und dem Kabarett "Haferstengel" aus Hamburg gekommen, Heinz, der Stettiner, war 1950 aus Erfurt an die Spree gespült worden. Sie blieb bis 1958 dem Kabarett treu ("Die Stachelschweine", war noch im allerersten "Scheibenwischer" dabei), spielte auf vielen Berliner Bühnen (u. a. "Lysistrata", "Mehring-Revue", "Die verbrannten Dichter") und dreht derzeit eine Fernseh-Serie ("Wenn Maria nicht wäre").
Heinz spielte Theater bis Ende der sechziger Jahre (u. a. "Urfaust", über 500mal mit Rudolf Platte in "Das Geld liegt auf der Bank"), war im Rundfunk zu Hause, wandte sich aber ab 1959 einem Metier zu, in dem er bis heute wirkt: Er wurde Synchronregisseur. Gerade abgeschlossen ist der Film "Scandal", der den Profumo-Skandal in Großbritannien vor 20 Jahren zum Inhalt hat. Seine Werke sind u.a. die deutsche Fassung von "Molière" (Ariane Mnouchkine) und "Nur ein Tag" (Kenneth Loach). Wer aber seine sonore Stimme mal wieder hören möchte, der leihe dem Mann von Miss Ellie in "Dallas" sein Ohr.
Holger Hübner

aus: Berliner Stimme, 10.6.1989