Weitz, Charlotte

Geschichte: Personen L-Z

Charlotte Weitz

Charlotte Weitz
geb. Appelt ist am 06.02.1917 in Erfurt/ Thüringen geboren.

Ihr Vater, Fritz Appelt, war Stadt-Verordneter der SPD in Fritzlar/Hessen. Er hatte auch gute Kontakte zu Mitgliedern der Spitze der SPD. Philipp Scheidemann war öfter bei der Familie Appelt zu Gast. Nach dem Krieg gehörte Fritz Appelt zu den Gründern der SPD in Erfurt. Die Zwangsver-einigung von SPD und KPD zur SED und die Flucht der Tochter Charlotte im Februar 1950 nach West-Berlin hatte zur Folge, dass Fritz Appelt und seine Familie besonderen Schikanen der örtlichen Behörden in Erfurt ausgesetzt waren. Schließlich zogen er und seine Familie im Juni 1950 auch nach West-Berlin um.

Der Ehemann von Charlotte, Franz Weitz, war vom 1.4.1933 bis Kriegsende Berufssoldat in der Reichswehr. Bis Ende Juli 1945 war er in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Bad Kreuznach. Nach dem er aus der Kriegsgefangenschaft nach Erfurt entlassen worden war, trat er dort der SPD bei. Franz Weitz ist am 23.12.1948 in der ehelichen Wohnung verhaftet worden. Der Grund für die Verhaftung war ein Kontakt zu einem Freund, der SPD-Mitglied war und in Hannover für Presseorgane der SPD arbeitete. Franz Weitz wurde zunächst ins ehemalige KZ Oranienburg bei Berlin gebracht und anschließend ins Zuchthaus Untermassfeld in Thüringen verlegt. Hier ist er am 23.06.1950 gestorben.

Nach der Flucht von Charlotte Weitz in den West-Berliner Bezirk Steglitz, arbeitete sie zunächst im Arbeitsamt Südwest in Steglitz, dann im Arbeitsamt Nord in der Müllerstraße. Im Herbst 1951 ist sie zum Landesarbeitsamt West-Berlin in der Friedrichstrasse versetzt worden. Hier war sie in einer Abteilung tätig, die für die Anwerbung von Arbeitskräften aus West-Deutschland nach West-Berlin und die Herausgabe des Berliner Bewerberanzeigers für ca. 5000 West-Berliner Betriebe zuständig war.
Im Jahre 1961 hat sie sich auf eigenen Wunsch, wegen einer Herzerkrankung, zurück ins Arbeitsamt Steglitz versetzen lassen.

Charlotte Weitz ist im Januar 1946 in Erfurt in die SPD eingetreten. Nach ihrer Flucht nach West-Berlin führte sie in der Berliner Arbeitsverwaltung in der SPD-Betriebsgruppe zeitweilig die Funktionen der Schriftführerin und einer Stellvertreterin des Vorstandes aus. Außerdem war sie Mitglied der Gewerkschaft ÖTV. Einladungen zu politischen Veranstaltungen hat sie oft während der Mittagspause verteilt. Ihre Arbeitskollegen nannten sie „die rote Lotte“, wegen ihres politischen Engagements für die SPD. Als Referenten sind in die Berliner Betriebsgruppe u.a. die ehemaligen Berliner Oberbürgermeister Walter Momper, Dietrich Stobbe und Klaus Schütz eingeladen worden. Während einiger Tagungen der SPD hatte Charlotte Weitz auch schon mal die Gelegenheit mit Persönlichkeiten wie Willy Brandt in einer Pause auf dem Balkon zu plaudern.
Sie bekleidete weitere politische Funktionen. 1951 bis 1954 war sie Kreisdelegierte in Berlin-Steglitz. Unter anderem hatte sie auch die Funktion der Kassiererin in der SPD- Steglitz inne.

Über ihr politisches Leben hinaus arbeitete sie ebenfalls als ehrenamtliche Betreuerin einer behinderten Mutter mit vier Kindern, die inzwischen gestorben ist. Charlotte Weitz hat heute noch Kontakt zu den Kindern, die heute über 40 und 50 Jahre alt sind.

Ihre christlichen und sozialen Werte hat sich Charlotte Weitz bis heute bewahrt und nimmt heute, sie hatte anfang Februar 2003 gerade ihren 86 jährigen Geburtstag, immer noch rege am politischen und parteipolitischen Leben teil.

Karin Müller