Theuner, Otto

Geschichte: Personen L-Z

Otto Theuner

Nachruf Otto Theuner
In der Nacht zum Dienstag dieser Woche starb im Alter von 80 Jahren der frühere Verkehrssenator und Bürgermeister unserer Stadt Otto Theuner. Er gehörte zu jenen Männern und Frauen, die sich in jahrzehntelanger Tätigkeit um das Gemeinwohl verdient gemacht haben.

Der gebürtige Görlitzer war der geborene Kommunalpolitiker und Verwaltungsfachmann. Schon mit 15 Jahren trat er in den Dienst der Stadt Küstrin, 1920 kam er nach Berlin und fand zugleich den Weg zur Sozialdemokratie.
1933 warfen die Nazis den engagierten Stadtinspektor auf die Straße. Bis zum Zusammenbruch des Hitlerreiches war in der Privatwirtschaft tätig; mit seiner ersten Frau unterhielt er einen Wäschereibetrieb in Berlin-Weißensee.
Für diejenigen, die ihn seit frühen Jahren kannten, war es selbstverständlich, dass Otto Theuner seine preußische Tüchtigkeit und Erfahrungen dem Wiederaufbau der kommunalen Selbstverwaltung von der „Stunde Null“ an zur Verfügung stellen würde. Er leitete zunächst das Ausbildungsamt der Stadt, war kurze Zeit Bezirksstadtrat für Finanzen in Berlin-Tiergarten, ab 1946 Chef der Abteilung Personal und Verwaltung in damaligen Magistrat von Groß-Berlin und als enger Mitarbeiter von Dr. Friedrich Haas (CDU) Senatsdirektor für Finanzen in der Regierung von Ernst Reuter. 1955 wurde er zum Senator für Verkehr und Betriebe gewählt (Regierung Suhr und Brandt). Im 4. Senat von Berlin (1963) übernahm er 1965 gleichzeitig das Innenressort. Über die Erreichung der so genannten Altersgrenze hinaus war er bis April 1967 weiterhin Senator für Verkehr und Betriebe und zusätzlich Bürgermeister. Dem Abgeordnetenhaus von Berlin gehörte er 1951 und von 1955-1971 an.
Otto Theuner war in seiner Mobilität und Umsichtigkeit ein weit über Berlin wohlgelittener Mann. Öffentliche Anerkennung erfuhr er durch die Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens mit Stern der Republik Österreich (1962), des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern (1967), der Ernst-Reuter-Plakette in Silber (1970).
Viele Gremien öffentlicher Bereiche suchten auch nach seinem Abschied von 22-jährigen kommunaldienstlichen Wirken in Spitzenfunktionen seinem Rat. In einer Reihe von Ehrenämtern (Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Flughafen GmbH, der GEHAG Gemeinnützigen Heimstätten AG u.a.) bestätigte er das Vertrauen, das man in ihn setzte. Nicht zuletzt hat er auch als langjähriger Verwalter der Finanzen des Landesverbandes der Berliner SPD große Umsichtigkeit bewiesen. Man nutzte seinen enormen Sachverstand und seine vielfältigen Erfahrungen, um sich im Labyrinth der letzten Endes unumgänglichen Bürokratie zurechtzufinden. Es muss aber auch anerkannt werden, dass er zur Durchforstung und Durchsichtigkeit der Administration manches Lobeswerte beigetragen hat.

In der noch zu schreibenden Nachkriegsgeschichte unserer Berliner Selbstverwaltung wird der Name Otto Theuner obenan stehen.
Walther G.Oschilewski

Aus Berliner Stimme 2. Februar 1980
Recherche:  Andrej Kasim