Richter, Karl

Geschichte: Personen L-Z

Karl Richter

geboren am 15 Juli 1904
gestorben am 19. September 2005

Franz Müntefering würdigt Karl Richter

Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Franz Müntefering, würdigt den verstorbenen Karl Richter:
Die deutsche Sozialdemokratie trauert um ihren langjährigen Genossen, aufrechten Mitstreiter und engagierten Freund, Karl Richter.
Karl Richter hat ein gesegnetes Alter erreicht. Am 15. Juli 2005 konnten wir zusammen im Willy-Brandt-Haus seinen 101. Geburtstag feiern. Sein Leben stand ganz im Dienste der großen Ziele der Arbeiterbewegung: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Ihrer Verwirklichung hat Karl sich seit früher Jugend verpflichtet gefühlt und nimmermüde bis in die jüngste Zeit mitgeholfen, seine SPD und seine Gewerkschaft zu stärken.
Karl war 85 Jahre Sozialdemokrat. Als gelernter Buchdrucker kam er aus dem Milieu einer sehr lebendigen Arbeiterkultur und setzte sich früh mit der Gedankenwelt der Arbeiterbewegung auseinander. Für sein Leben hat er daraus einen ganz entscheidenden Schluss gezogen, nach dem er immer gehandelt hat: Du musst das Leben so nehmen wie es ist und es dann verändern.
Daraus erklärte sich sein Engagement in der Gewerkschaft und in der SPD: Mithelfen, es besser zu machen, nicht zuzuschauen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. Die aufziehende Nazi-Diktatur hat er zusammen mit seinen Genossinnen und Genossen von Anfang an entschieden bekämpft. Aus der bitteren Erfahrung, dass auch der entschiedene Widerstand den Krieg und die Diktatur nicht verhindern konnte, rührte auch Karls Einsatz für die junge Demokratie unmittelbar nach 1945. Seinen Überzeugungen ist er auch in den schweren Zeiten während seiner Zwangsarbeit in einem Wehrmachts-Baubataillon immer treu geblieben.
Karl Richter und seine Frau waren 1946 Bezirksverordnete der ersten Stunde in Berlin. Er war zunächst Sekretär der IG-Druck und Papier, dann ihr Landesvorsitzender. Die internationale Tradition der Arbeiterbewegung hat er mit zahlreichen Reisen nach Israel, Schweden und in die Vereinigten Staaten aufrechterhalten und gefestigt. Die Freundschaft zu anderen Ländern und die gelebte Solidarität mit den Menschen dort ist Teil seines Lebenswerkes.
In seiner Lebensgeschichte verkörpert sich beispielhaft die Kraft und die Stärke der Arbeiterbewegung. Karl war bis ins hohe Alter politisch interessiert und engagiert.
Wir verlieren einen wertvollen Ratgeber und treuen Mitstreiter für die sozialdemokratische Idee. Wir sind stolz darauf, dass Karl Richter einer von uns war und werden ihn nicht vergessen.
20.9.2005

Wowereit: Berlin trauert um Karl Richter
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, zum Tode des ältesten Berliner Sozialdemokraten, Karl Richter:
„Berlin trauert um Karl Richter. Berlin verliert einen großen Demokraten, der sich in seinen unterschiedlichen Funktionen um das Gemeinwesen verdient gemacht hat. Er war als langjähriger Landesvorsitzender der Gewerkschaft Druck und Papier engagiert für soziale Gerechtigkeit und faire Lebenschancen.
Sein langes Leben hat ihn zu einer zeitgeschichtlichen Figur werden lassen, in der sich die Geschichte eines gesamten Jahrhunderts widerspiegelt. Er hat Kaiserreich, Diktatur und Demokratie erlebt, wir alle haben von ihm viel gelernt, wenn er aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz erzählt hat. Nun ist seine Stimme für immer verstummt, wir denken dankbar an ihn und werden sein Wirken nicht vergessen.“
20. 9.2005


Karl Richter wird 100
(aus: Berliner Stimme vom 26. Juni 2004)

Am 15. Juli feiert der Sozialdemokrat, Ehrenvorsitzende der AG 60 plus und ehemalige Vorsitzende der IG Druck und Papier, Karl Richter seinen 100. Geburtstag.
Seit nunmehr 84 Jahren ist Karl Richter der Sozialdemokratie und der Gewerkschaft eng verbunden. Nach der Volksschule erlernte er das Buchdruckerhandwerk und trat schon im Alter von 15 Jahren in die Arbeiterjugend (SAJ) ein. 1920 wurde er außerdem Mitglied des Verban-des der deutschen Buchdrucker. Nach dem Krieg war er 9 Jahre stellvertretender Vorsitzender und 12 Jahre lang Vorsitzender der IG Druck und Papier in Berlin. Ihm ist es zu verdanken, dass Willy Brandt in die IG Druck und Papier aufgenommen wurde.
Über 20 Jahre gehörte Karl Richter dem Vorstand der AOK an und war Landesarbeitsrichter. Ihm wurde das Bundes-verdienstkreuz erster Klasse, das Ehrenzeichen des Arbeiter-Samariter-Bundes in Silber und die Ehrenmedaille des Bezirksamtes Reinickendorf verliehen. 1971 gründete er die Seniorengruppe „AG 60 plus“ der SPD. 1995 wurde der Karl-Richter-Verein gegründet. Seine Aufgaben sind Studium und Aufbereitung der Geschichte der grafischen Gewerkschaften. Er nimmt nach wie vor aktiv am politischen Leben teil. Zuletzt wurde er auf dem SPD-Landesparteitag am 20. Juni 2004 begrüßt.
Karl Richter hat sich Zeit seines Lebens politisch und gewerkschaftlich engagiert. Er hat die wichtigsten Stationen und Veränderungen der SPD über die vielen Jahrzehnte hautnah miterlebt und begleitet. Sein starkes politisches Engagement ist für viele Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen ein Vorbild. Klaus Schütz fasst es zusammen: „Karl Richter hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Er hat da angepackt, wo angepackt werden musste. Er ist eine feste Größe und die Verkörperung dessen, was man sich unter einem echten Sozialdemokraten vorstellt.“ Und der Reinickendorfer Bundestagsabge-ordnete Detlef Dzembritzki sagt: „Er gibt uns heute noch Orientierung. Von jungen Jahren an Sozialdemokrat und Gewerkschafter, aufrecht während der dunklen Jahre der Nazizeit und gestaltender Demokrat und Vorsitzender der Gewerkschaft Druck und Papier in den Nachkriegsjahr-zehnten blickt Karl auf ein erfülltes Lebenswerk.“
Am 15. Juli wird es wieder zahlreiche Gratulanten geben, u. a. den SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering, den Vorsitzenden der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di Frank Bsirske und den Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Schon Anfang Juli wird SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter zum Gespräch beim Karl Richter vorbeischauen. Anna Lippmann