Suhr, Otto

Geschichte: Personen L-Z

Otto Suhr

Gedenktafel Otto Suhr
 

geboren Oldenburg 17.8.1894 - gestorben Berlin 30.8.1957,

 

Gedenkstein Oranienstraße Ecke Alexandrinenstraße (Südwestseite)

Findling aus rotem Granit mit zwei Tafeln, von denen die vordere die Inschrift trägt: Otto Suhr / 1894 - 1994
Auf der rückwärtigen Tafel (Foto) steht: Prof. Dr. Otto Suhr / 17.8.1894 - 30.8.1957 / Stadtverordnetenvorsteher / Präsident des Abgeordnetenhauses / 1946 - 1954 / Regierender Bürgermeister / 1955 - 1957 / der Berlin treue Dienste leistete / Berliner Wohnungs- u. Geschäftshaus GmbH / Otto Suhr-Siedlung

 
Gedenktafel Otto Suhr
 

Suhrs Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf, Potsdamer Chaussee 75, Abt. IX W 374/75 (Ehrengrab).
In der Otto-Suhr-Siedlung in Kreuzberg, Kommandantenstraße 29/31, befindet sich des weiteren noch eine Klinkermauer mit aufgesetzter Bronzetafel. Inschrift: Regierender Bürgermeister  von Berlin / Professor Doctor / Otto Suhr / *17.  Aug. 1894 / +30. Aug.1957

(Fotos: Holger Hübner, 10.7.1996)

 

Rede
des Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper,
anlässlich des 50. Todestags von Otto Suhr
am 10. Dezember 2007, 18.30 Uhr,
in der Ev. Kirchengemeinde St. Jacobi-Luisenstadt,
Oranienstraße 132-134, Berlin-Kreuzberg


Ich freue mich, Sie anlässlich des 50. Todestags von Otto Suhr, der am 30. August 1957 im Alter von nur 63 Jahren an Leukämie starb, begrüßen zu können. Damals war Otto Suhr seit rund zweieinhalb Jahren als Regierender Bürgermeister im Amt.

Der Name Otto Suhr ist uns allen geläufig – nicht zuletzt dank der Hochschule für Politik, seiner Gründung, die nach seinem Tod nach ihm benannt worden ist. Doch Otto Suhr war auch mein erster Vorgänger im Amt des Parlamentspräsidenten, von 1946 bis 1950 als Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung von Groß-Berlin, nach der Spaltung als Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, genau gesagt vom Westteil Berlins. Nach den für die Berliner SPD erfolgreichen Wahlen vom Dezember 1954 wählte ihn das Abgeordentenhaus am 11. Januar 1955 zum Regierenden Bürgermeister.

Vor einigen Wochen feierten wir, - einige von Euch waren dabei – im Willy-Brandt-Haus einen anderen Gedenktag, der jedoch sehr viel mit dem heutigen zu tun hat: den 50. Jahrestag des Amtsantritts von Willy Brandt als Regierender Bürgermeister, als Nachfolger von Otto Suhr. In diesem Zusammenhang haben wir uns intensiv mit der Rolle Willy Brandts während der Berliner Demonstration anlässlich des Ungarnaufstands 1956 beschäftigt. Wir haben das Charisma, die große Redebegabung Willy Brandts bewundert, dem es damals mit beschwörenden Worten gelang, die aufgebrachten Berliner und Berlinerinnen von politisch gefährlichen Aktionen gegen die Vopo abzuhalten.

Auch der sozialdemokratische Vorgänger Otto Suhrs, Ernst Reuter, war ein wortgewaltiger Politiker. Nicht von ungefähr ruft sein Name sofort die Erinnerung an seine flammende Rede vor dem Reichstag im Jahr 1949 hervor: Sein Appell „an die Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“, ist in die Geschichte eingegangen.

Otto Suhr war ein prägnanter Redner, der seine von großer Sachkenntnis, Genauigkeit und moralischem Impetus zeugenden Reden bis in die letzten Kleinigkeiten selber schrieb, aber er war kein Redner, der die Massen mitriss. Der kühle Norddeutsche aus Oldenburg, der bei seinen sonntäglichen Radioansprachen sein spitzes S nicht unterdrücken konnte, ist vielen Berlinerinnen und Berlinern als „unser Professor Bürgermeister“ in Erinnerung geblieben. Diese Bezeichnung traf die Wesensart Otto Suhrs recht gut, denn Otto Suhr war Zeit seines Lebens Politiker und Wissenschaftler.

Otto Suhr, immer untadelig in seiner Erscheinung, nie ohne die obligate Fliege, war also nicht der Politiker „zum Anfassen“. Dennoch hat er uns ein Erbe hinterlassen, das unser Gemeinwesen bis heute nachhaltig prägt: Er hat im Nachkriegsberlin die Demokratie maßgeblich mit aufgebaut und die Landesverfassung gestaltet. Otto Suhr hat als Stadtverordnetenvorsteher, als Parlamentspräsident und als Regierender Bürgermeister, aber auch als Sozialdemokrat, die Geschichte Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg mit geschrieben. Ér hatte als Berliner Mitglied im Parlamentarischen Rat einen wesentlichen Anteil an der Gestaltung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland.

Otto Suhr wurde am 17. August 1894 in Oldenburg geboren. Er wuchs gut behütet in einem bürgerlich-liberalen Elternhaus auf, sein Vater war Beamter. Der erste Weltkrieg, den Otto Suhr fast vollständig im Fronteinsatz verbrachte, war schuld daran, dass er sein Studium der Volkswirtschaft und Geschichte unterbrechen musste. Erst nach dem Krieg konnte er sein Studium in Jena abschließen. Otto Suhr war noch während des Krieges in die SPD eingetreten; in Jena engagierte er sich im Sozialistischen Studentenbund.

Nach seinem Studienabschluss arbeitete er zunächst als Pressereferent, bis er 1921 Arbeitersekretär beim „Allgemeinen Deutschen Gewerksschaftsbund“ in Kassel wurde. Hier wurde seine lebenlange enge Verbundenheit mit der Gewerkschaftsbewegung begründet. Während dieser Zeit gehörte er dem dortigen Vorstand der SPD unter dem damaligen Oberbürgermeister Philipp Scheidemann an. Es folgte eine Lehrtätigkeit in den Wirtschaftswissenschaften an der Universität Jena, bis er 1926 nach Berlin übersiedelte, um dort als Leiter die volkswirtschaftliche Abteilung des „Allgemeinen freien Angestelltenbundes“ (AfA) zu übernehmen.

Nach der Machtübernahme durch die National-sozialisten zog Otto Suhr die Konsequenzen und betrieb die Auflösung der AfA. Ab 1935 schrieb er als freier Mitarbeiter für den Wirtschaftsteil der „Frankfurter Zeitung“. Aus politischen Gründen – er arbeitete im Untergrund für die Gewerkschaftsbewegung – aber auch wegen seiner jüdischen Ehefrau geriet Otto Suhr immer wieder in die Schusslinie der Gestapo. Als ihm gegen Ende des Krieges die Verhaftung drohte, konnte er sich nur durch die Flucht entziehen.

Nach dem Ende des Krieges beteiligte sich Otto Suhr am Wiederaufbau der Berliner SPD und wurde ihr erster Generalsekretär. Vorübergehend war er bei der Zentralverwaltung für Industrie der SBZ tätig. 1946 zog er bei den ersten demokratischen Wahlen nach Krieg und Nazizeit als Abgeordneter in die Stadtverordnetenversammlung ein. Er wurde als Vorsteher nominiert und am 26. November 1946 einstimmig in dieses Amt gewählt.

Als Vorsteher wollte er ein „ehrlicher Makler“ zwischen den Fraktionen und ein Mittler zwischen Parlament und Regierung sein. 1948 wurde er einstimmig wiedergewählt. Diese Tatsache, die man sich in heutigen Zeiten überhaupt nicht mehr vorstellen kann, beweist, in welchem Maße er sich Respekt und Anerkennung aller Fraktionen erworben hatte. Doch bevor er 1950 zum Präsidenten des nunmehr im Rathaus Schöneberg im Westen der Stadt residierenden Abgeordnetenhauses gewählt werden sollte, lagen noch spannungsreiche Jahre als Stadtverordnetenvorsteher vor ihm.

Im Sommer des Jahres 1948 bot die SED ihre Anhänger und die Schlägertrupps der FDJ auf, um das Stadtparlament in ihrem Sinne politisch unter Druck zu setzen. Sie organisierte den Sturm auf die im Neuen Stadthaus tagende Stadtverordnetenversammlung. Die von dem Kommunisten Markgraf kommandierte Polizei ließ den Sturm geschehen. Sie bot dem freigewählten Parlament keinen Schutz.

Otto Suhr aber lehnte es konsequent ab, das Parlament unter dem Druck der Straße tagen zu lassen. Er forderte vom sowjetischen Stadtkommandanten Kotikow Maßnahmen, damit das gemäß der Verfassung frei gewählte Parlament ungestört tagen könne. Die sich daraus ergebenden Auseinandersetzungen mit dem sowjetischen Stadtkommandanten trug Otto Suhr regelmäßig in Pressekonferenzen an die Öffentlichkeit. Als die andauernden Übergriffe auf das Stadthaus weitere Parlamentssitzungen im Ostteil der Stadt unmöglich machten, ließ Otto Suhr sich und damit auch dem Parlament nicht den Mund verbieten. Die Stadtverordneten zogen in die alte Mensa der TU in die Westsektoren um.

Während dieser bewegten Zeiten musste Otto Suhr bzw. der Verfassungsausschuss, dem er vorsaß, noch eine wichtige Aufgabe erfüllen: die Erarbeitung der Berliner Verfassung. Bis zu der Verfassung, die von der Berliner Stadtverordnetenversammlung 1948 beschlossen wurde, hatte Berlin keine eigene Verfassung gehabt. Es galt das Groß-Berlin-Gesetz von 1920. Berlin war kein eigenständiges Land gewesen, sondern eine Stadt in Preußen und es galt die Preußische Städteordnung von 1808.

Was brachte die neue, die erste eigene Berliner Verfassung für die Stadt? Otto Suhr weist in seiner Rede, in der er die neue Berliner Verfassung vor den Stadtverordneten vorstellte, darauf hin, dass diese Verfassung ein Ergebnis der realen Verhältnisse von Berlin sei. Sie erfülle die beiden Voraussetzungen, die den modernen Rechtsstaat auszeichnen:
• sie sichert die Grundrechte des Einzelnen gegenüber dem Staat und
• sie legt die Art und Weise fest, wie die Gewalten organisiert werden sollen.

Er zitiert den Vorspruch der Verfassung, der die Zielsetzung hervorhebt: „Freiheit und Recht jedes einzelnen zu schützen, Gemeinschaft und Wirtschaft demokratisch zu ordnen, dem Geiste des sozialen Fortschritts und des Friedens zu dienen.“

Er weist in dieser Rede aber gleichzeitig auch auf die Mängel dieser Verfassung hin, auf ihre dehnbaren Bestimmungen, und erklärt diese Defizite mit der labilen Lage im besetzten Deutschland. Eigentlich hatte die Stadtverordnetenversammlung, die 1946 von der Alliierten Kommandatur aufgefordert worden war, eine Verfassung für Berlin auszuarbeiten, diese bereits im April 1948 beschlossen und sie fristgemäß der Kommandatur zur Genehmigung vorgelegt. Der Auszug der Sowjets aus der Kommandatur und die damit verbundene Spaltung der Stadt hatten jedoch verhindert, dass die Verfassung zu diesem Zeitpunkt in Kraft treten konnte.

In der Zwischenzeit war die Bundesrepublik gegründet und das Grundgesetz verabschiedet worden. Die Stadtverordneten zogen die Konsequenzen aus dieser veränderten Situation und brachten die Verfassung mit einer Generalklausel mit dem Grundgesetz in Übereinstimmung. Diese Generalklausel hatte eine besondere poltische Bedeutung: Sie betonte das Bekenntnis Berlins zur Zugehörigkeit zur Bundesrepublik Deutschland. Diese politische Haltung, die maßgeblich von Ernst Reuter und von Otto Suhr geprägt worden ist, bestimmte den Freiheitskampf der West-Berlinerinnen und der West-Berliner seit der Urabstimmung der Berliner SPD im März 1946 bis zum Fall der Mauer am 9. November 1989. Die Zugehörigkeit des freien Teils Berlins zum Bund war eine der tragenden Säulen der Freiheit der Stadt. Es war das politische, wirtschaftliche und finanzielle Fundament der Existenz der allein nicht lebensfähigen Halbstadt. Die beiden anderen Säulen waren der Viermächtestatus der Stadt und die Anwesenheit der Westalliierten mit ihren Truppen in Berlin.

Zu dem Bekenntnis Berlins, Teil der Bundesrepublik sein zu wollen, gehöre ein Erfolg, den Otto Suhr erreichte: Als erster Regierender Bürgermeister von Berlin wurde er in den turnusmäßigen Wechsel als Bundesratspräsidenten einbezogen. Im Sommer des Jahres 1957 wurde Otto Suhr einstimmig in dieses Amt gewählt. Sein Tod verhinderte, dass es am 1. Oktober zur Amtsübernahme als Bundesratspräsident kam.

In visionärer Voraussicht weist Otto Suhr in der oben genannten Rede zur Verfassung darauf hin, dass Berlin erst eine endgültige Verfassung erhalten würde, wenn alle deutschen Länder in einem Staatsgebäude wiedervereinigt sein werden. 1995 wurde diese engültige Verfassung Berlins durch Volksentscheid angenommen.

In seiner Zeit als Stadtverordnetenvorsteher und als Präsident des Abgeordnetenhauses ist er ein unermüdlicher Wahrer der Rechte des Parlaments gegenüber Regierung und Verwaltung gewesen.
Er bemühte sich, der Bevölkerung die Bedeutung und Funktion des Parlaments verständlich zu machen. Auch die Berlinerinnen und Berliner waren ja keine geborenen Demokraten. Ein großer Teil von ihnen hatte ja gerade noch Hitler und seinen Volksverderbern zugejubelt. Für Otto Suhr war es eine Lebensfrage der deutschen Demokratie, ob es gelingen würde, die parlamentarische Ordnung in das Bewusstsein der Bürger als eine gute und humane Ordnung einbringen zu können.

Otto Suhr war Demokrat aus Überzeugung. Die Erfahrungen, die er in der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und der Nazidiktatur und natürlich in den beiden Weltkriegen gesammelt hatte, hatten in ihm die Überzeugung reifen lassen, dass die Demokratie das einzig akzeptable politische System ist, das die Menschenwürde und die Freiheit garantieren kann. Seit seiner Gymnasialzeit hatte Otto Suhr versucht zu begreifen, wie Demokratie in der differenzierten Massengesellschaft zu verwirklichen sei.

Otto Suhr nahm die Definition von Politik als res publica, als Sache aller, sehr ernst. Er war überzeugt: Ohne Politik geht es nicht. Er sah in politischer Abstinenz und Gleichgültigkeit die Gefahr, dass die Menschen sich in die selbstgewählte Unmündigkeit begeben.

Aber Otto Suhr erkannte auch die in seinen Augen mangelnde politische Erziehung und Tradition der Deutschen. Das war ein Umstand, der in der Geschichte immer wieder dazu geführt hat, dass die Deutschen Demagogen auf den Leim gegangen sind. Deshalb war Otto Suhr der unerschütterlichen Überzeugung, dass die Bürgerinnen und Bürger zur Demokratie erzogen werden müssten.

Otto Suhr hat nach Abschluss seines Studium geschwankt, ob er sich der Politik widmen oder eine akademische Karriere einschlagen solle. Einer seiner Lehrer riet ihm, sein Schwergewicht erst einmal auf politische Fragen zu legen. Er ist diesem Rat gefolgt, nicht zuletzt deshalb, weil er davon überzeugt war, dass der Politikwissenschaftler wissenschaftlich begründete Aufklärung nur dann leisten kann, wenn er von Fragestellungen ausgeht, die der politischen Praxis entnommen sind. So war es nur folgerichtig, dass Otto Suhr im Jahr 1948 in Berlin die Deutsche Hochschule für Politk wieder begründete.

Diese Hochschule, deren erster Präsident in den Zwanzigerjahren übrigens Theodor Heuss gewesen ist, war während der Nazizeit zu einer Parteischule degradiert und nach dem Krieg folgerichtig von den Besatzungsmächten aufgelöst worden. Otto Suhr gelang es mit organisatorischer Tatkraft und seiner umfassenden wissenschaftlichen Begabung, in nur kurzer Zeit die Hochschule für Politik wieder aufzubauen. Als erster Rektor hat er dafür gesorgt, dass vor allem auch Emigranten als Professoren an die Hochschule berufen wurden. Willy Brandt hatte er schon 1948 als Lehrbeauftragten gewonnen, später kamen u.a. Gert von Eynern, Ossip Flechtheim und Ernst Fraenkel dazu, die wir Älteren alle noch vom Otto-Suhr-Institut der 60er Jahre kennen und die in unseren jungen Jahren noch unsere Lehrer gewesen sind.

Er begnügte sich aber nicht damit, seiner Hochschule wieder die Existenz zu ermöglichen, sondern verwandte große Mühe darauf, einen detaillierten Plan für ein eigenständiges Studium der Politologie auszuarbeiten. Natürlich wurde den gewählten Studentenvertretern ein Mitwirkungsrecht  bei der Ausarbeitung der Prüfungsordnung und bei der Aufstellung des Lehrplans eingeräumt. An dieser Hochschule wurde außerdem eine frühe Form des zweiten Bildungsweges praktiziert: Hochbegabte durften hier ohne Abitur, mit sogenannter kleiner Matrikel, studieren. Nach der erfolgreich absolvierten Prüfung nach dem dritten Semester wurden sie dann vollimmatrikuliert. Diese Möglichkeit wurde maßgeblich von Otto Suhr mit auf den Weg gebracht und ist Ausdruck seines Verständnisses von Politikwissenschaft als Demokratiewissenschaft.

Nach dem Tod von Otto Suhr wurde die Deutsche Hochschule für Politik der Freien Universität eingegliedert und in Otto-Suhr-Institut umbenannt.

Otto Suhrs Ehefrau Susanne Suhr hat in einem biographischen Essay über ihn eine Bemerkung über die Generation Otto Suhrs gemacht, die zum Nachdenken veranlasst: „Seine Generation, kurz vor der Jahrhundertwende geboren, war verurteilt, in der frühen Entfaltung und dann wieder in der Höhe ihres Lebens durch Krieg und Diktatur gewaltsam aus der Bahn geworfen zu werden, um dann als 50jährige die Führung zu übernehmen und unter schwierigsten Bedingungen die schwierigsten Leistungen erfüllen zu müssen.“

Sie sieht in dem Schicksal dieser Generation im allgemeinen, aber auch in der unglaublichen Fülle von Aufgaben und Ämtern ihres Mannes im besonderen den Grund dafür, dass seine Kräfte vorzeitig aufgezehrt wurden. In einer seiner letzten Ansprachen, schon vom Tod gezeichnet, zitierte Otto Suhr ein kurzes Gedicht von Goethe, das dieser mit „Hoffnung“ betitelt hat: „Schaff, das Tagwerk meiner Hände,
Hohes Glück daß ich’s vollende!
Laß, o laß mich nicht ermatten!
Nein, es sind nicht leere Träume:
Jetzt nur Stangen, diese Bäume
Geben einst noch Frucht und Schatten.“

Als Otto Suhr dieses Gedicht zitierte, wusste er nur allzu gut, dass es ihm nicht vergönnt sein würde, das Tagwerk seiner Hände zu vollenden. Aber bis zum Ende seines Lebens blieb er davon überzeugt, dass der Aufbau einer stabilen Demokratie in Deutschland und Berlin keine Utopie gewesen war. Er starb im Vertrauen darauf, dass die Demokratie in Deutschland auch für diejenigen soziale Gerechtigkeit und geistige Freiheit bereit halten würde, die auf der Schattenseite des Lebens geboren wurden.

Otto Suhr war ein Feind von Phrasen und von falschem Pathos. So hätte er es wahrscheinlich missbilligt, wenn man von seinem Leben als von „einem Leben für die Demokratie“ gesprochen hätte. Das aber war sein Leben. Wir dürfen stolz und froh darüber sein, dass wir in seiner politischen Tradition stehen, als Sozialdemokraten und als Politiker, die für den demokratischen Sozialismus kämpfen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Menschen wie Louise Schröder, Ernst Reuter und Otto Suhr Demokratie und Freiheit in der Berliner Nachkriegsgeschichte erkämpft haben.

Heute ist es unsere Aufgabe, Demokratie und Freiheit zu verteidigen und zu bewahren, wo immer und wie immer sie bedroht sind. Und ein Fundament von Freiheit und Demokratie ist die soziale und gerechte Gesellschaft. Und von sozialer Gerechtigkeit sind wir auch nach fast 150 Jahren Kampf der Arbeiterbewegung noch meilenweit entfernt. Manches ist ja von ganz langlebiger Aktualität. Im November 1946 schrieb Otto Suhr einen Artikel im „Sozialistischen Jahrhundert“ über den Sozialismus. Am Schluss dieses Artikels setzte er sich ab von dem Zitat aus dem Kommunistischen Manifest „Ein Gespenst geht um in Europa, das heißt Kommunismus“. Er setzte den heute noch hochaktuellen Satz dagegen: „Eine Hoffnung geht um in Europa, sie heißt demokratischer Sozialismus.“

In diesem Sinne!



 

Prof. Dr. Otto Suhr - Ein Weddinger Abgeordneter der Sozialdemokraten

von Horst Löwe
(erschienen zum 40. Todestag 1997)

Als er vor vierzig Jahren starb, verlor die Berliner SPD ihre dritte überragende Führungspersönlichkeit, die in schwerster Zeit die Geschicke dieser Stadt entscheidend beeinflusst hat. Ganz Berlin trauerte mit uns um diesen Mann. Er war eigentlich kein Berliner, aber Berlin hat ihm viel zu verdanken. Er war erst recht kein Weddinger, dennoch wurde der Wedding seine politische Heimat. Er war ganz sicher kein Volkstribun, man sagte er sei nicht eigentlich populär gewesen und dennoch hinterließ sein Tod eine tiefe Trauer bei allen Berlinern. Auch vierzig Jahre danach lebt er noch in seinen Werken.

Wer war der Mensch, von dem so Widersprüchliches ausgesagt wird? Otto Suhr stammte aus Oldenburg. Seine Aussprache hat es nie verleugnet, er hat es beim Sprechen deutlich betont. Am 17. August 1894 wurde er in Oldenburg geboren. Sein bürgerliches Elternhaus gab ihm eine besondere Prägung. Es gab keinen anderen Politiker, der stets so sorgfältig gekleidet war, wie er. Unter den führenden Gewerkschaftern war er der Aristokrat. Niemand konnte, wie er, in bestem Deutsch so klar und verständlich sprechen, dass der Text anschließend ohne Korrektur gedruckt werden konnte. Es war eine Freude, für ihn Parlamentstenograf zu sein.

Wenn er seine Gedanken, über die Köpfe der Zuhörer hinweg schauend, logisch entwickelte, wirkte er irgendwie distanziert. Otto Suhr trug sein Herz nicht zur Schau und auch nicht auf der Zunge. Obwohl er den üblichen Vorstellungen von einem Arbeiterführer in keiner Weise entsprach, gehörte sein Herz der Arbeiterschaft, der er treu und leidenschaftlich diente. Die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie waren ihm Heimat und Aufgabe. In ihnen sah er die Organisationen, die den politischen Fortschritt und die Befreiung des Menschen von den ökonomischen Zwängen verwirklichen können. Seinen ersten Lehrauftrag erhielt er von dem großen Arbeiterführer Carl Legien. Wer solche Ideen vertrat, Mitarbeiter in Gewerkschaftsorganisationen, außerdem noch Lehrer an Gewerkschaftsschulen und darüber hinaus noch Lehrbeauftragter der Hochschule für Politik in Berlin war, der wurde 1933 zwangsläufig arbeitslos.

Otto Suhr schlug sich als freier Volkswirt und unter einem Pseudonym gemeinsam mit Theodor Heuß, mit dem er schon an der Hochschule für Politik zusammengearbeitet hatte, als Schriftsteller bei der liberalen „Frankfurter Zeitung“ durchs Leben. Seine frühere Tätigkeit in Kassel als Pressereferent bei dem Oberpräsidenten Dr. Schwander erleichterte ihm den Übergang. Seine entscheidende Prägung erhielt er aber von dem Ressortleiter Albert Oeser. Der große Oeser, ein Journalist von Weltruf, war ihm Leitbild und Lehrmeister. Von dieser Zeit an war ihm journalistische Schludrigkeit verhasst. In der Nische der Wirtschaftsberichterstattung konnte er unauffällig bleiben. Er war vom Wehrdienst ausgeschlossen. Als Verbindungsmann zu verschiedenen Widerstandsgruppen entzog er sich seiner Verhaftung durch rechtzeitige Flucht. So überlebte er das „Tausendjährige Reich“.

Nach dem Zusammenbruch diente Otto Suhr seiner Wahlheimat Berlin mit aller Kraft und allen Fasern seines Herzens. Dienen ist wohl der zutreffendste Ausdruck für seine selbstlose Pflichterfüllung. Er war einer der ersten, als die Berliner Sozialdemokratie sich wieder traf und stand als ehrenamtlicher Generalssekretär der SPD an vorderster Front im erfolgreichen Kampf gegen die Zwangsverschmelzung mit den Kommunisten. Als Hauptabteilungsleiter in der deutschen Zentralverwaltung der Industrie in der sowjetischen Besatzungszone von Oktober 1945 bis März 1946 wusste er aus eigener Anschauung, was es heißt, Sozialdemokrat im kommunistischen Machtbereich zu sein. Im ersten Heft der von Ihm herausgegebenen Zeitschrift, Das sozialistische Jahrhundert, schrieb er in einem grundlegenden Beitrag: Nur wo Sicherheit und Freiheit miteinander verbunden sind, herrscht auch Gerechtigkeit, nur da sind die Voraussetzungen für eine Demokratie gegeben. Am 1. April 1946 wurde er ehrenamtlicher Generalssekretär der Berliner SPD. So konnte er die neue Organisation nach der Spaltung wieder nach dem Statut aufbauen, das er selbst entwickelt und unter großem Beifall in den Festsälen am Zoo vorgetragen hat.

Nach der ersten freien Wahl wurde er Stadtverordnetenvorsteher und 1950 Präsident des Abgeordnetenhauses. In den schweren Jahren nach dem Kriege trug er, gemeinsam mit Louise Schroeder und Ernst Reuter, die Last der politischen Verantwortung für unsere Stadt. Mit seinen Erfahrungen half er Louise Schroeder, unerquickliche Auseinandersetzungen mit der SED und ihren sowjetischen Helfern zu ersparen. Arno Scholz schilderte die gute Zusammenarbeit so: Wer nicht vor Louise Schroeders Herzensgüte kapitulierte, der erlag dem immer wieder zäh bohrenden Drängen Otto Suhrs. Die gute Zusammenarbeit mit Ernst Reuter bewährte sich, als sie gemeinsam die härteste Epoche Berlins, die Blockade, meisterten.

Mit bewundernswerter Gradlinigkeit hat er das Gesicht dieses Parlaments gestaltet und durch seine integere Haltung die Achtung aller gewonnen. Unvergessen ist sein Mut, mit dem er am 23. März 1948 dem Versuch der Sowjets entgegentrat, den frei gewählten Volksvertretern einen Maulkorb umzuhängen: „Ich lehne es ab, als Büttel einer Besatzungsmacht zu fungieren, noch bin ich gewillt, Zensor der gewählten Abgeordneten zu werden.“ In den stürmischen Parlamentssitzungen vor der Spaltung Berlins und zu Beginn der sowjetischen Blockade 1948 rang er im neuen Stadthaus in Ostberlin mit den randalierenden Kommunisten buchstäblich um die Behauptung der Unabhängigkeit unserer Stadt und die Möglichkeit wenigstens für einen Teil Berlins das Fundament für eine feie Kommunalverwaltung zu legen.

Otto Suhr war auch Vorsitzender des Hauptausschusses und damit Herr über den Etat. In dieser Eigenschaft lernte ich ihn zum ersten Mal näher kennen. Es war schon spät am Abend, nach einer langen Plenarsitzung. Ich konnte mich in sein Büro durchschmuggeln und dabei den Wunsch der Studentenschaft der Beuth-Schule vortragen, Geld für den Kauf von Dachpappe und Nägeln für die Wiederherstellung des Gebäudes am Zeppelinplatz durch eigene Aufbauleistung zu bekommen. Er hörte interessiert zu. Wenn ihm eine Sache einleuchtete, half er, sie zu verwirklichen. In dieser Zeit wurde noch sehr viel improvisiert und Stundenvertreter hatten außerdem einen größeren politischen Einfluss als heute. Die Eigeninitiative wurde von ihm anerkannt und die Ausgabe im Haushalt fixiert. Damals war zwar noch kein Gedanke daran, dass er einmal Abgeordneter des Wedding würde, aber er legte mit dieser Entscheidung den Grundstein für die Entwicklung zur Technischen Fachhochschule mit Standort im Wedding.

Im Dezember 1948 erfüllte sich sein Herzenswunsch, die Deutsche Hochschule für Politik erstand wieder und er war Mitbegründer und ihr erster Direktor nach dem zweiten Weltkrieg. So konnte er auch weiterhin Politik und Wissenschaft miteinander verbinden. Am 1. April 1953 berief ihn die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Freien Universität als Honorarprofessor. Diese Aufgabe konnte er übernehmen, nachdem er sein Bundestagsmandat, das er von 1949 bis 1952 inne hatte, aufgeben konnte. Inzwischen war Berlin fest an die Bundesrepublik angebunden worden.

Die neue Berliner Verfassung, an der er kräftig mitgewirkt hatte, war Teil dieser Bindung. Das Land Berlin hatte nun Abgeordnete mit spezieller Bindung an einen Wahlkreis und damit auch an einen Bezirk. Er wurde Spitzenkandidat der Weddinger SPD und blieb bis zu seinem Tod Weddinger Abgeordneter. Manchem war er nicht auffällig genug, weil er sein Mandat nicht als eine Aufforderung zum Reden, sonder eher als eine Aufforderung zum Handeln für alle Weddinger auffasste. Der Wedding, mit seinen klaren Mehrheitsverhältnissen, konnte sich die Besten als Kandidaten aussuchen. So kam es, dass später eine Weile sowohl der Regierende Bürgermeister, als auch der Parlamentspräsident Weddinger Abgeordnete waren. Zunächst wurde Otto Suhr Präsident des Abgeordnetenhauses und blieb es, bis er nach dem Tod von Ernst Reuter, selbst schon von schwerer Krankheit gekennzeichnet, die Bürde des Regierenden Bürgermeisters aus sich nehmen musste.

Er war dem Wedding nicht nur als Abgeordneter eng verbunden, er besuchte ihn auch, so oft er konnte, in offizieller Funktion. Das letzte Mal nahm er die konstituierende Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung am 20.01.1955 zum Anlass, den Bezirk zu besuchen und zu den Bezirksverordneten zu sprechen. Wer Otto Suhr an diesem Tag von Nahem sah, war tief erschrocken, so sehr hatte die Krankheit ihre Spuren in sein Gesicht geprägt. Aber sein Pflichtbewusstsein ließ ihn immer wieder der Krankheit trotzen. Am 19. Juli 1957 fuhr er noch nach Bonn, weil ihn der Bundestag zu seinem Präsidenten wählte. Am 7. September sollte er dieses Amt übernehmen. Dazu kam er nicht mehr, die Hodgkinsche Krankheit führte zu einem plötzlichen Kräftezerfall und besiegte ihn am 30. August. Nun sprach er nicht mehr selbst zu seinen Weddingern, aber sein Freund und enger Weggenosse, Professor Dr. Gert von Eynern, ließ in seiner Gedenkrede in der Bezirksverordnetenversammlung am 6. September 1957 das Bild des Wissenschaftlers, Journalisten und Gelehrten noch einmal aufleben und jeder spürte, welchen Menschen wir verloren hatten.


 

 
Otto Suhr: Im Schatten von Ernst Reuter und Willy Brandt
Biographie über einen demokratischen Fundamentalisten

Sein Vorgänger, aber auch sein Nachfolger haben das Bild Berlins nach außen geprägt. Ernst Reuter dramatischer Appell an die Völker der Welt ist ebenso unvergessen wie Willy Brandts Berliner Regierungszeit. Zwischen diesen beiden stand ein Mann an der Spitze der Stadt, den der Hamburger Journalist Gunter Lange jetzt mit einer Biographie aus dem Schatten von Ernst Reuter und Willy Brandt holt Otto Suhr.

„Fraglos ist die Persönlichkeit Otto Suhrs glanzloser als es die Reuters war“, urteilte der Klaus Bölling im Sommer 1955 in „Christ und Welt“ über den Berliner „Regierenden“. Ehefrau Susanne Suhr sieht das Leben ihres Mannes vor allem durch die zwei Kriege geprägt, die ihn einmal in der Jugend, das andere Mal auf der Höhe seines Lebens aus der Bahn warfen. Mit 50 Jahren sah sich Suhr vor die Aufgabe gestellt, die Führung zu übernehmen und „unter den schwierigsten Bedingungen die schwierigsten Leistungen“ zu erbringen.“

Suhr hat die Berlinerinnen und Berliner nicht mitgerissen, dazu war er zu kühl, zu sehr auf Distanz bedacht. Seine Stärken, das macht Gunter Lange in der ersten größeren Biographie über Suhr deutlich, lagen in seiner souveränen Verhandlungsführung im Berliner Parlament, in seiner fachlichen Kompetenz in schwierigen Verfassungsfragen, in seiner politischen Vorbildfunktion und Lehrtätigkeit.

1894 wurde Suhr in Oldenburg geboren, schon als Student fand er 1919 zur Sozialdemokratie. 1923 promovierte er. Sein Thema: „Die berufsständische Verfassungsbewegung in Deutschland bis zur Revolution von 1848“. Es wird keine historische, eher eine politologische Abhandlung, die sich mit den Wirkungen der unterschiedlichen gesellschaftlichen Kräfte befasst. „Nicht Systemveränderung – soziale Reformen werden Otto Suhrs politisches Leitmotiv“, stellt Gunter Lange fest.

Suhr beginnt 1922 als politischer Sekretär beim Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund, er gilt als der erste angestellte Akademiker der Gewerkschafter in der Weimarer Republik. Eines seiner Hauptbetätigungsfelder wird die Arbeiterbildung. Drei Jahre später wechselte er als wirtschaftspolitischer Referent zum AfA-Bund, der sozialdemokratisch orientierten Angestelltenorganisation, nach Berlin. In der sich verschärfenden wirtschaftlichen Krise wächst Suhrs Kritik an der „Planlosigkeit des Kapitalismus“. Er setzt sich für eine soziale Abfederung der Folgen für die Beschäftigten ein, fordert aber darüber hinaus eine „planmäßige Neuordnung der Wirtschaft“. Die Chance dazu kommt nicht mehr. Während der ADGB sich 1933 zunächst auf die neuen Machtverhältnisse einstellt und auf Distanz zur SPD ging, läst sich Suhrs AfA-Bund selbst auf. Die Nazizeit übersteht Suhr als Wirtschaftskorrespondent der Frankfurter Zeitung.

Im Nachkriegs-Berlin wird Suhr Generalsekretär der SPD, führ die Berliner Partei erfolgreich in die erste freie Wahl, widersetzt sich vehement der Zwangsvereinigung mit der KPD. Bis 1954 ist er Stadtverordnetenvorsteher.

Gunter Lange zeichnet detail- und kenntnisreich das Bild eines aufrechten, ehrlichen und mutigen Mannes, er sich etwa als Stadtverordnetenvorsteher  den Eingriffen der sowjetischen Besatzungsmacht in die parlamentarische Arbeit widersetzt. Nach dem Tod Reuters kommt zunächst CDU-Kandidat Walter Schreiber zum Zuge, 1954 löst Suhr ihn ab, setzt Willy Brandt gegen innparteiliche Widerstände als seinen Nachfolger im Präsidium des Abgeordnetenhauses durch. Suhr selbst wird zum, so Gunter Lange, „glänzenden Administrator“, auch wenn er nicht die charismatische politische Leitfigur für die Berliner wird. Als „ personifizierte Synthese von Politik und Wissenschaft“ beschreibt Gunter Lange den Berliner Sozialdemokraten, der maßgeblichen Anteil an der Wiedererrichtung der „Deutschen Hochschule für Politik“, dem Vorläufer des Otto-Suhr-Instituts, hatte. 1955 verschiedete sich Suhr von der Hochschullehrertätigkeit, um sein Amt als Regierender  Bürgermeister anzutreten, 1957 stirbt er. Sein politisches Vermächtnis kann er selbst nicht mehr formulieren. In Gunter Langes Biographie wird es jetzt deutlich.

 (aus: Berliner Stimme, 11. Februar 1995)