Wegner, Kurt

Geschichte: Personen L-Z

Kurt Wegner

* 2. Juli 1898 in Berlin
† 21. Februar 1964 in Berlin

Kurt Wegner †

In den Morgen Stunden des 21. Februars 1964 ist der Bezirksbürgermeister von Berlin-Charlottenburg, Kurt Wegner, an den Folgen einer Gallenoperation verstorben.
Mit Bestürzung und tiefer Erschütterung haben viele Berliner diese Nachricht vernommen. Für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands und für seine engeren Freunde ist der Verlust dieses bedeutenden Mannes besonders schmerzlich. Mit der Ausgeglichenheit seines Charakters verband er menschliche Güte, die ihn zu einer verehrenswürdigen Persönlichkeit machte. Neben seinen vielfältigen kommunalpolitischen Aufgaben in Charlottenburg nahm er regen Anteil am politischen Geschehen, sein Urteil und seine Meinung hatte Gewicht und werden uns in Zukunft fehlen.
Kurt Wegner wurde am 2.Juli 1898 in Wedding, in der Badstraße 65, geboren. Er hat den nicht leichten Weg eines Arbeiters von unten aufwärts zurückgelegt.

Nach dem Kurt Wegner das Modelltischlerhandwerk erlernt hatte, wurde die Sozialdemokratische Partei Deutschlands auf den jungen tüchtigen Mann aufmerksam. 1924 wurde er zum Parteisekretär nach Sommerfeld berufen und ging von dort aus nach Cottbus, wo er mehrere Jahre Stadtverordneter war. Hier hat er sich die ersten Kenntnisse in der Kommunalverwaltung erworben, die ihm in seinem späteren Leben noch einmal so nützlich sein sollten. Er war von 1927 bis 1933 in dieser Stadt Chefredakteur der „Märkischen Volksstimme“. Das Vertrauen der Bevölkerung brachte ihn 1928 in den Preußischen Landtag, und von 1929-1932 war er Mitglied des Reichstages.
Wie viele tüchtige und aufrechte Männer wurde auch er von den Nazis verfolgt und um seine Stellung gebracht. So blieb ihm nichts weiter übrig, als mit seiner Familie nach Eichwalde in der Nähe von Berlin zu ziehen und sich hier eine neue Existenz zu schaffen.
Nach dem Zusammenbruch 1945 hat er sich sofort wieder der SPD zur Verfügung gestellt. Er wurde der Vorsitzende des Ortvereins Eichwalde und zugleich Bürgermeister. Sein mutiges und tapferes Eintreten in der Zone hatte zu Folge, dass er sich 1949 nur durch die Flucht einer bevorstehenden Verhaftung entziehen konnte. Er musste also zum zweiten Mal in seinem Leben teuer sein Eintreten für Freiheit und Menschenwürde bezahlen. In Berlin hat er einige Jahre maßgebend im Notstandsprogramm mitgewirkt. 1954 wurde er zum Bezirksstadtrat für Personal und Verwaltung und zum stellv. Bezirksbürgermeister in Berlin-Charlottenburg gewählt und 1958 zum Bezirksbürgermeister.
Seine Tätigkeit als Bezirksbürgermeister brachte ihm die Achtung auch derjenigen ein, die nicht seiner politischen Auffassung waren. Sein profundes Wissen wurde von allen, die mit ihm zu tun hatten, geschätzt.
Im Kreis der verantwortlichen Kommunalpolitiker Berlins wird die Lücke, die er hinterlässt, schwer zu schließen sein. Seine Stimme wird insbesondere im Rat der Bezirksbürgermeister fehlen. Die Freunde der Selbstverwaltung haben einen erfahrenen und wertvollen Mitstreiter verloren. Ich weiß, dass er sich für die Zukunft gerade auf diesem Gebiet große Aufgaben gestellt hatte. Kurt Wegner war einer der Besten, die die deutsche Sozialdemokratie für die öffentliche Verwaltung abgegeben hat.
Leider kann einer seiner letzten Wünsche, seine Erinnerung aus der Weimarer Zeit zu veröffentlichen, nicht mehr in Erfüllung gehen. Das ist für uns, die wir ihn kannten und noch viel erwarten durften, schmerzlich.
Kurt Wegner hat sich um Berlin verdient gemacht. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands und seine engeren Freunde können diesem vorbildlichen Mann am besten ihren Dank durch abstatten, dass sie in seinem Sinne an den gemeinsamen Aufgaben weiterarbeiteten.
Seiner tapferen Frau und seinem Sohn gilt unser tiefstes Mitgefühl.

Helmut Mattis

( Nachruf aus der Berliner Stimme vom 22.Februar 1964)

Recherche: Sertac Davulcu