Sund, Olaf

Geschichte: Personen L-Z

Olaf Sund

geboren 31. August 1931 in Heide (Holstein)

gestorben 8. Januar 2010 in Beedenbostel  (Niedersachsen)

sozialdemokratischer Sozial- und Arbeitsmarktpolitiker, von 1977 bis 1981 Senator für Arbeit und Soziales in Berlin.

 

Olaf Sund kam in schwieriger Zeit nach Berlin. Nach dem Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Schütz im April 1977 war ein Neuanfang notwendig geworden. Dietrich Stobbe holte den engagierten Sozial- und Arbeitsmarktpolitiker, der zu diesem Zeitpunkt stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion war, als Senator für Arbeit und Soziales in die Stadt.

 

Längst ließ sich Sozialpolitik  nicht mehr aus wirtschaftlichem Wachstum speisen, die Belastung der Arbeitnehmer durch Sozialabgaben stieg. Olaf Sund setzte sich für den Abbau von Privilegien von Ärzten oder Beamten ein, um Kosten zu senken. Zugleich machte er die Arbeitsmarktpolitik zu einem Schwerpunkt seiner Tätigkeit im Senat. Um vor allem Jugendlichen den Weg in den Arbeitsmarkt tzu erleichtern, engagierte er sich für die Schaffung neuer Ausbildungsangebote. Berlin wurde mit dem Berufsamt zum Vorreiter in der außerbetrieblichen Ausbildung, Sund unterstützte die Schaffung überbetrieblicher Ausbildungsplätze.

 

Er selbst hatte - bedingt durch den Krieg - die Schule 1948  als 17jähriger ohne Abschluss verlassen. Als Jugendlicher hatte er im Tiefbau und in der Landwirtschaft gearbeitet, bevor er 1949 eine Verwaltungslehre bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Heide begann. Nach seinem Abschluss war er 1951 bei der AOK in Rendburg beschäftigt und begann dann ein Jahr später an der Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft in Wilhelmshaven-Rüstersiel die Hochschulreife nachzuholen. Von 1954 bis 1957 studierte er Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre, legte dann in Hamburg sein Examen als Diplomvolkswirt ab und arbeitete zunächst in der Industrie, ehe er 1962 in die Erwachsenenbildung wechselte.

Schon ein Jahr zuvor war er in die SPD eingetreten. 1970 wurde er in den niedersächsischen Landtag gewählt, 1972 wechselte er - im Wahlkreis Celle direkt gewählt - in den Bundestag und erarbeitete sich dort schnell Ansehen und das Vertrauen von Herbert Wehner.

In Berlin wirkte er vier Jahre lang als Senator für Arbeit und Soziales. 1981 trat Dietrich Stobbe als Regierender Bürgermeister zurück, für einige Monate arbeitete Sund weiter im Senat von Hans-Jochen Vogel. Durch die vorgezogenen Neuwahlen 1981 verlor die SPD die Mehrheit und ging in die Opposition. Der Arbeitsmarktexperte Sund wurde von 1982 bis 1991 Präsident des Landesarbeitsamtes Nordrhein-Westfalen. Mit 60 Jahren stellte er seine Erfahrungen in den Dienst des Neuaufbaus in den neuen Ländern: Von 1991 bis 1996 war Olaf Sund Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen in Brandenburg.  "Mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen hat er an der Seite unserer unvergessenen Regine Hildebrandt dazu beigetragen, dass die Menschen wieder Mut fassen und Perspektiven entwickeln konnten. Die Menschen vertrauten ihm, weil sie wussten: Olaf Sund setzte sich wie kaum ein anderer für ihre Interessen ein", so der brandenburghische Ministerpräsident Matthias Platzeck in einem Nachruf.

"Mit Olaf Sund verlieren wir einen exzellenten Arbeits-markt- und Sozialpolitiker", sagte Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper in seiner Würdigung. "Als Senator in Berlin hat er sich vor allem für die Behinderten eingesetzt. Sein Konzept einer behindertengerechten Stadt war zukunftsweisend. Er hat damals gegen viel Widerstand mit der Durch-setzung begonnen. Der Fahrdienst für Behinderte, der behindertengerechte Umbau von S- und U-Bahnhöfen und behindertengerechte Gebäude und Straßen sind heute ganz selbstverständlich, wobei da noch eine Menge zu tun bleibt. Olaf Sund hat maßgeblich daran mitgearbeitet. Sein großes Ziel war soziale Gerechtigkeit und gesellschaftliche Solidarität. Mit seiner Bescheidenheit, seinem stillen Humor und seinem Pflichtbewusstsein hat er sich bei Kollegen und Mitarbeitern Achtung und Zuneigung erworben."

U. Horb