Wagner, Horst

Geschichte: Personen L-Z

Wagner, Horst

Horst Wagner gehört zu den großen Persönlichkeiten der alten Gewerkschaftsbewegung. Er war jahrzehntelang Chef der Metallarbeiter im alten West-Berlin. Er war einer der ersten Gewerkschaftsführer, die nicht allein im alten Stil auf die Kraft der Organisation und der gewerkschaftlichen Mitglieder allein setzte, sondern sich zu einer modernen Interessenvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekannte.
Eine klare wirtschaftspolitische Linie und die Vertretung einer allgemeinen wirtschaftspolitischen Position, die über die klassische Tarifpolitik und das Gewerkschaftsrepertoire hinausgingen. Diese Position führte ihn zwangsläufig in die Politik als Abgeordneter und Mitglied der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus.
Als wirtschaftspolitischer Sprecher wurde er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. In der Zusammenarbeit in der Opposition habe ich ihn als nimmermüden Kritiker der CDU-Wirtschaftspolitik Herrn Pieroths erlebt.
Die beste Zeit waren natürlich die knapp zwei Jahre rot-grüner Senatsarbeit 1989/90. Als Senator für Verkehr und Betriebe galt er erst als Widerpart der Grünen, zeigte sich dann aber als engagierter Realisierer des rot-grünen Verkehrsprogramms. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der AVUS und die Busspuren, das setzte er schnell quasi über Nacht in Kraft, alles Maßnahmen, die heute selbstverständlich sind. Damals brach ein Sturm der Entrüstung über Rot-Grün herein. Man glaubte, die westliche Welt ginge unter. "Freie Fahrt für freie Bürger" forderte der ADAC Arm in Arm mit der CDU. Ein absurdes Theater. Horst Wagner stand das wie ein Gewerkschafter durch. Er behielt die Nerven und wich keinen Millimeter.
Nach der Öffnung der Mauer organisierte er die Zusammenarbeit mit den Ost-Berliner Eigenbetrieben und bewältigte die immensen Aufgaben der Verknüpfung des 28 Jahre lang getrennten Verkehrsnetzes.
Horst, im Kunstverein für das Haus am Lützowplatz brauchen wir Dich auch weiterhin. Alles Gute, gute Gesundheit - und noch viele weite Reisen.


Walter Momper

(April 2001)