Kurt Schumacher - Biographie

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Kurt Schumacher - Biographie

Kurt Schumacher Porträt
 

Lebensdaten: * 13.10.1895 † 20.8.1952

Kurt Schumacher  hat als charismatischer Parteivorsitzender  (1946-1952) den Aufbau und die Politik der Nachkriegs-SPD entscheidend gestaltet. Er war - im besten Sinne des Wortes - ein patriotischer Politiker , der auch aus der Opposition heraus als SPD-Fraktionsvorsitzender  im ersten Deutschen Bundestag (1949-1952) die Anfänge der zweiten deutschen Republik mitgeprägt hat.

 
Geburtshaus Schumachers

Geburtshaus Schumachers

 

Am 13. Oktober 1895 im westpreußischen Culm geboren, besuchte der aus einer protestantischen und linksliberal gesinnten Kaufmannsfamilie stammende Sohn ein humanistisches Gymnasium. Bei Ausbruch des 1. Weltkriegs legte er das Notabitur ab. Im Dezember 1914 verlor der junge Kriegsfreiwillige an der Ostfront nach schwerer Verwundung seinen rechten Arm. 1915-1919 studierte er Rechts- und Staatswissenschaften und promovierte 1920 zum Doktor rer. pol. Bereits im Januar 1918 schloß er sich der SPD an.

 
Gedenktafel für Kurt Schumacher
 

Von 1920-1930 war Schumacher politischer Redakteur der „Schwäbischen Tagwacht" in Stuttgart und stieg als Ortsvorsitzender (1930) zum Repräsentanten der Stuttgarter Sozialdemokratie auf. 1924-1931 gehörte er dem Württembergischen Landtag an, zuletzt auch als Mitglied des SPD-Fraktionsvorstands. Der „Anwalt der Reichseinheit" erkannte früh die Notwendigkeit, die gefährdete Weimarer Republik zu stützen und setzte sich leidenschaftlich für eine wehrhafte Politik gegen alle Antidemokraten ein. Mehrere Jahre war er Vorsitzender der Stuttgarter Lokalorganisation des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold".
Im September 1930 wurde Kurt Schumacher Reichstagsabgeordneter. Als am 23. Februar 1932 Joseph Goebbels im Reichstag die SPD als „Partei der Deserteure" beschimpfte, antwortete der kriegsinvalide Sozialdemokrat mit einer Stegreifrede, die noch heute als eine der schärfsten Attacken gegen den Nationalsozialismus in diesem Parlament gewürdigt wird. Trotz der persönlichen Gefährdung nahm Schumacher, inzwischen Mitglied des SPD-Fraktionsvorstands, an der Reichstagssitzung vom 23. März 1933 teil: Die berühmte Rede des SPD-Vorsitzenden Otto Wels, mit der dieser das „Nein" der Sozialdemokraten zum "Ermächtigungsgesetz" begründete, hatte er mit vorbereitet. Nach Hitlers Machtergreifung beteiligte sich Schumacher sofort am Widerstand gegen das NS-Regime.
Der steckbrieflich gesuchte Politiker wurde am 6. Juli 1933 in Berlin verhaftet. Kurzen Gefängnisaufenthalten in Berlin und Stuttgart folgte ein fast zehnjähriger Leidensweg durch verschiedene Konzentrationslager: bis Dezember 1933 im württembergischen KZ Heuberg, bis Juni 1935 im KZ Oberer Kuhberg bei Ulm; vom Juni 1935 - unterbrochen von einem mehrmonatigen Aufenthalt im KZ Flossenbürg bei Kriegsbeginn - bis März 1943 im KZ Dachau. Nach dem Attentatsversuch vom 20. Juli 1944 wurde er noch einmal - wie viele führende Demokraten der Weimarer Republik - für einige Wochen eingesperrt, diesmal ins KZ Neuengamme bei Hamburg. Nach der Entlassung aus dem KZ Dachau war ihm ein Zwangsaufenthalt in Hannover zugewiesen worden.

 
Schumacher - Vorstandssitzung 1946
 

Von Hannover aus begann für den unumstritten führenden Mann der Sozialdemokratie der Wiederaufbau der SPD. Noch vor der offiziellen Lizensierung des Ortsvereins wurde er bereits im April 1945 Vorsitzender der wiedererstandenen Hannoveraner Sozialdemokratie und erhob den Führungsanspruch der SPD beim „Neubau", nicht Wiederaufbau, von Staat und Gesellschaft. Im Mai 1945 wurde in Hannover das „Büro Schumacher", inoffizielle Zentrale der SPD, eingerichtet. Zu den frühen Mitarbeitern und Vertrauten zählte Annemarie Renger. Die spätere Bundestagspräsidentin blieb seine engste politische Wegbegleiterin.
Auf der ersten (und letzten) SPD-„Reichskonferenz" der Nachkriegszeit am 5./6. Oktober 1945 in Wennigsen und Hannover, zu der Schumacher eingeladen hatte, trat die deutsche Sozialdemokratie organisatorisch und politisch wieder ins öffentliche Leben. Schumacher stellte dort die Weichen: Eine Zusammenarbeit mit den deutschen Kommunisten fand bei ihm keinerlei Verständnis. Die „Zwangsvereinigung" von Kommunisten und Sozialdemokraten zur SED in der sowjetischen Besatzungszone im April 1946 wurde von ihm entschieden abgelehnt.

 
Schumacher - Alliierte
 

Der SPD-Parteitag in Hannover (Mai 1946) wählte Kurt Schumacher zum Parteivorsitzenden. Er behielt dieses Amt bis zu seinem Tod. Noch vor dieser Wahl gehörte er dem Zonenbeirat für das Gebiet der britischen Zone an. 1946 war er auch Mitglied des Hannoverschen Landtags. Die Konzentration auf die zentralen Aufgaben der SPD jedoch ließen eine weitere parlamentarische Arbeit in der Landes- und Zonenpolitik  nicht mehr zu. Schumacher gehörte weder dem Wirtschaftsrat der Bizone noch dem Parlamentarischen Rat für die drei westlichen Besatzungszonen an. Letzteres war durch eine schwere Erkrankung Anfang 1948 bedingt. Im September des Jahres mußte ihm das linke Bein amputiert werden. Spätfolge der KZ-Haft, die den ungeduldigen Patienten zwang, in der entscheidenden Phase der deutschen Nachkriegsentwicklung, nach der Währungsreform und während der Arbeiten des Parlamentarischen Rats, in das politische Geschehen nur vom Krankenbett aus eingreifen zu können.
Schumacher verstand sich als Repräsentant und Sprecher des „anderen Deutschland", das sich der NS-Diktatur nicht gebeugt hatte und darum Anspruch auf faire Behandlung durch die Siegermächte habe. Den Änderungsforderungen der Westalliierten zum Verfassungsentwurf, die auf die Gründung eines westdeutschen „Staatenbundes" hinausliefen, setzten er und die Führungsgremien der SPD ein klares „Nein" entgegen. Diese Haltung wirkte entscheidend auf die föderative Struktur des Bonner Grundgesetzes von 1949 ein.

 
Schumacher - Kriegsgefangene
 

Nach einem für die Sozialdemokratie enttäuschenden Wahlergebnis bei den ersten Bundestagswahlen übernahm Kurt Schumacher am 6. September 1949 den SPD-Fraktionsvorsitz im Deutschen Bundestag. Die ersten Regierungsjahre Adenauers standen im Zeichen harter Auseinandersetzungen mit dem Oppositionsführer. Schumachers politisches Nahziel war die Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit. Er forderte Selbstbestimmungsrecht und Gleichberechtigung der Deutschen in der internationalen Politik. Seine Ablehnung „kleindeutscher" Lösungen ebenso wie seine Opposition gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik waren Konsequenzen seines Bemühens, die Schaffung von Tatsachen zu vermeiden, die die Spaltung Deutschlands und Europas zementieren könnten.
Kriegsverwundung, KZ-Haft, Beinamputation und die außerordentliche Arbeitsbelastung forderten bald ihren Tribut. Nach einem schweren Kreislaufkollaps im Dezember 1951 konnte er sich nur noch gelegentlich mit Hilfe des Rundfunks und der Presse an die Öffentlichkeit wenden. Und doch ließ er sich bis zum letzten Tag seines Lebens nicht nehmen, Einfluß auf die Politik zu nehmen. Seine letzte Rundfunkrede richtete er am 15. Juli 1952 über RIAS Berlin an die ostdeutsche Bevölkerung. Kurt Schumachers Tod am späten Abend des 20. August 1952, nach knapp 57 Lebensjahren, kam dennoch für alle überraschend.
Auch wenn Kurt Schumacher seine Konzeptionen nur teilweise durchsetzen konnte, so zählen gerade der rasche Aufbau der SPD, die unermüdliche Arbeit für die Stabilisierung einer demokratischen und sozialen Ordnung in Deutschland, ebenso wie die erfolgreiche Abwehr kommunistischer Ansprüche im westlichen Teil Deutschlands zu den historischen Verdiensten des ersten Nachkriegsvorsitzenden der Sozialdemokratie. Kurt Schumacher gehört zu den Gründungsvätern der Bundesrepublik Deutschland.

Quelle: Archiv der sozialen Demokratie/FES

Links:

Friedrich-Ebert-Stiftung:http://www.fes.de/archiv/2abt/schum-k.htm 
Nordrhein-Westfalen: http://www.nrw2000.de/koepfe/schumacher.htm
Deutsches Historisches museum: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SchumacherKurt/
Willy-Brandt-Stiftung: http://www.willy-brandt.org/biographie/schumacher.html
SPD-Ortsverein Wennigsen: http://www.spd-wennigsen.de/html/kurt_schumacher_ausstellung.html
Universität Ulm: http://www.uni-ulm.de/imm/projekte_schumacher.html
Westpreussisches Museum: http://home.t-online.de/home/westpreussisches-museum/Ausstellungen/Sonderausstellungen/Schumacher/schumacher.html
Stadt Hannover: http://www.hannover.de/de/kultur_freizeit/geschichte/persoenlichkeiten/schumach.html