Kurt Schumacher in Berlin

Geschichte: Personen L-Z

Kurt Schumacher in Berlin

Als 22jähriger lernt Kurt Schumacher Berlin kennen. Das Jura-Studium führt den kriegsversehrten Studenten 1917 an die Kaiser-Wilhelms-Universität. Zu Beginn des Jahres 1918 tritt er der Mehrheitssozialdemokratischen Partei um Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann bei. Noch als Student vertritt er während der Novemberrevolution den Reichsbund der Kriegsbeschädigten im Großberliner Arbeiter- und Soldatenrat.

Im Februar 1919 legt Kurt Schumacher in Berlin sein erstes juristisches Staatsexamen ab. 1920 arbeitet er als wissenschaftlicher Hilfsreferent im Arbeitsministerium und beginnt die Arbeit an seiner Promotionsschrift „Der Kampf um den Staatsgedanken in der deutschen Sozialdemokratie“. Unter den konservativen Berliner Staatsrechtslehrern findet er allerdings keinen Doktorvater, weshalb er die Arbeit in Münster einreicht.

Seine 1920 in Stuttgart begonnene Karriere als Journalist, Reichsbannerführer und SPD-Funktionär führt Kurt Schumacher nach zehn Jahren wieder nach Berlin: Am 20. Mai 1930 wird er für die Württembergische SPD als Abgeordneter in den Deutschen Reichstag gewählt. Am 23. Februar 1932 meldet er sich im Reichstagsplenum mit einer Stegreifrede zu Wort, die zur deutschen Parlamentsgeschichte gehört, und die ihm die Nazis nie vergessen sollten:

zur Reichstagsrede (Erinnerung von Friedrich Heine)

Am 23. März 1933 beschließt der Reichstag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten Hitlers Ermächtigungsgesetz. Als nach der Verhaftung vieler Funktionäre der SPD-Parteivorstand die Zentrale von Berlin ins Exil nach Prag verlegt und am 22. Juni die sozialdemokratischen Parteiorganisationen endgültig verboten werden, bleibt Kurt Schumacher zur illegalen Widerstandsarbeit in Deutschland. Am 6. Juli 1933 wird er in Berlin verhaftet. Es folgen zehn Jahre KZ-Haft.
Vom 19. bis zum 24. Februar 1946 besucht Kurt Schumacher erstmals nach dem Krieg wieder Berlin. In Gesprächen und Beratungen unterstützt er die Sozialdemokraten, die sich gegen die sowjetisch erzwungene Verschmelzung mit der KPD wehren und am 31. März im Westteil der Stadt in einer Urabstimmung die Zwangvereinigung verhindern.
Fortan ist Kurt Schumacher regelmäßig zu Parteikonferenzen und zu Großkundgebungen in Berlin. Ihn verbindet eine enge Freundschaft mit dem Herausgeber der sozialdemokratischen Tageszeitung TELEGRAF, Arno Scholz.
In einer Funktionärsversammlung am 22. Januar 1947 bezieht Schumacher in seiner Rede u.a. zur Hauptstadtfrage Stellung:

zur Rede von Kurt Schumacher

Für die SED ist der westdeutsche SPD-Vorsitzende ein Vertreter des Klassenfeinds, die „Schumacher-SPD“ wird zum Kampf-Begriff gegen die freiheitlich gesinnten Sozialdemokraten. Ein Zeitzeuge schildert, wie in den West-Sektoren das politische Wirken Kurt Schumachers erlebt wurde:

 
Trauerfeier in der Waldbühne
 

Erinnerung von Klaus Bodin

Am 24. August 1952 versammeln sich 20.000 Berlinerinnen und Berliner in der Waldbühne zu der Trauerfeier für Kurt Schumacher. Der Berliner SPD-Vorsitzende Franz Neumann spricht in seiner Rede dankbar von der Unterstützung, die die Gegner der Zwangvereinigung durch Kurt Schumacher erfahren haben und schließt die Schilderungen mit den Worten:

„Bis zur Eroberung Berlins für die Demokratie war Kurt Schumacher der einzige führende Politiker aus Westdeutschland, der nach Berlin kam und uns helfen wollte, und der immer in Berlin war, wenn Not am Mann war.“