Röschert, Georg

Geschichte: Personen L-Z

Röschert, Georg

Völlig überraschend ist Georg Röschert am 15. November 2000 im Alter von 62 Jahren von uns gegangen. Ohne einen Grund oder ein erkennbares Leiden ist er auf seinem Arbeitsplatz als Physiker im Hahn-Meitner-Institut gestorben. "Geri" wollte nie politische Karriere machen. Seit seiner Jugend gehörte er zu denen, die immer kritische Fragen stellten, die politisch arbeiteten. In der SPD war er seit fast 35 Jahren Mitglied, zuerst in Charlottenburg, seit 1973 in der Dahlemer SPD.

Ob als Student, der in der Gewerkschaftlichen Studentengruppe engagiert Reisen in den Ostblock organisierte - was ihm damals Ärger mit diversen Geheimdiensten, Ost wie West, einbrachte - als Unterkassierer, Mitglied oder Kreisdelegierter in der Partei, auf Demos, beruflich als Atomkritiker: Geri Röschert führte nie das große Wort, drängte sich selbst nie in den Vordergrund. Aber bei Problemen hakte und bohrte er beharrlich nach. Er war ausdauernd und engagierte sich dabei, wo es praktisch drauf ankam: im
Wahlkampf, beim Zettelverteilen, beim Zwiebelkuchenbacken.

Geri Röschert hinterfragte immer wieder das "Ist", das "Normale". Er prägte wesentlich die Diskussion darüber, dass Mandatsträger nach zwei Wahlperioden eine qualifizierte Mehrheit bräuchten. Im Arbeitskreis "Zukunft der Arbeit" wirkte er engagiert mit. Wir machten uns Gedanken über die Zukunft der Erwerbswelt und wollten die künftige Programmdiskusssion der SPD begleiten. Als Wissenschaftler hatte sein kritisches Hinterfragen bestimmter technologischer Entwicklungen natürlich einen besonderen Stellenwert. Georg Röschert war es, der uns immer wieder mit wichtigen Texten von Pierre Bourdieu und Jeremy Rifkin versorgte, mit Analysen, die auf der Linken den gegenwärtigen Kapitalismus hinterfragen. Einer, der aus der aktiven Arbeit
verschwunden ist und ein richtiges Loch hinterlässt.

Burkhard Zimmermann
Dez. 2000