Seebacher, Brigitte

Geschichte: Personen L-Z

Brigitte Seebacher

Am 23. September 1946 wurde Brigitte Seebacher in Twistringen (Niedersachsen) geboren. 1972 beendete sie in Berlin ihr Studium mit dem Magister im Fach Germanistik. Als 25jährige Frau – durchaus ungewöhnlich in den frühen 70er Jahren – übernahm Brigitte Seebacher die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Kurt-Schumacher-Haus der SPD in Berlin.

In der Berliner Stimme vom 16. 10. 1971 stellte sie sich als neue Abteilungsleiterin und eine der "Drei Säulen der Berliner SPD" vor:

"Brigitte Seebacher, Bremerin, seit dem vergangenen Sonntag mit besonderer Überzeugung, und 25 Jahre alt. Seit 1967 Studium der Germanistik und Geschichte an der FU, mit jeweils einsemestrigen 'Ausflügen' nach Bonn bzw. Köln. Sie schreibt zur Zeit (als Freizeitbeschäftigung) ihre Magisterarbeit über ein literatur-soziologisches Thema aus der spätmittelalterlichen Didaktik (!). Während des Studiums war sie mehrere Semester als wissenschaftliche Hilfsassistentin und Tutor tätig. Mitglied der SPD seit 1965. Die Ummeldung von Bremen in den Berliner Landesverband erfolgte jedoch erst im vergangenen Jahr. Von Abteilungsfunktionen abgesehen gegenwärtig Kreisdeligierte und Mitglied im geschäftsführenden Kreisvorstand Charlottenburg. Volontariate bei Radio Bremen und dem SFB; Mitarbeit bei der 'Berliner Stimme' seit Anfang des Jahres, wo sie in den Sommermonaten 'hauptamtlich' gearbeitet hat."

Bis 1977 war Brigitte Seebacher Redakteurin und Chefredakteurin der "Berliner Stimme". In der Pressestelle des Berliner SPD-Vorstands beginnt 1978 Seebachers Zusammenarbeit mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Willy Brandt. Die 32jährige schrieb Reden für Brandt, sie organisierte seine Termine und begleitete ihn auf Reisen. 1980 ließ sich Brandt nach über 30 Ehejahren von seiner Frau Rut Brandt scheiden und lebte fortan mit Brigitte Seebacher zusammen. Sie heirateten 1983 und lebten bis zu Brandts Tod 1992 in Unkel (Rheinland-Pfalz) zusammen. 1984 promovierte Seebacher und arbeitete zwischen 1989 und 1994 für die FAZ und das Bayerische Fernsehen.

Von einer "Säule der Berliner SPD" wurde Brigitte Seebacher mehr und mehr zu einer umstrittenen Figur in der SPD. Spätestens seit ihrem Buch "Die Linke und die Einheit" von 1991, in dem sie der deutschen Sozialdemokratie eine unangemessene Nähe zu sozialistischen Regimen vorwarf, war das Verhältnis zur Partei gespannt. Nach 30 Jahren Parteimitgliedschaft trat Seebacher 1995 aus der SPD aus. Von 1995 bis 2000 leitete Seebacher die Abteilung Kultur und Gesellschaft der Deutschen Bank AG in Frankfurt. Im Jahr 2003 heiratete Brigitte Seebacher den frühren Chef der Deutschen Bank Hilmar Kopper. Seit 2002 hat sie einen Lehrauftrag am Seminar für Politische Wissenschaft der Universität Bonn.

Neue Aufmerksamkeit erlangte Brigitte Seebacher mit ihrer 2004 erschienen Biografie "Willy Brandt". Anders als viele früheren Veröffentlichungen, beispielsweise ihre Promotion "Ollenhauer. Biedermann und Patriot" von 1984 oder die August-Bebel-Biographie "Bebel. Künder und Kärrner im Kaiserreich" von 1990, gab es für ihre Brandt-Biografie kaum positives Echo. Mindestens zwiespältige, manchmal sogar empörte Kommentare folgten auf dieses Buch. In der Presse wurde bemängelt, das Portrait Brandts wirke viel zu konservativ und national. Als unangemessen empfanden viele die abwertenden Formulierungen, mit denen Seebacher einstige politische Weggefährten Willi Brandts bedachte. Insbesondere aber Spekulationen, nach denen ein Kaffee-und-Kuchen-Komplott des damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner mit dem Staatschef der DDR Erich Honecker in Ostberlin zum Sturz des Bundeskanzlers Brandt führte, überzeugte die Mehrzahl der Kommentatoren nicht. So schrieb beispielsweise Christian Kind in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 16. Juli 2004, dass die promovierte Historikerin in einem "Kapitel voller Vermutungen und Andeutungen" am Ende "die Beweise jedoch schuldig bleiben" musste. Wie auch Gunter Hofmann in "DIE ZEIT" vom 27. Mai 2004 konnten die meisten Rezensenten den Andeutungen nichts "Neues oder Belegbares oder auch nur Logisches" abgewinnen.

Gilbert Dietrich (August 2004)