Weiß, Peter

Geschichte: Personen L-Z

Peter Weiß

Peter Weiss ist tot (23. Februar 1926 – 4. Januar 2005)

Peter Weiss galt als jüdischer Mischling ersten Grades und wurde deshalb politisch verfolgt und 1944 nach Nordfrankreich deportiert. Unter diesen Folgen litt er lebenslang. Nach 1945 engagierte er sich sofort  in der SPD und bei den Jungsozialsten, er war einer der Gründer der Berliner Falken, Gruppenleiter und Leiter der Falkenorganisation in Wilmersdorf. Im Schnellverfahren holte er seine Berufsausbildung  nach und wurde 1949 Leiter des Jugendamtes in Zehlendorf. Beruflich wirkte er  bleibend  in Zehlendorf, wie wir es anlässlich seines 75. Geburtstages im Haus der Jugend in der Argentinischen Allee erleben durften, als  seine alten Mitstreiter ihm gratulierten. Dabei arbeitete er unkonventionell, als maoistische Schülergruppen Anfang der siebziger Jahre das Haus der Jugend dominieren wollten, animierte er uns Jusos zu ungewöhnlicher Bündnisarbeit , um dieses zu verhindern. Parteipolitisch wirkte er in Wilmersdorf, in Zehlendorf fasste er nicht mehr richtig Fuß.

Seit 1975 wurde er Professor an der Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialarbeit Berlin FHSS.

Darüber hinaus engagierte er sich in allem, was jugendpolitisch wichtig war, von der Jugendkommission der Falken, dem Bundesjugendkuratorium, in Berlin, im Bund, er diskutierte und formulierte  zum Jugendrecht und zum Kinder – und Jugendhilfegesetz mit. Und er sammelte sämtliche Unterlagen. Hoffentlich sind wenigstens diese zu bewahren und zu überliefern.

Er wird sehr fehlen.
B. Zimmermann
 

“...ein ungeheueres Erlebnis”
Die Geschichte des Peter Weiß

Aus: ran, das politische Jugendmagazin 15(1985), Mai, S. 10, 46-49

Der 8. Mai - in diesem Jahr kein Tag wie jeder andere. Denn vor genau 40 Jahren ging der 2. Weltkrieg zu Ende; für Ewiggestrige der Tag der Niederlage. Für Peter Weiß wie für viele andere aber der Tag der Befreiung: Einer Befreiung, von der er sich mehr versprochen hatte.

Am 8. Mai 1945 ist Peter Weiß gerade 19 Jahre alt. Was er uns erzählt, ist unfassbar und schockierend zugleich: die Geschichte eines jungen Mannes im Deutschland der Nazis. Sein Vater ist Jude, ihn selbst bezeichnet man als “jüdischen Mischling 1. Grades”.
Kurz nach Beendigung seiner Lehre, er ist 17 Jahre alt, wird Peter Weiß von den Nazis geholt. Per Postkarte. Kann er sich noch an den 8. Mai 1945 erinnern? - Nicht genau:

“Wir haben damals angesichts der Kriegshandlungen nicht in den Kalender geschaut. Das werdet Ihr verstehen. Aber ich kann mich noch genau an, den Tag erinnern, der für mich die Befreiung war:
Wir hockten alle im Keller. In Berlin hatte man damals die Kellermauern zwischen den Häusern durchbrochen, damit man in das nächste Haus konnte; wenn das eigene verschüttet war: Draußen krachte und schoss es.
Plötzlich erscheinen so genannte ‚Goldfasane‘ im Durchbruch. Hohe Parteifunktionäre, voll bewaffnet. Also hört mal zu, sagten die zu uns, wenn durch diesen Durchbruch die '.Russen' kommen und nach Soldaten fragen, müsst ihr sagen, hier sind keine. Wir stehen hinter der nächsten Mauer, und wenn die kommen, bringen wir sie alle um.
Im Keller saßen fast nur Frauen und Kinder, und die hatten natürlich die Hosen gestrichen voll. Ich dachte, die sind wohl verrückt geworden. Und in dem Moment konnte ich den Mund nicht halten. Hören Sie mal, habe ich gesagt, Sie können hier doch nicht solche Angst verbreiten und hier im Keller Krieg führen bei Frauen und Kindern. –  Wer bist Du denn, wollten die wissen. Wohl ein Deserteur? Du in Deinem Alter müsstest doch Soldat sein. Den muss man gleich an die Wand stellen und abknallen.
Aber die Luftschutzwartin war ganz pfiffig. Die hörte das nebenan, kam reingestürzt und brüllte: Der ganze Hof ist voller Russen, überall Russen, die Russen kommen! Die Nazis kriegten kreidebleiche Gesichter - einer meinte: komm lass den Idioten doch - und weg waren sie. Das war mein Abschied vom Nazi-Regime.
Es dauerte noch Stunden, bis der erste Russe im Durchbruch erschien. Der kam in den Keller, verkündete, dass wir in einer Stunde das Haus verlassen müssten, kassierte die Armbanduhren ; und verschwand wieder. Am nächsten Morgen war der Krieg zu Ende.”

Peter erzählt von dem Grauen und dem Chaos der ersten Nachkriegstage im zerstörten Berlin. Wir aber wollen zunächst mehr darüber wissen, wie es ihm in der Nazi-Zeit ergangen ist. Wie erging es ihm beispielsweise in der Schule?

Klassenkeile
“Das war so eine Sache. Ich war im Unterricht ganz gut. Was gelehrt wurde, war von der Nazi-Ideologie bestimmt. Für ein Kind war es schwer, sich dem zu entziehen. Da entwickelst Du ein schizophrenes Bewusstsein. Du hörst von der Größe der Deutschen, und dann denkst Du:,Ach ja, Du gehörst ja gar nicht dazu.' Der Lehrer fragte z. B. in regelmäßigen Abständen, wer in der Klasse jüdisch oder jüdisch versippt sei. Dann hieß es: ,Aufstehen', und ich war immer der einzige, der sich erhob. Er machte irgendwelche Bemerkungen, und in der anschließenden Pause kriegte ich dann Klassenkeile.
Meine Eltern sagten immer, ich solle nicht auffallen. Weil's uns sonst schlecht gehe. Wenn andere Streiche machen, darfst du nicht mitmachen, wenn andere rauchen, bleib da weg, das waren die Ratschläge."

Gegen Ende der Schulzeit - der Übergang zum Gymnasium wurde ihm von den Nazis verwehrt - geht Peter Weiß wie alle anderen zur Berufsberatung. Dort ist er schon aktenkundig - sein Wunsch, Lehrer zu werden, ruft nur Hohngelächter hervor. Er wird “Landhelfer", nicht einmal eine Lehre will man ihm zugestehen.
Aber er hat Glück. Ein Gas/Wasser- und Heizungs-Installateur in der Nachbarschaft sucht einen Lehrling.
“Der Meister hatte irgendwelche Beziehungen und setzte durch, dass ich da als Lehrling anfangen konnte. In diesem Beruf waren Lehrlinge schlecht zu bekommen, weil das eine sehr schwere Arbeit war."

Lehre, das sah 1940 noch ganz anders aus als heute.
“Jeden Morgen musste ich als erster im Betrieb sein und der Chefin den Ofen heizen. Asche rausbringen, Kohlen rauftragen usw. Nach der Arbeit schickte sie mich oft einkaufen. Samstags, wenn die anderen Feierabend hatten, sollte ich den Materialkeller aufräumen und so. Das Sauberhalten der Werkstatt war natürlich meine Aufgabe. Um Geld zu sparen, schickten sie mich mit einem Handkarren kreuz und quer durch Berlin: Da wurden mir dann zwei Sauerstoffflaschen aufgeladen und was wir sonst noch brauchten. Ich lief manchmal sechs Stunden, um die Flaschen zu einer Baustelle zu karren. Zu meinen Tätigkeiten gehörte dann z. B. das “Heizungsreinigen. Da kroch ich dann durch ein winziges Loch in den Heizkessel, hab da drin gesessen und mit der Stahlbürste den Dreck abgekratzt. Manchmal hockte ich tagelang in so einem Kessel, musste jedes einzelne Kesselglied säubern. Das war eine Sauarbeit."

Am 30. März 1944 - zufällig an seinem letzten Tag als Lehrling - erhält Peter eine Postkarte.
“Ich sollte mich beim Arbeitsamt melden. Als ich da hin kam, teilte man mir mit, ich sei kriegsverpflichtet. Ich hätte mich am nächsten Morgen bei der Organisation Todt zu melden. Das war so eine Art Baubrigade von den Nazis.

Mit 17 Jahren ins KZ ...
“Ich also am nächsten Morgen dahin. Das war ein großes Barackenlager, da standen am Schlagbaum gleich zehn oder zwölf Mann mit Maschinenpistolen. Von dort haben sie uns zum Bahnhof Grunewald gebracht, ohne Gepäck, ohne alles.
Grunewald war der Bahnhof, von dem auch immer die Züge nach Auschwitz gingen. Ich hab überlegt, ob ich abhauen sollte, aber was sollte ich machen: Ich hatte kein Geld, um illegal zu leben, wusste niemanden, der mich aufnimmt, und vor allem nicht, ob meine Mutter bedroht ist, wenn ich verschwinde. Was hätte ich mit meinen 17 Jahren also tun sollen?”

Zusammen mit anderen wird Peter Weiß in Viehwaggons verladen, je 40 Mann in einen. Zu essen gibt es kaum etwas, manchmal stehen sie stundenlang irgendwo unterwegs auf der Strecke.

“Nach neun Tagen landeten wir in Brüssel auf dem Güterbahnhof. Da durften wir uns wie bei jedem Halt beim Posten melden, um hinter den Güterwagen auszutreten. Dabei entdeckte einer von uns Waggons mit Rotweinfässern. Da sind wir einer nach dem anderen austreten gegangen, haben die Kontrollpfropfen an den Fässern geöffnet und jeweils eine Flasche abgefüllt. Die meisten von uns waren nach kurzer Zeit blau, wir hatten ja kaum was gegessen.
Dann kam eines meiner Schlüsselerlebnisse. Durch den Alkohol wurden wir mutig. Wie auf ein Kommando stürzten wir aus den Güterwagen und bauten uns vorn bei den D-Zugwagen auf, wo die Wachmannschaften saßen. Einer von uns, so ein Großer, riss sich das Hemd vorne auf und brüllte: Schießt uns doch gleich tot, bevor ihr uns verhungern lasst.' Die Wachmannschaften                     standen da, totenbleich, legten kein Gewehr an, nichts. Der Kommandant sagte: Seid doch vernünftig...' Er versprach uns, Essen zu beschaffen. Nach einer halben Stunde kam das Rote Kreuz mit einem Wagen, und wir kriegten warme Suppe und Brot. Da hab ich zum ersten Mal erlebt, dass in bestimmten- Situationen die Ohnmächtigen mächtig werden. Schließlich hatten wir ja keine Waffen, während die Wachmannschaften mit Maschinenpistolen ausgerüstet waren."


Appellstehen
Es sollte für lange Zeit das letzte Mal sein, dass Peter Weiß die Macht der Ohnmächtigen spürte. Einige Stunden später erreichen sie in tiefer Nacht das Lager.

“Das Erste, woran ich mich erinnern kann, sind die Lagerinsassen. Nur noch Haut und Knochen, vergreist, standen sie da und guckten. Ihr kennt diese KZ-Bilder von diesen Leuten, die man Muselmänner bezeichnet. Wenn Du das zum ersten Mal siehst, so richtig lebendig, das vergisst Du nie.... Sie führten uns in eine große Turnhalle, da stand Bett an Bett, immer drei übereinander. Da kam einer rein, der verlas eine Litanei, wer alles wann erschossen wird. Also: Wer ans Fenster geht, wird erschossen. Wer mit anderen Lagerinsassen spricht, wird erschossen. Wer laut ist, wird erschossen. Das schien überhaupt kein Ende zu nehmen.”

Einige Tage später wird Peter in ein anderes Lager überführt.

 “Da mussten wir morgens und abends stundenlang Appell stehen. Und immer baute sich der Kommandant vorne auf und verkündete, dass wir da sind, um zu krepieren. Das hörtest Du zigmal am Tag. Bei diesem Appellstehen geht dir alles mögliche durch den Kopf. Ich habe mir dann einen Rettungsanker gebildet: Also, dachte ich immer, wenn du hier noch einmal rauskommst, dann hat das einen Sinn. Dann weißt du, was du tust. Nämlich dafür sorgen, daB so etwas nie wieder passieren kann.
Das war für mich ein Halt: Einerseits die Überzeugung, irgendwann wirst du hier schon wieder rauskommen. Andererseits zu wissen, was deine Aufgabe fürs Leben ist. Das klingt irgendwie primitiv, beinahe religiös, aber du brauchtest ein Ziel, um überleben zu wollen. Sonst hättest du das nicht durchgehalten."

Suppe, aber keine Näpfe
Die Häftlinge werden zum Bunkerbau an der Kanalküste eingesetzt.
“Morgens um vier oder halb fünf war Wecken, Antreten auf dem Hof, Marsch zum Lager Brauneck 1, dort zwei Stunden Appell stehen. Dann führten sie uns in den so genannten Kinosaal, da kriegtest du einen Topf Kaffee, mehr nicht. Anschließend etwa 1 1/2 Stunden Fußmarsch zur Baustelle an der Kanalküste. Nach zwölf Stunden Arbeit Rückmarsch zum Lager Brauneck 1- an unserem Lager vorbei - dort Appell vorm Kommandanten. Glücklicherweise war es da meistens so spät, dass man nicht mehr lange Appell stehen konnte. Sonst wären wir glatt umgekippt.
Dann wieder zurück zu unserem Lager, da gab's dann ein bisschen was zum Essen. Zum Schlafen blieb wenig Zeit. Da läufst du nach ein paar Tagen nur noch wie im Tran rum.
Auf der Baustelle gab's mittags eine so genannte Bunkersuppe, auch für die Wachen. Das war das einzige annehmbare Essen, das wir erhalten konnten. Aber um die zu bekommen, musstest du einen Napf haben. Und wir hatten keine Näpfe.
Eines Tages auf dem Rückweg von der Baustelle sehe ich in einem Bombentrichter etwas blinken und denke, da lässt du dich morgen früh reinfallen. Und richtig: Als ich die drei, vier Meter runtergerutscht war, lag da eine Konservenbüchse. Oben standen die Wachen mit der Knarre und brüllten immer, ich solle wieder raufkommen. Als ich oben ankam, hatte ich die Konservenbüchse unter der Jacke.
Ich war damals als Rohrleger eingesetzt, zum Verlegen von Pressluftleitungen für die Presslufthämmer. Dadurch kam ich in die Werkstatt. Da bearbeitete ich dann meine Konservenbüchse, machte einen Schweißdraht als Henkel dran, und nun war ich privilegiert. Denn jetzt habe ich eine Büchse und konnte mir Bunkersuppe holen.
Für die anderen wurde ich auf einmal unheimlich interessant, denn alle wollten die Büchse geliehen bekommen. Wir mussten dann immer ganz schnell essen, damit der nächste mit der Büchse zur Essensausgabe rennen konnte.

Toilettenpapier als Notverband
Beim Bunkerbau mussten wir Zementsäcke schleppen, das war das Schlimmste. Der Zement ging in jede Ritze, wir waren überall grün, du konntest dich ja nirgends richtig waschen. Seife bekamen wir sowieso nicht. Für die verätzte Haut, die offenen Wunden gab es keine Medikamente - sie haben uns einfach Toilettenpapier in die Hand gedrückt, das konntest du da rumwickeln. Das hat natürlich nicht lang gehalten. Wer sich krank meldete, kam ins E-Lager. Erziehungslager. Dort musstest du beispielsweise im Laufschritt einen Haufen Sand immer hin und her scheppen. Da wollte natürlich keiner krank sein."
Das Lager an der Kanalküste ist nicht das einzige, das Peter im Sommer 1944 zu sehen bekommt. An eines, genannt Meyer-Quader, erinnert er sich genau:
“Da gab es einen furchtbaren Kommandanten, Wilhelm hieß der Kerl. Bei dem musstest du strafexerzieren. Du kriegtest drei Steine auf den Kopf und wurdest vor eine Wand gestellt, bis du zusammengebrochen bist. Dann hat er dir einen Eimer Wasser über den Kopf gießen lassen und du musstest weiterstehen. Das ist schrecklich, wenn du immer nur die Wand anstarren kannst, stocksteif, damit die Steine nicht vom Kopf fallen. Das ist eine derartige Tyrannei, das kannst du dir gar nicht vorstellen".

Eines Tages, im Herbst 44, erleben die Insassen von Meyer-Quader eine große Überraschung. Das ganze Lager ist voller Soldaten.
“An dem Morgen brüllte dieser Wilhelm plötzlich:,Kameraden!' - Nanu, fragten wir, was ist denn jetzt los? Sonst brüllte der morgens nämlich immer:,Männer!'.
Ja..., fing er dann an, der Feind ist gelandet, und wir müssen jetzt zusammenstehen. Ihr seid ja auch Deutsche, und ich verlange von Euch Disziplin. Das waren völlig neue Töne."

Es war der Anfang vom Ende. Wochen später, Peter wurde mittlerweile nach Lille verlegt, sind eines Morgens die Wachmannschaften weg. Was nun? Warten bis die Engländer und Amerikaner kommen? Oder nach Hause?
“Für mich war klar, ich fahr nach Hause. Und das war richtig, denn die anderen sind dann in Gefangenschaft gekommen und dort nicht viel anders behandelt worden als die anderen Kriegsgefangenen. Manche sind sogar in der Gefangenschaft von den Nazis weiter verfolgt worden. Kameradengerichte und was es da alles gab.
Ich bin also abgehauen, ohne Papiere, ohne alles. Ach ja, eine liegengelassene Uniform von den Wachmannschaften habe ich mir da noch genommen, so richtig mit Hakenkreuz und so. Das hätte auch in die Hose gehen können, denn ich hatte ja keine Ausweise und nichts. Aber damals herrschte schon ein unbeschreibliches Chaos; ich wurde nicht ein einziges Mal kontrolliert."

In Brüssel, wo er mit der Straßenbahn ankommt, ist für Peter Weiß zunächst Endstation. Er wird einer deutschen Gartenbaufirma zugeteilt, die zur Tarnung von Bunkern eingesetzt war. Jetzt -auf dem Rückzug -sollten sie Sprengsätze an Brücken anbringen.
“In dem belgischen Ort Leuwen strömten die fliehenden Soldaten nur so über die Brücke.
Ein Leutnant hatte den Auftrag, da ein bisschen Ordnung reinzubringen. Plötzlich kam ein Lastwagen, auf dem fast nur betrunkene Soldaten saßen. Der Leutnant brüllte die an und - das werde ich nicht vergessen - die hoben bloß ihre Knarren und richteten sie auf ihn. Sagten kein Wort. Der war sofort mucksmäuschenstill. Die hätten den glatt umgelegt, wenn der weiter gebrüllt hätte. Mit Disziplin war da nichts mehr."

Mit den Arbeitern der Gartenbaufirma setzt Peter sich nach Deutschland ab. Aber nach kurzer Zeit kommt er wieder ins Lager. Im April 45 gelingt es ihm erneut, mit gefälschten Papieren zu fliehen und sich nach Berlin durchzuschlagen.
“Meine Mutter hat mich dann versteckt. Aber inzwischen schimpften ja schon alle auf Hitler. Gott sei Dank, hieß es, dass bald Schluss ist. Das war schon erstaunlich, wer plötzlich alles gegen Hitler war."

Auf jeden Fall sozialistisch ..
Nach der Befreiung wird Peter Weiß zunächst Polizist.
“Da kam ein alter Sozialdemokrat aus der Nachbarschaft und sagte: Ich bin hier als stellvertretender Reviervorsteher eingesetzt und suche verlässliche Antifaschisten. Wir müssen wieder Ordnung in das Chaos bringen.' Ich habe natürlich mitgemacht, denn mir war ja immer klar: Wenn es vorbei ist, sorge ich mit für die neue Ordnung."

In den kommenden Wochen macht er Tag und Nacht Dienst. Die ersten Lebensmittel müssen verteilt; Wohnungen zugewiesen, die Straßen geräumt und der Verkehr wieder geregelt werden. Nachts bewacht er Güterzüge mit Kohlen und Kartoffeln. Aber bald ordnen auch bürokratische Regeln wieder das öffentliche Leben. Eine macht seiner neuen Tätigkeit ein jähes Ende: das Mindestalter für Polizisten wird auf 21 Jahre festgelegt. Peter ist erst 19.
Nun zeigt sich auch, dass die qualvollen Monate in den Lagern nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind. Er bricht zusammen, wird krank, bekommt u. a. eine Diphtherie.
Kurz nach der Genesung trifft er auf dem Kurfürstendamm einen ehemaligen Kameraden aus dem Lager. “Ist ja gut, dass ich Dich treffe", meinte der, ich brauch Dich nämlich. Ich bin hier der Gewerkschaftsjugendsekretär von Berlin-Wilmersdorf."
Peter überlegte nicht lange. Die wiedergegründeten Parteien sind ihm noch nicht ganz geheuer, aber Gewerkschaftsarbeit, das scheint ihm das Richtige zu sein. Dabei hat er erst im Lager erfahren, was Gewerkschaften überhaupt sind. Und was es mit dem Sozialismus auf sich hat. “Jedenfalls war mir klar: Das Neue kann nur mit Sozialismus zu tun haben."

Dass Peter keine Ahnung hat, wie man Gewerkschaftsarbeit macht, ist kein Hindernis. Der ehemalige Kamerad aus dem Lager klärt ihn schnell auf:
“Also ein- oder zweimal die Woche kommen hier bei mir die jungen Leute aus sämtlichen Betrieben in Wilmersdorf zusammen. Das ist dann das Gewerkschaftsjugendtreffen. Ich bin dabei, Betriebsgruppen aufzubauen, aber das schaffe ich nicht allein. Ich brauche jemanden, der mir dabei hilft. Geld kannst Du natürlich nicht kriegen, aber Du wirst hier bei mir Funktionär."
“Dann hat er mich in die IG Metall aufgenommen, ich war ja Installateur. Ich bekam sofort ein Mitgliedsbuch und habe also Gewerkschaftsjugendarbeit gemacht. Wir haben Arbeitskreise eingerichtet, uns u.a. mit den Grundbegriffen des Marxismus vertraut gemacht. Das wichtigste Thema war jedoch die Verbesserung der sozialen Situation der jungen Arbeiter und Angestellten. Da gab es viel zu tun.
Mit den politisch besonders Interessierten diskutierten wir auch darüber, wie denn nun das neue Deutschland und die richtige Partei aussehen müssen. Wir waren uns alle einig: sie soll auf jeden Fall sozialistisch sein, aber auch demokratisch und freiheitlich. Diktatorisch und von oben, so wie bei Hitler, das kam für uns nicht in Frage."

Ein ungeheures Erlebnis
Neben anderen laden die jungen Gewerkschafter auch den Sekretär der Wilmersdorfer SPD ein. Er referiert über den Aufbau und die Ziele seiner Partei.
 “Das entsprach genau dem, was wir uns von einer Partei erwarteten. Demokratisch und sozialistisch, anknüpfend an die fortschrittlichen Traditionen der Arbeiterbewegung", erinnert sich Peter Weiß. Von da an engagiert er sich auch in der Jugendarbeit der SPD.

“Wir waren schnell eine Gruppe von 50 oder 80 jungen Sozialdemokraten. Einer von uns wohnte in einem Haus, da gab es eine Unmasse von Literatur: Tucholsky, Kästner - all die Sachen, die bei den Nazis verboten waren. Da haben wir uns dann jeden Sonntag vormittag getroffen, auf dem Tisch lag ein riesiger Berg Bücher, und haben geschmökert. Jeder zog sich einfach eins raus, und dann lasen wir uns gegenseitig die interessantesten Sachen vor. Das war ein ungeheures Erlebnis. Dadurch wurden wir mit der Literatur, der antifaschistischen Literatur bekannt."

Nach mehreren Monaten Mitarbeit tritt Peter im August 1946 in die SPD ein. Er wird hauptamtlicher Jugendsekretär und stellvertretender Kreisvorsitzender. Klaus Schütz, der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin, war erster Vorsitzender. Was hat den damals 20jährigen so an der SPD fasziniert?

“Also Sozialdemokraten, das waren Genossen. Man sagte Du zueinander, und da war auch wirklich was hinter. Natürlich gab es Anfeindungen und so, aber vor allem und zuerst warst du der Genosse. Man konnte auch gewisse Grundübereinstimmungen einfach voraussetzen: Antifaschismus, Ablehnung von Krieg, die Vorstellung einer gerechten und humanitären Gesellschaft, Demokratie als Ausdruck menschlicher Würde."

Solidarität und Gleichberechtigung bestimmen das Verhältnis der Genossen untereinander. Peter erzählt ein Beispiel:
“Da hält plötzlich abends nach einer Kundgebung neben mir ein Auto, da sitzt der Otto Suhr drin und sagt: Steig ein. Ich muss jetzt im Rundfunk eine Erklärung abgeben, weiß aber noch nicht, was ich sagen soll. Was würdest Du denn sagen? Bring mich doch mal auf Gedanken.'- Na, und dann haben wir eine Viertelstunde diskutiert. Da nach meinte er: Siehst Du, jetzt weiß ich, was ich sagen soll."'

Aufbau der “Falken"
Über die SPD kommt Peter Ende '46 auf einen Zehn-Tages-Kurs nach Vlotho, wo die Engländer eine Jugendleiterschule eingerichtet haben. Dort erfährt er mehr über die praktischen Ansätze der Jugendarbeit. Wie man Gruppenabende vorbereitet, kulturelle Aktivitäten organisiert, politische Überzeugungsarbeit in sinnvolle Freizeitbeschäftigung einbettet. Das hat nachhaltige Wirkung: Er entscheidet sich, Jugendarbeit zu seinem Beruf zu machen. Nach der Rückkehr beginnt er in Berlin mit der Ausbildung zum Jugendfürsorger.
Aber in Vlotho hat er noch eine  andere entscheidende Begegnung: Er trifft Abbi Kahn, einen ehemaligen Funktionär der sozialistischen Arbeiterjugend. Der berichtet ihm von den Bemühungen, die Sozialistische Jugend-Die Falken wieder zu gründen und drückt ihm erste Materialien in die Hand. Peter ist begeistert.
Er beteiligt sich am Aufbau der Falken in Berlin und gründet den Kreisverband Wilmersdorf. Einige Parteigenossen belächeln ihn: Der Weiß will einen sozialistischen Kindergarten aufmachen, heißt es. Aber innerhalb weniger Monate gibt es über 240 Falken in Wilmersdorf - aktive Kinder- und Jugendgruppen. 1947 findet dann das erste Falkenzeltlager in Stuttgart statt.

“Da wollten wir natürlich unbedingt dabei sein, auch wenn keiner eine Vorstellung davon hatte, was dort passieren sollte. Viele aus dem Ostsektor haben sich illegal und unter großen Gefahren quer durch die Sowjetzone dahin geschmuggelt. In Stuttgart saß ich übrigens gemeinsam mit dem späteren ÖTV-Vorsitzenden Heinz Kluncker im Lagerparlament."

Aus der Geschichte lernen
Peter Weiß ist heute 59 Jahre alt, Professor an der Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Berlin.
Fünfundzwanzig Jahre war er als Jugendpfleger tätig. In seiner Partei stand er immer auf dem linken Flügel. Das ging nicht ohne Konflikte ab und führte sogar zu seinem vorübergehenden Ausschluss aus der SPD. Was sind die Lehren, die er aus der Geschichte zieht? Was hat ihn am meisten berührt?
“Also eines der frustrierendsten Erlebnisse für mich war, als die alten Nazis wieder aus ihren Löchern gekrochen kamen und Funktionen übernehmen durften. Ich habe 1945 die Nazis für einen Betriebsunfall der Geschichte gehalten. Ich habe geglaubt, das sei nun ein für allemal vorbei. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass jetzt alles ganz anders wird. Da gab's für mich überhaupt keine Frage. Aber ich musste lernen, dass Gerechtigkeit, Frieden und Menschlichkeit täglich neu erkämpft werden müssen.
Ich habe mich viel mit den Briefen von Widerstandskämpfern aus den Todeszellen beschäftigt. Ich habe trotzdem den Eindruck, dass es viel schwieriger ist, jeden Tag seiner- Überzeugung treu zu bleiben, als in heroischen Situationen auch heroisch zu handeln. Es gibt nur wenige, die diese tägliche Treue zu ihrer Haltung, die tägliche Entschlossenheit für einen als richtig erkannten Weg durchhalten.
Es gab Situationen in meinem Leben, da war ich verzweifelt und zutiefst verunsichert. Trotzdem muss man weitermachen. In solchen Situationen habe ich mir immer gesagt: Wenn ich mir auch über die Richtigkeit meiner politischen Orientierung manchmal nicht ganz sicher bin was ich nicht will, das weiß ich jedenfalls ganz genau. Und dies ist Motivation genug, um mit ganzer Kraft weiterzumachen."

 
Lebenslauf und beruflicher Werdegang (von Peter Weiß verfasst, Stand: April 1991)

Weiß, Peter Heinz  Wolfgang
Wohnhaft: 1000 Berlin 37, Fischerhüttenstr. 82

Am 23. Februar 1926 wurde ich in Berlin-Charlottenburg geboren. Mein Vater war Jude, weshalb ich später in der NS-Zeit als jüdischer Mischling ersten Grades galt. Im April 1932 wurde ich in die Volksschule in Berlin-Schöneberg eingeschult. Im Jahre 1936 wurde meine Aufnahme in ein Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf aus politisch-rassischen Gründen rückgängig gemacht.

Im März 1940 wurde ich nach der Absolvierung von acht aufeinandersteigenden Klassen aus der Volksschule entlassen.

Mein Vater hatte 1 ½ Jahre zuvor wegen der politischen Verfolgung in Berlin seinen Wohnort nach Italien verlegt, um dort eine neue Existenz aufzubauen. Durch den Kriegsausbruch konnte die Familie nicht nachfolgen, so daß ich mit meiner Mutter und meiner Schwester in Berlin lebte.

Aus Gründen der politischen Verfolgung wurde mir keine Lehrstelle in dem von mir gewünschten Bereich als technischer Kaufmann vermittelt. Ich habe dann ein knappes Jahr als Landhelfer bei einem Bauern bei Guben gearbeitet.

Im Frühjahr 1941 gelang es mir, die Genehmigung zum Abschluß eines Lehrverhältnisses als Gas-Wasser-Installateur zu erlangen. Diese Berufsausbildung habe ich mit der Gesellenprüfung abgeschlossen.

Am 3.4.1944 wurde ich im Rahmen der Gestapo-Aktion nach Nordfrankreich in Arbeitslager zwangsdeportiert. IN diesen Lagern und vor Ende des Krieges in Lagern in Norddeutschland bin ich bis zum Kriegsende inhaftiert gewesen. Diese Zeit wurde mir durch das Entschädigungsamt Berlin als verfolgungsbedingte Haftzeit anerkannt, ebenso wie mir die erlittenen schulischen und beruflichen Ausbildungsschädigungen als verfolgungsbedingt anerkannt worden sind.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Staats habe ich nach einer kurzen beruflichen Tätigkeit beim Wiederaufbau einer demokratischen Verwaltung in Berlin (Polizeidienst) und einer halbjährigen Tätigkeit als Jugendsekretär bei der Sozialdemokratischen Partei einen Lehrgang zur Erlangung der mittleren Reife absolviert und im April 1947 die Ausbildung als Jugendwohlfahrtspfleger an dem damals gerade wiedereröffneten Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin-Schöneberg begonnen.

Zu dieser Ausbildung habe ich mich entschlossen, nachdem ich durch aktive Mitarbeit in der gewerkschaftlichen Jugendarbeit, bei den jungen Sozialdemokraten und beim Aufbau der Sozialistischen Jugendorganisation – Die Falken – ein ausgeprägtes Engagement für die demokratische Jugendarbeit entwickelt hatte. Ich war Kinder- und Jugendgruppenleiter, Leiter der Falkenorganisation im Berliner Verwaltungsbezirk Wilmersdorf und arbeitete in dem damals in Berlin zuständigen kommunalen Jugendausschuß mit. Ich kann somit sagen, dass ich von den ersten Anfängen der demokratischen Jugendarbeit nach dem Kriege an den vielfachen Funktionen der Berliner Jugendarbeit an wichtigen Stellen mitgearbeitet habe. Dieses Engagement weitete sich unter dem Einfluß der Ausbildung auf weitere Bereiche der Jugendwohlfahrt und der Sozialarbeit aus. Ich war seit der Neugründung nach dem Kriege in der Berliner Arbeiterwohlfahrt tätig.

Als ich dann im Jahre 1949 meine Ausbildung mit dem Staatsexamen als Jugendwohlfahrtspfleger abgeschlossen hatte, wurde mir sofort die Leitung des Amtes für Jugendförderung im Berliner Verwaltungsbezirk Zehlendorf übertragen.

In dieser Stelle wurde ich im Jahre 1953 mit der Wiedereinführung des Beamtenrechts als Beamter auf Lebenszeit übernommen.

Neben meiner Berufstätigkeit habe ich meine ehrenamtliche und politische Tätigkeit fortgesetzt. Ich war auch im Landesvorstand der Berliner Falken und im Bundesvorstand der Falken in verschiedenen Funktionen tätig. Außerdem war ich in verschiedenen Fachgremien auf Landes- und Bundesebene tätig, so z.B. in dem Fachausschuß Jugendwohlfahrt und später auch Jugendschutz beim Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt, in Fachkommissionen der Arbeitergemeinschaft für Jugendhilfe und Jugendfürsorge, in jugendpolitischen ad-hoc-Ausschüssen des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der jugendpolitischen Kommission der SJD – Die Falken -.

Einige Jahre war ich stellvertretender Vorsitzender der Fachabteilung Sozialarbeit der Gewerkschaft ÖTV in Berlin.

Ich hab an Fachzeitungen, fachlichen Veröffentlichungen und Jugendzeitschriften mitgearbeitet. So war ich lange Jahre ehrenamtliches Redaktionsmitglied des Blickpunkt, der Zeitschrift des Landesjugendrings Berlin, die besonders in dieser Zeit einen hervorragenden Ruf als Jugendzeitschrift hatte.

Die Grundlage eines so umfassenden beruflichen und gesellschaftlich politischen Einsatzes war mein Engagement für ein demokratisches Gemeinwesen, das aus dem Erlebnis nationalsozialistischer Verfolgung entstanden ist.

Den vielseitigen beruflichen und fachlichen Anforderungen konnte ich jedoch nur dadurch gerecht werden, daß ich mich stets bemühte, meine Erfahrungen zu reflektieren und mein Wissen zu erweitern. Deshalb habe ich neben dem Selbststudium an zahlreichen berufsbegleitenden Ausbildungsgängen teilgenommen, so z.B. an einem Ausbildungsgang für Jugendpfleger am Institut für Jugendgruppenarbeit in Berlin, an einem psychologischen Lehrgang für Sozialarbeiter am Institut für psychogene Erkrankungen in Berlin und schließlich in den Jahren 1960 bis 1964 an einem Sonderlehrgang mit der Fachrichtung Soziale Arbeit der Berliner Verwaltungsakademie, den ich nach 8 Semestern als Diplom-Kameralist abschloß.

Daran anschließend habe ich an der Freien Universität Berlin berufsbegleitend im Hauptfach Pädagogik und in den Nebenfächern Politologie und Soziologie studiert. Hier war ich besonders Schüler der Professoren Borinski, Molenhauer, Stammer, Flechtheim, Furck und C.W. Müller, die mir durchweg hervorragende Studienleistungen bescheinigten. Aufgrund meiner Studienerfolge wurde ich zunehmend zu Lehraufträgen herangezogen. So war ich seit dem Sommersemester 1970 fortlaufend Lehrbeauftragter für den Bereich Sozialpädagogik und Verwaltungsrecht an der Pädagogischen Hochschule in Berlin. Des weiteren war ich Lehrbeauftragter für den Bereich Spielplatzpädagogik an der Technischen Fachhochschule in Berlin und mehrere Semester Lehrbeauftragter für besonderes Verwaltungsrecht, insbesondere Jugendhilferecht, an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin.

Zum Wintersemester 1975 erhielt ich aufgrund meiner besonderen Bewährung in der Praxis, die unter anderem von der Berliner Senatorin für Jugend und Sport, Frau Ella Kay, von dem Abteilungsleiter Jugend im Bundesministerium für Familie, Jugend und Gesundheit, Herrn Otto Fichtner und von den Professoren Stammer, Flechtheim, Borinski und C.W. Müller begutachtet wurde, den Ruf auf eine Professur für Verwaltungskunde an der Staatlichen Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik in Berlin. Damit fand zunächst meine jahrelange erfolgreiche Tätigkeit als Amtsleiter in der Jugendverwaltung ihren Abschluß, aber auch ihre besondere Anerkennung.

An der Fachhochschule unterrichte ich neben den Verwaltungsfächern vor allem auch in dem Bereich Sozialpädagogik.

Daneben bin ich fachpolitisch nach wie vor ehrenamtlich tätig. Seit 1974 gehöre ich dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe an. Ich bin Mitglied des Fachausschusses Jugend der Arbeiterwohlfahrt, der jugendpolitischen Kommission der Falken und einiger ad-hoc-Ausschüsse zu speziellen fachlichen Problemen. Ich war sachverständiger Gutachter beim dem Hearing des Bundesjugendkuratoriums und des BMJFG zum Jugendhilferecht im Jahre 1973 und beim Hearing des Bundestagsausschusses für Familie, Jugend und Gesundheit zur Jugendhilferechtsreform im Jahre 1979. Ich wurde vom Bundesjugendkuratorium und anderen Institutionen als Sachverständiger bei der Erarbeitung von fachlichen Stellungnahmen insbesondere zum Jugendhilferecht herangezogen. Neben meinen zahlreichen Veröffentlichungen zum Jugendhilferecht haben auch meine fachlichen Berichte über meine Arbeit im Jugendamt Berlin-Zehlendorf, so z.B. zwei Spielplatzberichte, ein Bericht über die Situation der Jugendfreizeitheime fachliche Beachtung gefunden. In meiner amtlichen Arbeit habe ich auch durch die Entwicklung neuer Arbeitsschwerpunkte wichtige Beiträge zur Entwicklung der Jugendhilfe in Berlin geleistet.

Mein spezielles Interessengebiet, zu dem ich auch vornehmlich als Sachverständiger herangezogen werde, ist der Bereich der Zusammenarbeit behördlicher und verbandlicher Träger in der Sozialarbeit.

Seit dem 3.6.1976 bin ich mit Irmgard Weiß geb. Berg verheiratet. Meine Ehe ist kinderlos.

Seit einem Jahr bin ich Beauftragter des Rektors meiner Fachhochschule neben meiner Lehrtätigkeit mit der curricularen Neuordnung der 2. Ausbildungsphase der Sozialarbeit/Sozialpädagogik befaßt. Daneben habe ich Wahlfunktionen in der akademischen Selbstverwaltung inne.