Schwedler, Rolf

Geschichte: Personen L-Z

Rolf Schwedler

Rolf Schwedler, geboren am 25.03.1914 in Berlin, war von 1955 bis 1972 Senator für das Bau- und Wohnungswesen in Berlin. Als dienstältester Senator bestimmte er das Stadtbild Berlins in der Nachkriegszeit entscheidend. In seiner Dienstzeit entstanden 400 000 Wohnungen, neue Straßen und U-Bahn-Strecken, aber auch Grünanlagen.
„Rolf Schwedler wusste aber auch, dass die Stadt Glanzpunkte selbst in einer Zeit brauchte, in der es scheinbar nur um Überleben ging. So sorgte er schon frühzeitig für den Wiederaufbau des Schlosses Charlottenburg, initiierte die „Interbau“ im Hansaviertel, Berlins erste große internationale Bauausstellung nach dem Kriege, und sorgte durch seinen Einsatz dafür, daß der Kemperplatz schon heute ein neues kulturelles Zentrum unserer Stadt ist.“, schreibt Rolf Heyen anlässlich des 50. Geburtstages von Rolf Schwedler in der Berliner Stimme.
Nach einem Studium der Ingenieurswissenschaften an der Technischen Hochschule in Berlin fing er 1945 im Magistratsrat von Groß-Berlin seine Tätigkeit als Bauherr an. 1947 gehörte er der Berliner Bauverwaltung an. Bereits 1950 wurde er von Ernst Reuter zum Magistratsdirektor berufen, dem Senat gehörte er seit 1955 an.
Auch politisch engagierte sich Rolf Schwedler ein: Gemeinsam mit Walter Nicklitz gründete er die Betriebsgruppe der SPD und nahm an den entscheidenden Auseinandersetzungen mit der SED teil. Seit 1961 war er Mitglied des Landesvorstandes der SPD.
Von 1972 bis 1976 gehörte er dem Deutschen Bundestag als Berliner Abgeordneter an.
1974 war er in die so genannte „Kreisel-Affäre“ verstrickt: Als die Architektin Sigrid Kressmann-Zschach ein hohes Turmgebäude – den Steglitzer Kreisel – vorstellte, beschloss Berlin sich an den Kosten zu beteiligen. Im April 1974 musste die Architektin Konkurs anmelden. Ein Untersuchungsausschuss fand heraus, dass insbesondere der Finanzsenator Heinz Striek und Bausenator Rolf Schwedler der Architektin zu sehr vertraut hatten. „Diese Lehre wird in Zukunft jede Regierung beherzigen müssen; sie wird in einem erheblichen Umfang die Legitimation geben, selbst bei drängenden Entscheidungen zurückhaltend zu sein, weil Entscheidungsfreude und Beachtung der öffentlichen Meinung im Entscheidungszeitpunkt später nicht honoriert werden.“, schreibt der damalige Senator Klaus Reibschläger in seinem Buch „Vor Ort. Blicke in die Berliner Politik.“
Nichts desto trotz wurde dem Bausenator wegen langjähriger Verdienste ein Ehrengrab auf dem Städtischen Friedhof Wilmersdorf gesetzt.
Viele seiner Bauten werden in der heutigen Zeit kritisch gesehen. Es dürfen allerdings nicht die Bedingungen der damaligen Zeit vergessen werden. „Er wusste, auf was es den Berlinern der Zeit des größten Nachholbedarfs nach der Kriegsphase mit ihren furchtbaren Zerstörungen am meisten ankam: Wohnungen“ schrieb Peter Ulrich in seinem Artikel zu Rolf Schwedlers Tod.

Kathrin Eichel