Scholz, Arno

Geschichte: Personen L-Z

Arno Scholz

Scholz, Ollenhauer, Reuter
 

Arno Scholz, geboren am 22. Februar 1904 in Berlin, hat sich durch unermüdlichen Einsatz für ein demokratisches System in der Nachkriegszeit einen Namen gemacht, nicht zuletzt mit der Gründung der Zeitung „Telegraf“
Arno Scholz wuchs in einer sozialdemokratischen Familie auf, sein Vater war Bürgermeister von Berlin-Neuköln, sein Stiefvater Stadtverordneter von Groß-Berlin. Nach dem Besuch der Volksschule und Mittelschule in Berlin, war er zunächst im Druckerei- und Verlagswesen tätig. Ab 1925 arbeitete er als Redakteur bei der SPD-Zeitung „Vorwärts“, nachdem er drei Jahre zuvor in die Partei eingetreten war. Im Jahre 1930 wechselte er zu der Zeitung „Volkswille“ nach Hannover. Mit der Machtergreifung der NSDAP wurde ihm neben einem Berufsverbot auch „Besserungsunfähigkeit“ bescheinigt.
Nach Kriegsende beantragte er bei der britischen Besatzungsmacht einen Lizenzvertrag für die Tageszeitung „Der Telegraf“. Als Mitlizenzträger setzte er den früheren Reichstagspräsidenten Paul Löbe und Annedore Leber, Witwe des Widerstandskämpfers gegen die nationalsozialistische Herrschaft, ein.
Mit der ersten Ausgabe des „Telegraf“ begann für Arno Scholz der Kampf gegen den Zusammenschluss von SPD und KPD: Er setzte sich für eine freie Wahl ein und begab sich in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen Ost und West. Mit verschiedensten Mitteln kämpfte er gegen das kommunistische Regime. Aufgrund schwerer Behinderungen seitens der Sowjet-Zone ging Arno Scholz sehr bald dazu über, eine verkleinerte Ausgabe – „Der kleine Telegraf“ zu erstellen, die eigens dazu gedacht war, diese im Osten zu verteilen. Auf illegalem Wege, jedoch durch eigenen Vertriebsapparat und sozialdemokratische Widerstandsgruppen, wurden die Exemplare in Ost-Berlin verteilt. Der Erfolg seines Wirkens zeigte sich bei den darauf folgenden Wahlen, als sich 48 Prozent der Berliner für die SPD und nur 19 Prozent für die SED entschieden.

 
Arno Scholz und Tito
 

Arno Scholz im Gespräch mit Tito

 

Mit wachsendem Erfolg wuchs auch in gleichem Maße sein Verlag. Neben der Tätigkeit als Journalist und Politiker war er zudem Verleger und Drucker: Aus einem kleinen gemieteten Haus und einer gemieteten Druckerei hat er im Laufe der Zeit ein gewerbliches, verzweigtes Unternehmen aufgebaut. Den „Telegraf“ hat er um eine Jugend-, eine Frauen-, eine Bild- und eine Satirebeilage erweitert, woraus später selbständige Objekte wurden - die Jugendzeitschrift »Blickpunkt«, die Frauenzeitschrift »Mosaik«, die Illustrierte »Illus« und das Satireblatt »Puck«.

 
Buchumschlag - Scholz-Kommentare
 

Telegraf-Kommentare 1956-1960

Besonderes Ansehen hat sich Arno Scholz durch seine wöchentlich erscheinenden „Telegraf“-Leitartikel erworben, mit denen er seine Leser an Politik heranführen und ihnen die Angst vor ihr nehmen wollte. 1948 veröffentlichte er das erste von sieben Büchern, in denen seine Leitartikel aus den einzelnen Jahren abgedruckt waren – die Nachfrage nach diesen Werken war enorm.
Im weiteren Verlauf seiner Tätigkeit setzte sich Arno Scholz mit seinen weitreichenden Möglichkeiten für den Erhalt und die Festigung des demokratischen Systems ein. Darüber hinaus engagierte er sich außerordentlich für eine Wiedervereinigung Deutschlands, indem er in den führenden Gremien des Kuratoriums „Unteilbares Deutschland“ maßgeblich mitwirkte.
Eberhard Grashoff schreibt in seinem Nachruf zum Tode von Arno Scholz: „Arno Scholz, der Mann der Pflicht und der Tat, wollte überall dabeisein und mitwirken. In der sozialistischen Jugendbewegung, der Sozialdemokratischen Partei, im Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold, in der „Eisernen Front“, dann nach 1945 beim Wiederaufbau und bei der Verteidigung der politischen Demokratie sowie dem Aufbau einer unabhängigen Presse. Er hat sich stets bemüht in der vordersten Reihe der Agierenden zu stehen und Einfluß auf die politische Entwicklung zu nehmen.“
Telegraf-Kommentare 1953-55Nebenbei engagierte sich Arno Scholz auch parteipolitisch und saß von 1948 - 1950 in der Berliner Stadtverordnetenversammlung.
Als 1952 die traditionellen Zeitungen „Berliner Morgenpost“ und „BZ“ ihre Veröffentlichung wieder aufnahmen, musste der „Telegraf“ Einbußen an Leserzahlen hinnehmen. Zusätzlich musste die Zeitung Einnahmeverlusten aus Anzeigen verschmerzen, da der Sender Freies Berlin den Zeitungen Konkurrenz machte. Ein weiterer Schlag für den Verlag war der Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961, wodurch die Abonnenten im Osten verloren gingen.
1972 war der „Telegraf“ schließlich nicht mehr zu retten, nachdem er ein Jahr zuvor noch sein 25-jähriges Jubiläum feiern konnte.

 
Buchumschlag - Scholz-Kommentare
 

Neben viel Anerkennung gab es auch Menschen, die die Tätigkeiten des Arno Scholz kritisch gesehen haben. Walter G. Oschilewski antwortet den Kritikern in seinem Buch, das er anlässlich des 60. Geburtstages des Arno Scholz herausgegeben hat: „Goethe sagte einmal zu Eckermann: ‚Man muss Courage haben, das zu sein, wozu die Natur uns gemacht hat“ (1828), und zu Kestner: ‚Wenn der Mensch sich selbst bleibt, bleibt ihm viel.’ (1785) Arno Scholz wäre nicht der, der er ist, wenn ihm jetzt noch Kräfte zuwüchsen, die ihren Ursprung jener lebendigen, hochgemuten Jugendgemeinschaft haben, die eine ganze Generation formte.“
Arno Scholz starb am 30. Juli 1971 in Berlin.

Kathrin Eichel

Fotos: Horb, Archiv