Sickert, Walter

Geschichte: Personen L-Z

Walter Sickert

geb. 2. Februar 1919 in Hamburg; gest. 21. Februar 2013 in Berlin.

Walter Sickert wurde 1919 als Sohn des Schlossers Emil Sickert und von Katharina Sickert (geb. Huberthy) geboren. Nach der Volksschule machte er eine Ausbildung zum Schlosser und Maschinenbauer, wurde dann Maschinist in der Handels- und Kriegsmarine. Entlassen aus britischer Kriegsgefangenschaft nahm er 1946 eine Tätigkeit  bei der Berliner Polizei auf. Von 1948 an war er als Schlosser und Rohrleger für die Wohnungsbaugesellschaft Gehag tätig. Dort war er zuletzt Betriebsratsvorsitzender. Parallel besuchte er ab 1948 Volkshochschulen und mehrere Bundesschulen des DGB für Arbeits- und Sozialrecht. 1949 wurde er zum Arbeits- und Sozialrichter berufen, später zum Landesarbeits- und Landessozialrichter. 1957 wurde er als Bundesarbeitsrichter an das Bundesarbeitsgericht in Kassel berufen.

Seit  1933  hatte Sickert dem Deutschen Metallarbeiterverband angehört. Auch nach dem Krieg engagierte er sich wieder gewerkschaftlich. Ab 1950 war Walter Sickert Mitglied im Vorstand der IG Bau-Steine-Erden Berlin, 1954 wurde er ehrenamtlicher Vorsitzender der Gewerkschaft und ein Jahr später hauptamtlicher Geschäftsführer IG Bau-Steine-Erden Berlin, Im Februar 1960 wurde er zum Vorsitzenden des DGB-Landesbezirks Berlin gewählt , eine Funktion, die er  22 Jahre inne hatte.

1948 war Walter Sickert in die  SPD eingetreten, 1960 wurde er Mitglied des Landesvorstands, von 1967 bis 1982 war er Beisitzer im Landesvorstand.  Im Februar 1963 zog er erstmals in das Abgeordnetenhaus von Berlin ein, bereits ein Jahr später wählte ihn die Fraktion zum stellvertretenden Vorsitzenden. Dieses Amt legte er nieder, als er am 6. April 1967  zum Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses gewählt wurde. Nach der Wahl 1975, bei der die SPD nicht mehr stärkste Fraktion wurde, fiel das Vorschlagsrecht für dieses Amt an die CDU. Sickert übernahm sechs Jahre das Amt eines Vizepräsidenten. 1981 kandidierte er nicht erneut für das Abgeordnetenhaus. 

1986 wurde ihm für seine Verdienste um Berlin die Würde eines Stadtältesten verliehen.

Nachdem die Berliner SPD nach der Wahl 2001 eine Koalition mit der PDS eingegangen war, trat Sickert zum 31. Januar 2002 aus der SPD aus. Zum 1. Januar 2012 trat er ihr wieder bei. 

 

Klaus Wowereit: Trauer um Walter Sickert

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hat mit Trauer auf den Tod des früheren Präsidenten des Abgeordnetenhauses und Stadtältesten von Berlin, Walter Sickert, reagiert. In seiner Erklärung heißt es: „Berlin trauert um den Gewerkschafter und Politiker Walter Sickert. Er war eine prägende Gestalt der Berliner Politik seit 1950. Unvergessen bleiben seine Verdienste um die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Sickert setzte sich für einen offenen und direkten politischen Diskurs ein. Er war eine Institution in der geteilten Stadt und gestaltete die Politik maßgeblich mit. Berlin hat ihm viel zu verdanken. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.“

(Nachruf  vom 21.2.2013)