Staegemann, Pauline

Geschichte: Personen L-Z

Pauline Staegemann

geboren 1838 im Oderbruch
gestorben am 5. Mai 1909

Pauline Staegemann arbeitete als Dienstmädchen. Zusammen mit den Berliner Arbeiterfrauen Berta Hahn und Johanna Schackow gründetet sie am 28. Febr. 1873 die erste sozialdemokratische Frauenorganisation, den "Berliner Arbeiterfrauen- und Mädchenverein". Die Lage des weiblichen Geschlechts könne nur durch eine vollständige soziale Umwälzung der Gesellschaft verbessert werden, lautete ihre Erkenntnis.
Anfang 1885 gehört Pauline Staegemann zusammen mit Emma Ihrer zur Leitung des von Gertrud Guillaume-Schack in Berlin gegründeten "Vereins zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen". Zu seinen Aufgaben zählt der Verein u.a. die Hebung der geistigen und materiellen Interessen der Mitglieder. Dem Verein dürfen laut Statut nur "Frauen und Mädchen" angehören. Männer sind zu den Vereinsversammlungen nicht zugelassen. Den Frauen geht es um die Regelung der Lohnverhältnisse, gegenseitige Unterstützung bei Lohnstreitigkeiten, Aufklärung durch fachgewerbliche und wissenschaftliche Vorträge, die Beschaffung einer Bibliothek, die Pflege der Kollegialität durch gesellige Zusammenkünfte und die Errichtung eines Arbeitsnachweises. Als der Zoll auf englisches Nähgarn, das die Arbeiterinnen selbst bezahlen mußten, erhöht werden soll, gelingt es dem Verein, dies durch eine Petition mit Tausenden von Unterschriften aus ganz Deutschland, die "allen Fraktionen zur Befürwortung überreicht" werden, zu verhindern.
Frauen, die in der Wäschefabrikation und der Konfektionsbranche tätig sind, müssen zu dieser Zeit die Arbeitsmaterialien durch den Arbeitgeber zu häufig stark überhöhten Preisen beziehen. Am 8. Mai 1885 nimmt der Verein deshalb eine Resolution an, mit der der Reichskanzler ersucht wird, über die Lohnverhältnisse der Arbeiterinnen in diesen Branchen sowie über den Verkauf oder die Lieferung von Arbeitsmaterial, etwa der Nähfaden, seitens der Arbeitgeber an die Arbeiterinnen und über die Höhe der dabei berechneten Preise Ermittlungen zu veranlassen und dem Reichstage über das Ergebnis in der nächsten Session Mitteilung zu machen. Das Ergebnis dieser Untersuchung wird zwar im April 1887 dem Reichstag vorgelegt, bleibt aber folgenlos. Erst im Frühjahr 1896 wird während des Konfektionsarbeiterinnenstreiks darüber erneut im Reichstag debattiert und man erinnert man sich an jenen Beschluß. Der § 115 der Gewerbeordnung wird entsprechend geändert, damit die Verabfolgung von Arbeitsmaterial durch den Arbeitgeber künftig nur zu den ortsüblichen und nicht zu überhöhten Preisen an die Arbeiterinnen erfolgen darf.

Pauline Staegemann ist die Urgroßmutter von Jutta Limbach, der ersten Frau an der Spitze des Bundesverfassungsgerichts.

Recherche: U. Horb, 2-2003

Quellen: Friedrich-Ebert-Stiftung http://library.fes.de/fulltext/bibliothek/chronik/spdc_band1.html
http://library.fes.de/cgi-bin/populo/spdc.pl?f_PER=staegemann,+pauline&t_full=x