Schlei, Marie

Geschichte: Personen L-Z

Marie Schlei

Marie Schlei Porträt
 

Marie Schlei wurde am 26. November 1919 als Marie Stabenow in Reetz bei Stargard (Pommern) geboren. Ihr Vater war Klempner und engagierter Sozialdemokrat, ihre Mutter Fabrikarbeiterin. Seit 1948 Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Seit 1949 Mitglied der SPD, seit 1954 Mitglied in der Arbeiterwohlfahrt, seit 1969 Bundestagsabgeordnete für Berlin, später auch Mitglied im SPD-Fraktionsvorstand, 1974 unter Helmut Schmidt Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeskanzleramt und von 1976 bis 1978 Ministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Schwerpunkte ihrer politischen Arbeit waren insbesondere die Rechte der Arbeitnehmer und die Verbesserung der Situation der Frauen, sowohl in Deutschland (§ 218-Debatte) als auch in den Ländern der "Dritten Welt". Sie ist am 21. Mai 1983 gestorben.


Nach der Mittleren Reife konnte sie wegen einer schweren Krankheit des Vaters und der Armut ihrer Familie ihren Wunsch Lehrerin zu werden nicht verfolgen und arbeitete als Verkäuferin, Post- und Kommunalverwaltungsangestellte. Zwei Jahre nach ihrer Heirat, 1940, wurde ihr erstes Kind geboren, 1943 fiel ihr Mann im Krieg.
Am Ende des Krieges floh sie ins Weserbergland, um 1947 in Berlin die Möglichkeit zu nutzen, ohne Abitur Lehrerin zu werden. Bald wurde sie Rektorin im Wedding und kümmerte sich später als Schulrätin in Reinickendorf auch um die Reform des Berliner Schulwesens.
1980 erhielt sie für ihr soziales Engagement die "Ernst Reuter-Medaille".
Wegen einer Krebserkrankung ohne Aussicht auf Heilung erklärte Marie Schlei im September 1981 ihren Rückzug von ihren politischen Aufgaben. Auch in den verbleibenden zwei Jahren kümmerte sie sich weiter intensiv um sozial Benachteiligte. Am 21. Mai 1983 verstarb Marie Schlei im Alter von 63 Jahren. Auf der Trauerfeier gedachte ihr Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit den Worten: "Bis es ihre Kräfte nicht mehr zuließen, hat sie in der Arbeiterwohlfahrt mitgeholfen, soziale Arbeit zu leisten." - Ein Jahr später gründete sich der "Marie-Schlei-Verein" (Dr. J. Hoffmann-Straße 15, 55278 Hohnheim; Tel. 06737-9181), der als gemeinnützige Nichtregierungsorganisation Frauenausbildungsprojekte in den Ländern des Südens fördert.
Marie Schlei als BundesministerinZum 80. Geburtstag würdigte Bundeskanzler Gerhard Schröder Marie Schlei mit den Worten: "Marie Schlei hat in ihrem politischen Leben in jeder Hinsicht Maßstäbe gesetzt, mit ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit, ihrer Herzlichkeit und Solidarität - und vor allem in ihrer Konsequenz, den einmal für richtig befundenen Weg auch dann nicht zu verlassen, wenn sich Barrieren auftaten. Wir haben heute allen Grund, uns an sie zu erinnern und an den Grundsatz, der für sie stets handlungsleitend war:

Karin Müller


zum 20.Todestag 2003:
Erinnerung an Marie Schlei

Anläßlich des 20. Todestages der Reinickendorfer Sozialdemokratin und ehemaligen Bundesminis-terin für wirtschaftliche Zusammenarbeit Marie Schlei, hat die Reinickendorfer SPD am Mittwoch einen Kranz am Grab auf dem Martin-Luther-Kirchhof niedergelegt.
Marie Schlei war eine Kämpferin, die in ihrem ganzen Leben für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit der Frauen kämpfte, geprägt durch ihre Kindheit und Familiensituation, dem frühen Tod des Vaters als sie 16 Jahre alt war, dem Tod der Mutter beim Einmarsch der Russen und der Tatsache, dass ihr Mann bereits 1944 im Krieg gefallen war.
Nach der Flucht aus ihrer pommerschen Geburtsstadt Reetz nach Berlin war Marie zunächst arbeitslos, dann als Aushilfsverkäuferin, später als Post- und Verwaltungsan-gestellte tätig, bevor sie eine Anstellung als Hilfslehrerin fand. In Abendkursen ließ sie sich als Lehrerin ausbilden und arbeitete später als Lehrerin und Rektorin und wurde 1964 Schulrätin in Reinickendorf.
Bereits im Jahre 1949 trat Marie Schlei in die SPD und Gewerkschaft ein und engagierte sich besonders für die Bildungsreform. Ihre politische Arbeit konnte sie 1969 im Deutschen Bundestag fortsetzen, besonders als Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Sozialordnung und im Petitionsausschuß. Sie war Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Reform § 218 – Soziale Ergänzungsmaßnahmen“ im Arbeitskreis Sozialpolitik der SPD-Bundestagsfraktion, wo sie sich für eine bessere Alterssicherung, für die Reform des Eherechts und des § 218 einsetzte.
1974 berief sie Helmut Schmidt zur Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundeskanzler, am 15.12.1976 erhielt sie die Ernennungsurkunde zur Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Im Februar 1978 wurde Marie Schlei nach dem Rücktritt als Bundesministerin in den Fraktionsvorstand gewählt und mit dem Vorsitz des Arbeitskreises I (Außen- und Sicherheitspolitik, innerdeutsche Beziehungen, Europa- und Entwicklungspolitik) der SPD-Fraktion beauftragt.
1980 wurde sie stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion und damit Stellvertreterin von Herbert Wehner. Wegen ihres fortschreitenden Krebslei-dens musste sie im November 1981 ihr Mandat niederle-gen. Dennoch wirkte sie bis zu ihrem Tode am 21. Mai 1983 in zahlreichen Gremien weiter, soweit es ihre Kräfte erlaubten.

(Berliner Stimme vom 23.5. 2003)

 
Marie Schlei Porträt
 

Marie Schlei als Bundesministerin.