Simonsohn, Erna

Geschichte: Personen L-Z

Erna Simonsohn

Eine der Stillen im Lande war Erna Simonsohn. Hinter ihrer Zurückhaltung versteckten sich ein großes Wissen und eine beispielhafte Herzensbildung. Sie entstammte der sozialdemokratisch geprägten Familie Keil; ihre Brüder haben, jeder für sich, nach 1945 ein Stück Parteigeschichte geschrieben. Während des Dritten Reiches versuchte sie, ihren jüdischen Mann mit allen Mitteln vor den Zugriff der Nazis zu schützen. Aber die Torturen, die er dennoch erleiden musste, waren wohl für ihn zu viel, er zerbrach bald nach der Befreiung und ließ Frau und Tochter fast mittellos zurück. Erich Lück setzte sich sehr dafür ein, dass sie einige Zeit im Kreisbüro arbeiten konnte. Eine so ruhige und lebenskluge Frau wie Erna Simonsohn war für dieses Büro eine echte Bereicherung. Als Spitzenkandidatin der SPD wurde sie in die Bezirksverordnetenversammlung gewählt. Das Protokoll der BW vom 18.11.1971 überliefert folgende Abschiedsworte: "Unser Beileid gilt der sozialdemokratischen Fraktion, deren Spitzenkandidatin sie war. Der Vorstand hat eine kluge Ratgeberin verloren. Dem Frauenforum wird eine engagierte Verfechterin sehr fehlen. Frau Sirnonsohn war aus Tradition und Überzeugung Sozialistin. Sie durchlitt freiwillig ein finsteres Kapitel jüngster jüdischer Geschichte. Obwohl sie es selbst nie in Anspruch nahm. Sie gehörte zur Vielzahl der unbesungenen Helden, für die sie eintrat, um sie nicht der Vergessenheit anheim fallen zu lassen. So war es ihr vergönnt, für uns eine glaubwürdige Mittlerin zu unseren jüdischen Mitbürgern zu sein. Unsere Partnergemeinden, die alle ihren Einsatz für eine gute Sache aus eigenem Erleben kennen, haben uns wissen lassen, dass sie unsere Trauer mitempfinden."