Walz, Edith

Geschichte: Personen L-Z

Edith Walz

geb. Fleischer

geb. 1911

gest. 21. 10. 2004

ab 1927 Mitglied im "Bund Proletarischer Jugend" und später in der Sozialistischen Arbeiterjugend, ab 1930 Mitglied der SPD.

 

 

Am 21. Oktober 2004 ist Edith Walz im 94. Lebensjahr verstorben. Die sozialdemokratische Partei und die Arbeiterwohlfahrt Reinickendorf haben eine ihrer prominentesten und profiliertesten Persönlichkeiten verloren.

Edith Walz, aus sehr einfachen Verhältnissen stammend, hatte die Tiefen und Höhen des 20. Jahrhunderts in allen Facetten erlebt, aber vor allen Dingen auch bestanden. Sie gehört zu jenen, die aufrecht durch die Zeit gegangen sind, die sich nicht haben verbiegen lassen von Diktatur und von einer Gesellschaft, die in den 30er Jahren bereit war, sich von den Nazis einfangen zu lassen. In jungen Jahren fand sie den Weg über die sozialistische Arbeiterjugend in die sozialdemokratische Partei. Im vorigen Jahr wurde sie für ihre 75jährige Mitgliedschaft in der SPD ausgezeichnet. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, würdigte in einer Laudatio ihre Lebensleistung, unterstrich ihr Engagement während der Nazizeit, wo sie unerschrocken und standhaft,  mit den geringen Möglichkeiten, die einer sozialistischen Arbeiterjugendgruppe zur Verfügung standen, Widerstand leistete. In dieser Zeit traf sie auch auf ihren Mann Reinhold Walz und mit ihm zog sie 1936 nach Berlin-Reinickendorf.

Nach dem Zusammenbruch 1945 gehörte Edith Walz, aber natürlich auch ihr Mann, zu den Menschen die anpackten, aufbauten und vor allen Dingen der Demokratie in unserer Stadt wieder zum Durchbruch verhalfen. Für sie war es selbstverständlich, dass der Einsatz in Gewerkschaften, Parteien, aber auch die Mitarbeit z.B. in der Arbeiterwohlfahrt zur demokratischen Kultur  unserer Gesellschaft gehörten. Ihr Einsatz galt dem Ziel die persönliche Freiheit jedes Einzelnen zu festigen, unsere Solidargemeinschaft zu stärken und eine politische Kultur zu entwickeln, die Toleranz und Nächstenliebe zum Grundsatz allen Handelns machen sollte. Sie persönlich verstand es vorbildlich Herzenswärme und intellektuelle Auseinandersetzungen zu verbinden und verlor nie ihre politische Geradlinigkeit. Als Kreisdelegierte oder als Mitglied in Abteilungsvorständen brachte sie sich innerhalb der Reinickendorfer SPD ein, aber ihre wichtigste Leistung liegt wohl im Aufbau der Hauspflege in der Reinickendorfer Arbeiterwohlfahrt. Ehrenamtlich schuf sie eine Struktur von über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich in Reinickendorf um das Wohl von Menschen kümmerten, die auf Hilfe von außen angewiesen waren. In Berlin war das eine vorbildliche Leistung und entsprechend wurde dieses Angebot auch Leitbild für die Arbeit in den anderen Bezirken. Edith Walz hat für sich selbst nie etwas beansprucht. Sie war bescheiden für sich selbst, aber anspruchsvoll mit Ihren Forderungen, wenn es darum ging, soziale Gerechtigkeit umzusetzen.

Sie hat vielen Menschen, ob in der SPD, in der AWO oder darüber hinaus, Orientierung gegeben. Ihre Warmherzigkeit, ihr Engagement, ihre Gradlinigkeit wird uns allen fehlen.                                                         

Detlef Dzembritzki

aus: Berliner Stimme 21-2004 vom 6.11.2004