Schloß, Fritz

Geschichte: Personen L-Z

Fritz Schloß

geb. am 23.März 1895 in Berlin
gest. am 19. Dezember 1954 in Berlin

1946 bis 1952 Bezirksbürgermeister in Tiergarten.

Diplom-Versicherungswissenschaftler, Dozent
1919 bis 1923 Mitbegründer und Vorsitzender der Jungsozialistischen Vereinigung Groß-Berlin
bis 1933 tätig im Bezirksamt Kreuzberg, Magistrat
ab Januar 1946 Bezirksbürgermeister in Tiergarten
1946/47 Stadtverordneter
1952 Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen vom Amt des Bezirksbürgermeister, Sprecher der Berliner Bezirksbürgermeister, Einfluss auf die Gestaltung der Berliner Verfassung
ab 1952 Dozent an der Verwaltungsakademie und an der Deutschen Hochschule für Politik

Ehrungen: Der Berliner Senats beschloss vom 26. Oktober 1965, Fritz Schloß mit einem Ehrengrab auf dem Waldfriedhof Zehlendorf zu würdigen.

In Stadtteil Moabit im früheren Bezirk Tiergarten wurde 1955 ein Park auf einem früheren Militärgelände als Fritz-Schloß-Park  benannt.

 

Fritz Schloß

Der Vorkämpfer einer mitbürgerlichen Verwaltung in Berlin, unser Fritz Schloß, ist am Sonntagvormittag im Moabiter Krankenhaus nach langem, schwerem Leiden verstorben. Damit ist ein Mann von uns gegangen, der sich im wahren Sinne des Wortes für die selbstgestellte Aufgabe aufgeopfert hat.

Fritz Schloß war für höhere Funktionen qualifiziert. Aus politischer Einsicht hat er sich bewußt auf eine MItarbeit in den Organen der kommunalen Selbstverwaltung beschränkt. Er war der festen Überzeugung, daß die Demokratie nur Bestand haben könne, wenn es gelänge, die Bürgerschaft an der Verwaltung zu beteiligen. Seine Lebensaufgabe sah er darin, in der Bürgerschaft ein öffentliches Verantwortungsbewußtsein zu wecken. "Wenn jeder von uns die öffentliche Angelegenheit wie seine eigene beachtet und danach handelt, dann ist der Rechtsstaat und die Demokratie unangreifbar fest im Volke verankert."

An der Universität Göttingen studierte Fritz Schloß Rechts-, Staats- und Versicherungswissenschaft. Nach seiner Promotion trat er in die Dienste des Bezirksamtes Kreuzberg. Hier war er bis zu seiner Maßregelung im Jahre 1933 in verschiedenen Dezernaten tätig.

Vom Vertrauen aller Parteien berufen, wurde er 1946 Bezirksbürgermeister im Bezirk Tiergarten. In dieser Funktion hat er die Verwaltung des Bezirkes neu aufgebaut und in seiner Eigenschaft als Sprecher der Berliner Bezirksbürgermeister wesentlichen Anteil an der Gestaltung der Verfassung von Berlin genommen.

Fritz Schloß fand früh den Weg zur Sozialdemokratischen Partei. Von 1919 bis zum Jahre 1923 war er der Vorsitzende der Jungsozialistischen Vereinigung Groß-Berlin. Daneben war er tätig in seiner Fachgewerkschaft. In den Jahren 1947 bis 1949  hat er ein Gutteil seiner Arbeitskraft darauf verwandt, ein neuzeitliches Beamtenrecht durchzusetzen. Der Tod hat hier eine Lücke gerissen, die für viele Jahre kaum geschlossen werden kann. Wo immer in Berlin über die Selbstverwaltung der Bezirke verhandelt wird, wird sein Name uind sein Werk gegenwärtig sein.

(aus BERLINER STIMME, Nr. 52/4, Seite 8, Sonnabend, 25. Dezember 1954)

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Traueranzeige Fritz Schloß, 1954, BS
 

Traueranzeigen der Familie und der BVV und des Bezirksamtes Tiergarten, Berliner Stimme, Nr, 53/4, S. 8, 25.12.1954.

(Foto: BS/Horb, Recherche: ABI, U. Horb)