Schmidt, Gerhardt

Geschichte: Personen L-Z

Gerhardt Schmidt

geboren am 11. 08. 1914 in Berlin
Oberrealschule, Abendgymnasium
Lehre bei der AOK in Berlin
1932 Eintritt in die SPD (vorher SAJ); Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold
1933 Arbeit bei Krankenversicherung, dann in freier Wirtschaft
1935 - 1937 Militärdienst
1939 - 1945 Wehrdienst, im Krieg verwundet
1945 - 1959 Regierungsrat bei der Senatsverwaltung für Arbeit, Bezirksstadtrat für Finanzen in Wilmersdorf
1949 - 1959 Bezirksverordneter in Berlin-Wilmersdorf
bis 1959 Regierungsrat in der Senatsverwaltung für Arbeit
1959 – 1963 Bezirksstadtrat für Finanzen in Berlin-Wilmersdorf
1965 - 1971 Gerhard Schmidt (SPD) Bezirksbürgermeister in Berlin-Wilmersdorf
1968 Grimpenordenträger
gestorben am 28. 03. 1990

Recherche: Gilbert Dietrich

Gerhardt Schmidt:
Fachmann, wie er sein soll
Gewiß, man könnte es damit bewenden lassen, daß der erste Wilmersdorfer SPD-Bezirksbürgermeister seit 14 Jahren am 11. August seinen 51. Geburtstag feierte. Die unrunde Zahl würde dafür sprechen. Aber wir wollen dieses Datum doch zum Anlaß nehmen, den Kommunalpolitiker Gerhardt Schmidt unseren Lesern nahe zu bringen. Ist er doch einer von den Berliner Sozialdemokraten, die erst mit Beginn des Jahres – nach Ablauf der Amtsperiode seines Vorgängers – ihre Aufgaben als Bezirksbürgermeister übernehmen konnten.

Gerhardt Schmidt ist ein echter Berliner, am 11. 8. 1914 in Charlottenburg geboren, besitzt er die Wendigkeit und den trockenen Humor, die für unseren Menschenschlag an der Spree ja so charakteristisch sind. Nach Verlassen der Schule nahm der junge Schmidt eine Ausbildung bei einer Krankenversicherung auf. Sein Herz gehörte schon seit frühester Jugend der Sozialdemokratie; er wurde Mitglied der SAJ, der Sozialdemokratischen Partei und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold.

Schon zu Beginn des NS-Regimes wurde Gerhardt Schmidt als einer der jüngsten Gegner des Nazisystems seiner aktiven politischen Haltung wegen aus seinem Amt entfernt. Bis zu seiner Einberufung als Soldat arbeitete er dann in der freien Wirtschaft.

Nach insgesamt acht Dienst- und Kriegsjahren und anschließender Kriegsgefangenschaft kehrte er schwerbeschädigt in die Heimat zurück. In den schweren Jahren hielt er selbstverständlich seiner Partei, der SPD, die Treue und stellte nach seiner Rückkehr sofort seine ganze Kraft wieder in den Dienst der Sozialdemokratie.

Seine kommunalpolitische Entwicklung begann 1947 beim Hauptpersonalamt des Magistrats von Berlin – sie wurde gekrönt, als ihn am 15. 12. 1964 die Bezirksverordnetenversammlung von Wilmerdorf in geheimer Abstimmung einhellig zum Bezirksbürgermeister wählte.

Zwischen diesen beiden wichtigen Stationen seines Wirkens liegen Jahre, in denen Gerhardt Schmidt seinen unermüdlichen Fleiß und seine Zielstrebigkeit für die Sache des demokratischen Sozialismus immer wieder unter Beweis stellen konnte. Sei es in seinen früheren Tätigkeiten als Dienststellenleiter bei der Senatsverwaltung für Inneres oder beim Senator für Bau- und Wohnungswesen, sei es als Regierungsrat und Bürodirektor beim Arbeits- und Sozialsenat als Bezirksverordneter in Wilmersdorf – er übte diese Funktion zehn Jahre lang aus – oder in seiner vier Jahre währenden Tätigkeit als Stadtrat für Finanzen beim Bezirksamt Wilmersdorf.

Seine Vitalität und Beständigkeit, seine Bemühungen um Ausgleich auch im menschlich-personellen Bereich haben ihm ebenso wie sein Arbeitsstil und nicht zuletzt seine persönliche Bescheidenheit zur längst vorhandenen Wertschätzung in dem kurzen Zeitraum seines Wirkens im neuen verantwortungsvollen Amt noch manch zusätzliche Sympathien eingebracht.

Carol
Berliner Stimme, Nr. 33/15 vom 14. August 1965