Thimm, Axel

Geschichte: Personen L-Z

Thimm, Axel

Der Schöneberger Sozialdemokrat Axel Thimm ist am 29. März 2001 im Alter von 61 Jahren gestorben. Axel Thimm war viele Jahre Fahrer der Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, er fuhr u.a. auch die Regierenden Bürgermeister Hans-Jochen Vogel und Walter Momper.

 

Aus der Rede von Klaus Böger am 6. April 2001 anlässlich der Trauerfeier für Axel Thimm im Krematorium Wilmersdorf:

1977 stieg Thimmi beim Berliner Fuhrpark ein. Zu seinen Fahrgästen gehörte Senator Peter Ulrich, bevor Thimmi schon nach kurzer Zeit das Glück hatte, den damaligen Regierenden Bürgermeister Dietrich Stobbe vertretungsweise zu fahren. Dann kam Hans-Jochen Vogel nach Berlin und wurde Regierender Bürgermeister - Thimmi wurde sein Fahrer. Später fuhr er den Regierenden Bürgermeister Walter Momper, den Fraktionsvorsitzenden Ditmar Staffelt und seit sieben Jahren mich - zunächst in meiner Funktion als Fraktionsvorsitzender und seit Dezember 1999 als Bürgermeister und Senator.

Die aufregendste Phase seiner Fahrertätigkeit war sicherlich für Thimmi eine Zeit, die wir Berlinerinnen und Berliner immer herbei gesehnt haben und nie vergessen werden: Der Fall der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung der Stadt. Thimmi durfte dieses aufregende Kapitel der Geschichte an der Seite des Regierenden Bürgermeisters Walter Momper verbringen und war in dieser Phase natürlich fast Tag und Nacht im Einsatz.

Ich selbst kenne Thimmi durch seine langjährige Arbeit als mein Fahrer - wie gesagt: Es waren sieben Jahre. Bei Thimmi - und da spreche ich sicherlich auch im Namen aller Fahrgäste - stand immer das Wohl des Fahrgastes im Mittelpunkt. Er war immer bei der Sache, hat an alles gedacht. Er war die Zuverlässigkeit in Person.

Thimmi war aber auch immer ein wichtiger Kontaktmann und Bote für die Büros. Ihm lag unendlich viel an einem guten Betriebsklima und seine Freundlichkeit und seine Liebenswürdigkeit waren bestechende Qualitäten. Für alle, die mit ihm zusammen arbeiteten, war Thimmi Teil der Büros. Manche sagen sogar: Er sei der gute Geist des Teams gewesen.

Der Dienst war ein ganz wichtiger Teil von Thimmis Lebens. Er war bis zuletzt - und schon schwer gezeichnet von seiner Krankheit - immer mit vollem Herzen dabei. Die Kollegen waren ihm wichtig und er genoss ihr Vertrauen. Sie schätzten Thimmi nicht nur als leidenschaftlichen, aber immer fairen Kartenspieler - denn Fahrer haben dafür oft Zeit, während wir Politiker endlose Sitzungen abhalten... - Thimmi stellte sich auch lange Zeit in den Dienst der Fahrer als ihr Interessenvertreter gegenüber dem Arbeitgeber. Er nahm mit großem Engagement seine Aufgabe als Personalratsmitglied wahr. Der größte Vertrauensbeweis war sicherlich die Wahl zum Vorsitzenden des Personalrats im Fuhrpark. Die Kollegen wussten, was sie an Thimmi hatten und dass er zuverlässig, geradlinig und konsequent ihre Interessen vertrat, zugleich aber auch immer fähig zum fairen Kompromiss war.

25 Jahre lang hat Thimmi im öffentlichen Dienst des Landes Berlin gestanden. Noch vor wenigen Wochen, am 31. Januar 2001, durfte ich ihm die Urkunde als Anerkennung für die Arbeit überreichen, die er in 25 Jahren für das Land Berlin geleistet hat. Und - was mich besonders freut, was für Thimmi besonders wichtig war: Es gab aus diesem Anlass einen Empfang im Roten Rathaus und Thimmi konnte diese Ehrung im Kreise seiner Kollegen erleben.

Immer mehr wurde für Thimmi aber auch unsere SPD zu einer Herzenssache. Am 30. Mai 1985 war er der SPD beigetreten. Thimmi entwickelte in kurzer Zeit einen beispiellosen Einsatz für die Partei. Er wurde Kassierer zunächst in seiner Abteilung, dann im Kreis Schöneberg und nun - nach der Fusion - auch in dem neuen Großkreis Tempelhof-Schöneberg. Zusammen mit Monika organisierte er viele Kinderfeste. Immer wenn es etwas zu tun gab, war Thimmi zur Stelle. Es war diese selbstverständliche und uneigennützige Hilfsbereitschaft, die uns alle immer wieder so beeindruckt hat und die Thimmi zu unserem Freund und Weggefährten hat werden lassen.

Die SPD konnte sich glücklich schätzen, einen Mann wie Axel Thimm in ihren Reihen zu wissen. Geradlinigkeit, Zuverlässigkeit und Bodenhaftung - das sind die Qualitäten, die wir alle an ihm so schätzten. Selbst als Thimmi schon schwer durch seine Krankheit geschwächt war, nahm er ohne zu klagen und mit beeindruckender Zuversicht konsequent seine
Kassierer-Aufgaben wahr.

Thimmi kam aus schwierigen Verhältnissen. Er hat sich - als eine Art "Self made man" im besten Sinne des Wortes - Schritt für Schritt hoch gearbeitet - im Beruf und dann auch in der Partei. Und er vergaß dabei nie, wo er herkam. Thimmi fand in der SPD Bestätigung und trotzdem wusste er immer, dass die Partei eine Aufgabe und einen Auftrag hat, der wichtiger ist als die persönliche Profilierung. Thimmi hat in der SPD immer auch die Partei gesehen, die sich um die Schwächeren in der Gesellschaft zu kümmern hat. Und er hat danach gehandelt. Darin war und bleibt Thimmi ein Vorbild für uns alle.

Thimmis große Liebe galt seiner Frau Monika und seiner Familie. Vor knapp 10 Jahren heirateten Monika und Axel Thimm. "Seine Moni" hatte er im Fuhrpark kennen gelernt. Mit der Hochzeit wurde er zugleich stolzer Vater zweier erwachsener Töchter, Marion und Michaela, und er wurde ein lieber Opa für Manuel Pierre, an denen er sehr hing, von denen er gern erzählte und um die er sich jederzeit kümmerte.

Die Jahre mit seiner Moni und mit den Kindern waren die schönsten seines Lebens. Das hat er kurz vor seinem Tode gesagt. Diejenigen, die ein bisschen wissen über seine schwere Kindheit und Jugend, können vielleicht ermessen, wie wichtig es für Thimmi war, mit Monika einen Menschen gefunden zu haben, der ihm Vertrauen, Geborgenheit und Bestätigung gab - und die ihm, nicht erst seit Ausbruch seiner schweren Krankheit, eine verlässliche Stütze und eine liebevolle Lebenspartnerin war.

Thimmi war für mich ein Mensch, der Zuversicht ausgestrahlt hat. Er ist offen auf die Menschen zugegangen und hat uns alle durch seine große Freundlichkeit beeindruckt.