Spruch, Günter

Geschichte: Personen L-Z

Günter Spruch

geboren am 26.4.1908
gestorben am 6.9.1985

Trauer um Günter Spruch
Ein gradliniger Politiker

Am. 6 September ist Günter Spruch in Bad Harzburg verstorben. Am 26. 4. 1908 in Schlesien geboren, gehörte er schon frühzeitig zu jenen unbequemen Sozialdemokraten, die sich um den Ausgleich mit dem Osten bemühten. In der Partei war seine politische Heimat die „berühmte“ Charlottenburger Abteilung 5, jener Bereich zwischen Stuttgarter Platz und Lietzensee.
In den lebendigen Diskussionen jener Jahre stand er für Themen, die die sozialdemokratische Linke für diskussions- und lösungsbedürftig hielt. Dennoch erinnern ihn auch seine Gegner in der SPD – bei allen leidenschaftlichen Auseinandersetzungen – als einen Mann, der sanft in der Art, aber hart in der Sache war. Sein weltläufiges Wesen machte ihn zu einem hervorragenden Repräsentanten des Bezirks Charlottenburg.
Er war der vorerst letzte sozialdemokratische Bürgermeister des City-Bezirks. Sein Herz schlug für Kunst und Kultur. Insbesondere jenen Künstlerinnen und Künstlern fühlte er sich verbunden, die nicht ganz vorn im Rampenlicht standen. Der Verfolgte des Naziregimes engagierte sich auch als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten. Wie er gestern gegen braune Diktatur Partei ergriffen hatte, nahm er im Eisenbahnstreik eindeutig gegen die orte Willkür Stellung.
Ein gradliniger Mann ist von uns gegangen, ich persönlich werde auf einen Rat verzichten müssen. Wenn wir jetzt Abschied nehmen, versichern wir der Familie, dass wir uns in der Trauer um Günter Spruch ihr solidarisch verbunden fühlen.
Jürgen Egert

aus: Berliner Stimme 14. September 1985

Recherche:  Andrej Kasim