Wachenheim, Hedwig

Geschichte: Personen L-Z

Hedwig Wachenheim

Porträt Hedwig Wachenheim
 

geboren am 27.August 1891 in Mannheim

gestorben  am 8.Oktober 1969 in Hannover

 

Hedwig Wachenheim, geboren am 27.August 1891 in Mannheim als Tochter einer Bankiersfamilie, war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Sozialpolitik der Weimarer Republik. Entsprechend dem Ansehen der Familie erhielt sie eine praxisferne Ausbildung für „höhere Töchter“. Später beklagte sie, nie richtig Rechnen gelernt zu haben.

Mehr zufällig besuchte sie 1912 eine Wahlversammlung der SPD, auf der ihr der junge Reichstagsabgeordnete und begabte Redner Ludwig Frank besonders auffiel, der in Mannheim der politische Kopf und Wortführer der süddeutschen Reformisten war. Unter seinem Einfluss und gegen den Willen ihrer Familie wagte Hedwig den Schritt in die berufliche Selbständigkeit und beschloss, auf die von Alice Salomon neu gegründete  Soziale Frauenschule nach Berlin zu gehen.

Sie studierte mit Begeisterung, begann aber auch bald, die Ausbildung selbst zu kritisieren, die Sozialarbeit immer noch als eine ehrenamtliche Beschäftigung für höhere Töchter begriff.

1914 trat Hedwig Wachenheim in die SPD ein, schloss im gleichen Jahr ihre Ausbildung ab und erhielt in Mannheim eine Stelle als Fürsorgerin. Unterdessen hatte sie sich mit Ludwig Frank verlobt, der jedoch kurz nach Kriegsausbruch als Kriegsfreiwilliger fiel. Sie zog wieder nach Berlin(-Schöneberg, Bayreuther Str., später Tauentzienstr.) und arbeitete u. a. beim Nationalen Frauendienst und bei der Beschwerdestelle der Berliner Milchversorgung. Sie engagierte sich weiterhin politisch und wurde zur Frauenleiterin in Schöneberg und in den dortigen Kreisvorstand gewählt.

1920 wurde sie Stadtverordnete und 1921 Magistratsmitglied mit der Zuständigkeit für die Feuerwehr. Ihre großen Erfolge erzielte sie jedoch beim Aufbau der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und als Publizistin. Sie stieg bei der Gründung der AWO 1919 neben der Gründerin Marie Juchacz als Schriftführerin in den Vorstand ein als eine der wenigen mit einer professionellen sozialen Ausbildung. Sie beeinflusste damit das Sozialwesen der Weimarer Republik entscheidend, vor allem mit der Gründung der AWO-Wohlfahrtsschule in Berlin, mit der sie ihr Ziel, die soziale Arbeit als einen hoch qualifizierten, bezahlten Beruf zu etablieren, verwirklichte.

1928 und 1932 und wurde sie in den Preußischen Landtag gewählt. Unterdessen war sie von Schöneberg nach Tempelhof in den Siegertweg 8 gezogen. Sie arbeitete weiterhin als Journalistin, z. B. für den „Vorwärts“ und übernahm 1926 die Chefredaktion der Zeitschrift „Arbeiterwohlfahrt“, die sehr schnell zu einem anerkannten Fachblatt für Sozialarbeit und Wohlfahrtspolitik wurde und wie keine andere vergleichbare Zeitschrift gegen die Nationalsozialisten leidenschaftlich zu Felde zog.

 

Ab 1933 trafen sie als Jüdin und Sozialdemokratin sehr schnell die Repressionen  der Nazi-Diktatur. Die Wohlfahrtsschule wurde geschlossen, sie wurde persönlich terrorisiert, verließ Deutschland 1934 und ging in die USA, wo sie sich von Anfang an für Verfolgte des Nazi-Regimes engagierte.

Nach dem Krieg bot ihr Louise Schroeder die Leitung des neu geschaffenen Sozialpädagogischen Instituts (SPI) an, aber sie entschied sich für ihr Verbleiben in den USA und schuf eine wissenschaftlich Arbeit, die zum Standardwerk werden sollte, das sie selbst neben dem Aufbau der Wohlfahrtsschule in den 20er Jahren als Krönung ihres Lebenswerks  empfand: “Die deutsche Arbeiterbewegung 1844 – 1914“. Hedwig Wachenheim starb am 08.Oktober 1969 auf einem Deutschlandbesuch in Hannover.

Eva Liebchen

 

 
Hedwig Wachenheim - Druckereibesuch

Hedwig Wachenheim - Druckereibesuch. Foto: Archiv Eva Liebchen