Röber, Walter

Geschichte: Personen L-Z

Walter Röber

geb. am 16. September 1894 in Magdeburg
ab 1912 Mitglied der SPD
1919 bis 1933 war er Gauleiter des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten für die Provinz Sachsen
1924 bis 1933 Stadtverordneter in Magdeburg und Mitglied des Provinziallandtages Sachsen, zweiter Vorsitzende des SPD-Bezirksverbandes Magdeburg
Vor 1933 führendes Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold
1940 Von Magdeburg nach Berlin
1945 Stadtrat für Sozialwesen, Mitglied im Freien deutschen Gewerkschaftsbund (FdGB)
1946-56 Bezirksbürgermeister von Berlin-Wedding
1948 vom FdGB in die Unabhängige Gewerkschaftsorganisation (UGO)
1950 Mitglied der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG)
starb am 05.10.1964 in Berlin

Recherche: Gilbert Dietrich

Walter Röber ist tot


Kurz nach seinem 70. Geburtstag hat der Bezirksbürgermeister a. D. Walter Röber für immer seine Augen geschlossen.

Er war der erste Bezirksbürgermeister in Wedding nach 1945, der sein Amt von einer demokratisch gebildeten Bezirksverordnetenversammlung erhalten hat. Die harten und schweren Auseinandersetzungen mit den Kommunisten in dem Arbeiterbezirk Wedding hat er tapfer und unerschrocken geführt. Aber neben diesem politischen Kampf um die Freiheit konnte er seine vor 1933 erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen auf kommunalpolitischem Gebiet in der Notzeit besonders gut verwerten.

Walter Röber wurde am 15. September 1894 in Magdeburg geboren. Er besuchte die Bürgerschule und erlernte den Beruf eines Versicherungsangestellten. Von 1919 bis 1933 war er Gauleiter des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten für die Provinz Sachsen. Als mit der nationalsozialistischen Diktatur die Nacht über Deutschland hereinbrach, mußte diese Organisation ihre Tätigkeit einstellen. Walter Röber wurde arbeitslos und konnte erst 1940 in Berlin Arbeit als Abteilungsleiter eines elektrochemischen Werkes finden.

Er hat treu zu seiner politischen Auffassung gestanden, wurde wiederholt verhaftet und mehrfach in Schutzhaft genommen. Auch mehrere Gefängnisstrafen hatte er in der nationalsozialistischen Zeit durchzumachen. Nur seine schwere Kriegsbeschädigung bewahrte ihn vor einer Einlieferung in das KZ.

Im Jahre 1911 ist er mit 17 Jahren in den ZdA (Zentralverband der Angestellten, Anm. der Red.) eingetreten, dem er bis 1933 angehörte. Bei Neubildung der Gewerkschaften am 1. August 1945 trat er sofort dem FdGB bei. In der Gewerkschaft der kaufmännischen und Büroangestellten verfocht er die Ziele einer freien demokratischen Gewerkschaftsbewegung, so daß sein Übergang in die Unabhängige Gewerkschaftsorganisation (UGO) am 1. Juli 1948 eine Selbstverständlichkeit war.

Die weitere Entwicklung der freien Gewerkschaftsbewegung führte ihn dann am 1. Juli 1950 in die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG). Er konnte im Jahre 1961 sein 50jähriges Jubiläum als Gewerkschaftsmitglied feiern.

Wie viele Gewerkschafter vor dem ersten Weltkrieg, schloß er sich auch der SPD im Jahre 1912 an.

Von 1924 bis 1933 erwarb er sich seine kommunalpolitischen Erfahrungen als Stadtverordneter in Magdeburg und Mitglied des Provinziallandtages Sachsen. Er war bis 1932 auch der zweite Vorsitzende des SPD-Bezirksverbandes Magdeburg.

Die dort gewonnenen Erfahrungen machten es ihm möglich, sich nach dem Zusammenbruch 1945 für den Wiederaufbau in Wedding zur Verfügung zu stellen. Er hat vor seiner Tätigkeit als Bezirksbürgermeister das Amt eines Stadtrates für Sozialwesen übernommen, das ihm auf Grund seines Werdeganges besonders lag.

Als es galt, durch Tat und persönlichen Einsatz den demokratischen Staat zu schützen, gründete er das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold mit. Hier war er Vorstandsmitglied des Gaues Sachsen-Anhalt und gehörte auch dem Bundesvorstand an.

Seine ganz besondere Liebe gehörte jedoch den Kriegsbeschädigten, für die er auf Grund seines eigenen Schicksals ein tiefes Mitgefühl hatte.

Als er im Jahre 1956 aus Gesundheitsgründen sein Amt als Bezirksbürgermeister niederlegte, hat er noch im Reichsbund der Kriegsbeschädigten aktiv mitgearbeitet.

In der Zeit seiner Tätigkeit als Bezirksbürgermeister in Wedding war Walter Röber in der Bevölkerung und insbesondere bei den Sportlern sehr beliebt. Die Weddinger Bevölkerung und seine Parteifreunde werden die Arbeit, die er in den schwersten Jahren in Berlin für den Bezirk Wedding geleistet hat, niemals vergessen.

Helmut Mattis in der Berliner Stimme vom 10. Oktober 1964, Nr. 41/14

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