Reimann, Sophie

Geschichte: Personen L-Z

Reimann, Sophie

"Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan. Und keinen Tag soll man vergessen." Diese Sätze von Rabindranath Tagore sind eine treffende Charakterisierung der Lebenseinstellung von Sophie Reimann, die am 1. Mai 2000 im Alter von 92 Jahren nach kurzer Krankheit verstarb. 76 Jahre gehörte sie der SPD an. Doch streng genommen war ihr ganzes Leben durch die Sozialdemokratie bestimmt. Ihr Vater, Richard Draemert, gründete 1920 die Abteilung Dahlem, war bis 1933 Vorsitzender der Pressekommission des Vorwärts und erster sozialdemokratischer Stadtverordneter in Zehlendorf. Nach dem 20. Juli 1944 von den Nazis festgenommen überlebte er das KZ Sachsenhausen.

Sophie Reimann trat 1924 in die SPD ein und wurde auch im Vorstand der Abteilung Dahlem die rechte Hand (Schriftführerin) ihres Vaters. In Erinnerung daran ernannte sie die Abteilung Dahlem schon vor vielen Jahren zu ihrer Ehrenschriftführerin.

Nach der Schule arbeitete sie zunächst in einem Modeverlag und später in der Redaktion des Gesamtverbandes, dem Vorläufer
der ötv. Am 2. Mai 1933 erlebte sie die Besetzung des Gewerkschaftshauses durch die Nazis mit - und verlor ihre Arbeit. 1935 heiratete sie Willy Reimann und zog nach Britz und kehrte, ausgebombt, erst 1935 mit ihrer Tochter zu ihren Eltern zurück.

In der Abteilung Onkel Tom/ Krumme Lanke war sie über viele Jahrzehnte das kritische Gewissen. Stets Solidarität und Engagement für die Partei anmahnend war sie, sei es als Frauenbeisitzerin, sei es in der Kinderarbeit ein großes Vorbild. Ihre letzte Abstimmung auf einer Abteilungsversammlung galt dem Zusammenschluss der Abteilungen Fischtal und Onkel Tom/Krumme Lanke. Damit, so sah sie es in ihren letzten Tagen, schloss sich der Kreis: Nach dem Krieg war die SPD so gewachsen, dass aus der ursprünglich einen Abteilung Zehlendorf Nord drei gemacht werden mussten. Nun wurde der Zusammenschluss notwendig, weil die Berliner Partei immer kleiner wird. Christoph Ehmann