Rexin, Manfred

Geschichte: Personen L-Z

Manfred Rexin

Am 10. Mai 2005 feierte der Berliner Journalist und Sozialdemokrat Manfred Rexin seinen 70. Geburtstag. Rexin, zuletzt Leiter der Hauptabteilung Kultur und Zeitgeschichte beim RIAS, hat mit seinen Hörfunk-Dokumentationen Berliner Geschichte lebendig gemacht. Als MItglied der Historischen Kommission der Berliner SPD und Mitbegründer des Franz-Neumann-Archivs hat er wesentlich dazu beigetragen, die Geschichte der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie in Berlin zu erforschen.

 

Manfred Rexin zum 70. Geburtstag (10. Mai 2005)
Nach Feiern steht Manfred Rexin nicht der Sinn. Am Vorabend des 10. Mai wird er mit seiner Ehefrau Marita von einer kurzen Reise in seine Geburtsstadt Danzig zurückkehren und anderentags an einer Sitzung des Medienrates zur Krise eines Berliner Radiosenders teilnehmen - an seinem 70. Geburtstag. Unmittelbar vor seiner Abreise hatte er die Redaktion einer fünfzigseitigen Manuskriptsammlung abgeschlossen, die unter dem Titel "Linke Lebensläufe" acht Berliner SozialdemokratInnen porträtiert. (1)

Manfred Rexin ist rastlos tätig und unglaublich produktiv. Als "rasender Reporter" ist er in der Zeitgeschichte unterwegs, ordnet und erforscht Archive, verfasst und redigiert Beiträge; Vereine und Gremien bemühen sich um seine Mitarbeit. Noch heute leitet er das von ihm mitbegründete FNA Franz-Neumann-Archiv, vertritt den Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg im Kuratorium der Medienschule Potsdam-Babelsberg, ist Vorsitzender im Programmbeirat des ABI August-Bebel-Instituts und Mitglied der Historischen Kommissionen beim Parteivorstand sowie beim Berliner Landesvorstand der SPD.

Wie viele Journalisten hat Manfred Rexin früh seine Berufung erkannt. Als Redakteur einer Flensburger Schülerzeitung gehört er zu den Gründern der Bundesarbeitsgemeinschaft jugendeigener Zeitungen "Junge Presse", für deren 600 Mitgliedzeitungen er nach dem Abitur in Bonn einen Presseinformationsdienst herausgibt.

Zum Sommersemester 1957 schreibt er sich an der FU Berlin ein und wird Mitglied im SDS. 1959 tritt er als Sprecher des studentischen "Kongresses gegen Atomrüstung" in Erscheinung. In dieser Rolle wird er in der Zeitschrift "Der Monat" portraitiert als "der zarte aber eisern beherrschte Manfred Rexin, eine Kreuzung aus Macchiavelli, Caligula und Ignatius von Loyola, der noch im größten Durcheinander jeden Satz syntaktisch einwandfrei zu Ende führte und bei seinen aggressivsten Formulierungen den Blick gelassen zu den Hörsaalfenstern hinaus in den Himmel schweifen ließ. Der Berliner Student Rexin war es, der in seiner schneidenden, no nonsense duldenden Art gleich in der ersten Plenarsitzung die Marschrichtung des Kongresses nach links und rechts, nach Ost und West abzugrenzen suchte. Nach seinen Worten würde man sich weder von CDU-Funktionären noch von sowjetischen Ministerpräsidenten dreinreden lassen."
In dieser ironisierenden Darstellung des 23jährige Studenten ist bereits auszumachen, was einmal den reifen Journalisten kennzeichnen wird: eine unbeirrte Parteilichkeit, die sich nur dem eigenen wohl begründeten Urteil verpflichtet weiss und der konzentrierte, spannungsvolle Stil seiner Darstellung.

In Zusammenarbeit mit Ansgar Skriver erscheint 1960 als Reaktion auf neonazistische Vorfälle die erste größere Veröffentlichung in einer Publikationsliste, die bis heute mehr als zwanzig Seiten umfasst: "Der Weg zum Massenmord. Hundert Jahre Antisemitismus in Deutschland".

Während des Studiums beginnt eine freie journalistische Tätigkeit für den Rundfunk und für Zeitschriften (liberal, Deutschland Archiv, atomzeitalter). Erste Einzelpublikationen zu deutschlandpolitischen und zeitgeschichtlichen Themen erscheinen.
In den 60er Jahren ist Manfred Rexin im Berliner Landesvorstand der SJD "Die Falken" aktiv, 1966-69 als Mitglied des Bundesvorstands, für den er erste Gespräche mit dem Zentralrat der FDJ führte.

1970 beginnt auf Einladung von Hanns Werner Schwarze eine Tätigkeit für das ZDF ("drüben", "Kennzeichen D", "heute" und "Länderspiegel").

Von 1978 bis zu dessen Eingliederung in das DeutschlandRadio Berlin war Manfred Rexin für den RIAS tätig, zunächst als Redaktionsleiter des Bildungsprogramms und ab 1989 als Leiter der Hauptabteilung Kultur und Zeitgeschichte.
Manfred Rexin wird nicht müde, sich für eine gerechte Würdigung der publizistischen Leistungen dieser Rundfunkanstalt einzusetzen. Angesichts verbreiteter Stimmungen muss man wohl sagen: für die Rehabilitation des RIAS, denn vielfach wird das Credo der "freien Stimme der freien Welt" auf seine ideologische Aufgabe im Kalten Krieg reduziert. 2002 veröffentlichte Manfred Rexin mit den "Radio-Reminiszenzen. Erinnerungen an RIAS Berlin" eine bemerkenswerte Dokumentation, in der 37 weitere ehemalige Angehörige des Senders ein farbiges Bild Berliner Rundfunkgeschichte zeichnen.

Über die Jahre hat Manfred Rexin zahlreiche Bücher, Broschüren und Fachaufsätze veröffentlicht, die oftmals wiederholt publiziert wurden und für Zwecke der politischen Bildung große Verbreitung gefunden haben. Eine besondere Anerkennung haben seine Tondokumentationen für den Rundfunk gefunden. Sendereihen wie "Regime unter dem Hakenkreuz" (RIAS 1983, wh. 1993), "Die Entstehung der Bundesrepublik" (DLF 1989) oder die Beiträge für das "Zeitzeichen" (WDR seit 1983) und große Einzelproduktionen werden von Journalisten und Historikern als meisterliche Leistungen geschätzt.

Manfred Rexin verwendet Originaltöne nicht als Dekor. Er lässt sein Material erzählen. Prägnante Erläuterungen zu den Umständen der Aufnahme oder zur zeitgenössischen Tontechnik vermitteln dem Hörer quellenkritische Informationen. Die Dokumente werden mit fundierten Informationen zum geschichtlichen Kontext erschlossen. Historische Einordnungen und Analysen spannen große Bogen unter denen der Erzählfluss vorangetrieben wird.

Rexins dichte, spannungsgeladene und oft auch unterhaltsame Ton-Dokumentationen bannen ihre Zuhörer bei Wiederaufführungen noch nach Jahren. Man wünscht sich, dass diese flüchtigen Kunstwerke im Zeitalter der Compact-Disc und des Hörbuches einen Verleger und damit größere Verbreitung finden.

1999 hat Manfred Rexin eine akademische Würdigung für sein wissenschaftlich fundiertes journalistisches Lebenswerk erfahren und vom Otto-Suhr-Institut den Titel eines Doktor honoris causa zuerkannt bekommen.

Seit 1994 ist Manfred Rexin im (Vor-)Ruhestand. Allein seitdem sind unter seiner Mitwirkung und Autorenschaft nicht weniger als 12 Publikationen erschienen. Zahlreiche Persönlichkeiten der politischen Geschichte Berlins sind von ihm porträtiert worden. Immer wieder folgt er bereitwillig Einladungen und gestaltet mit Tondokumentationen unvergessliche Gedenkveranstaltungen.
Manfred Rexin kann auf ein reiches Werk als Journalist und engagierter Bürger zurück blicken. Oft mahnt er sich selbst zu einem altersgemäßen Arbeitspensum. Seine Freunde wünschen ihm gleichwohl weiterhin viel Schaffensfreude.

Enrico Troebst

(1) "Linke Lebensläufe: Erwin Beck, Reinhard Gericke, Alfred Gleitze, Horst Kollat, Edith  Walz, Reinhard Walz, Irmgard Weiß, Peter Weiß" erscheint demnächst im FNA Franz-Neumann-Archiv und ABI August-Bebel-Institut