Schröder, Elisabeth

Geschichte: Personen L-Z

Elisabeth Schröder

"Na, fast dreißig Jahre werden es schon sein", sagt Elisabeth Schröder. Solange arbeitet sie als "Vertrauensfrau" für die gewerkschaftliche Büchergilde Gutenberg. Nur sind die Mitglieder ihrer Gruppe, die sie zum Teil selber noch unter ihren Neuköllner Kollegen geworben hat, inzwischen in alle Himmelsrichtungen verzogen. Die einenbesucht sie in Reinickendorf, die anderen bei sich in Rudow. Aber es ist immer wieder schön", findet sie, "die Kollegen nach so langer Zeit wiederzusehen."
Mitte der zwanziger Jahre wurde die Büchergilde in Leipzig gegründet, den Versand machte damals Elisabeth Schröders spätere Schwiegermutter. 1928 siedelte die Gilde ins Berliner Buchdruckerhaus in der Dudenstraße um. Im Hof war die Druckerei, vorn zur Straße der Laden, in dem Elisabeth Schröder 1933 zu arbeiten begann. Nicht lange: Im Mai, bei der Besetzung der Gewerkschaftshäuser, kam die SA auch hierher.
"Wir mussten uns alle auf dem Hof aufstellen, die Frauen wurden dann nach Hause geschickt, die Männer zum Teil verhaftet." Von der Wohnung ihrer Schwiegermutter oben im Buchdruckerhaus beobachtete Elisabeth Schröder diesen Teil der "Machtergreifung" weiter .
Aus der Wohnung in der Dudenstraße mussten ihre Schwiegereltern allerdings bald ausziehen. Gemeinsam übersiedelte die Familie in eine Neuköllner Reihenhaussiedlung, wo Elisabeth Schröder heute (1983) noch wohnt. auch hier kamen in der Anfangszeit häufig Genossen vorbei, sammelten für verfolgte Sozialdemokraten und deren Familien. "Zusammen mit zwei Kollegen hat mein Schwiegervater damals eine Druckerei eröffnet, andere entlassene Sozialdemokaten hatten Kohlenhandlungen oder Zigarettengeschäfte. Und natürlich kauften Sozialdemokraten nur bei denen." Nach dem Krieg trat Elisabeth Schröder sofort wieder in die SPD ein. Der Aufbau der Falken-Arbeit, die ersten Zeltlager standen an. Gleichzeitig wurde auch die Bücher gilde wiederbegründet, wurden Mitglieder geworben.
"Die Büchergilde hat ja ein großes Plus gegenüber anderen Buchgemeinschaften", findet Elisabeth Schröder. Nicht nur, dass seit jeher Wert auf gute Ausstattung der Bücher gelegt wurde, auch die Titelauswahl ist sorgfältig. In Elisabeth Schröders Bücherschrank finden .sich dafür viele Belege, angefangen bei den sozialkritischen Ausgaben der dreißiger Jahre: B. Traven, Anna Siemsen, Gogol oder Jack London. Ulrich Horb
Berliner Stimme, Nr. 9/1983, 30.4. 1983