Rau, Johannes

Geschichte: Personen L-Z

Johannes Rau

Johannes Rau
 

geboren am 16. Januar 1931
gestorben am 27. Januar 2006

 

Mit tiefer Betroffenheit und Trauer hat die Berliner SPD die Nachricht vom Tode von Alt-Bundespräsident Johannes Rau aufgenommen. Wie sein Büro mitteilte, ist der 75-Jährige am Freitagmorgen (27.1.2006) um 8.30 Uhr gestorben. Rau, der am 16. Januar 75 Jahre alt geworden war, war seit längerem schwer krank und konnte auch an den Feiern zu seinem Geburtstag nicht teilnehmen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hatte aus Anlass des Geburtstags das Lebenswerk von Johannes Rau und sein Engagement für Berlin gewürdigt. Johannes Rau sei stets ein Mann der Tat gewesen, so Klaus Wowereit. Berlin habe Rau viel zu verdanken. Der Alt-Bundespräsident habe sich für "eine weltoffene, tolerante und der Geschichte ins Auge sehende Republik" eingesetzt. Der SPD-Landesvorsitzende Michael Müller würdigte "sein leidenschaftliches Engagement für Berlin und seine Entscheidung, auch nach dem Ende seiner Amtszeit in Berlin zu bleiben", als "wichtiges Signal." 

Rau hatte sich bereits als Gymnasiast in der Bekennenden Kirche engagiert. Nach einer Lehre als Verlagsbuchhändler wurde er Anfang der fünfziger Jahre Lektor. 1952 trat er aus Protest gegen die Wiederbewaffnung in die von Gustav Heinemann mitbegründete "Gesamtdeutsche Volkspartei" (GVP) ein. Von 1954 bis 1967 war er Geschäftsführer des Jugenddienst-Verlags in Wuppertal. Nach Auflösung der GVP trat er 1957 in die SPD ein. Von 1958 bis 1999 war er Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen, von 1968 bis 1999 Mitglied des SPD-Bundesvorstandes, von 1978 bis 1998 regierte er als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. Am 23. Mai 1999 wählte die Bundesversammlung ihn zum Bundespräsidenten.

 

SPD-Landesvorsitzender Michael Müller zum Tod von Johannes Rau

„Die Berliner SPD hat die Nachricht vom Tode von Alt-Bundespräsident Johannes Rau mit tiefer Betroffenheit und Trauer aufgenommen. Johannes Rau stand für Weltoffenheit, Toleranz und einen aufrichtigen Umgang mit der deutschen Geschichte. Wir werden dem Menschen und Politiker Johannes Rau und seinem großen Lebenswerk ein ehrendes Andenken bewahren.
Als Bundespräsident hat er viel für Berlin als Hauptstadt getan. Sein leidenschaftliches Engagement für Berlin und seine Entscheidung, auch nach dem Ende seiner Amtszeit in Berlin zu bleiben, waren ein wichtiges Signal. Als ehemaliger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hat sein Bekenntnis zur Hauptstadt Berlin viele Deutsche überzeugt und zu ihrer schnellen Akzeptanz beigetragen.“

 

Wowereit zum Tod von Johannes Rau

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hat mit großer Bestürzung auf die Nachricht vom Tode des ehemaligen Bundespräsidenten und Berliner Ehrenbürgers Johannes Rau reagiert: „Johannes Rau war eine überragende politische Persönlichkeit unseres Landes, er hat für Deutschland gelebt. In seinem langen politischen Leben hat er auf unnachahmliche Weise unsere Demokratie geprägt. Johannes Rau konnte mit der Kraft des Wortes Brücken bauen, in seinen vielen Ämtern setzte er sich ein für Frieden und Versöhnung. Er gehörte zu den Politikern, die auch zu Zeiten der Teilung immer für die innere Einheit Deutschlands gearbeitet haben, mit praktischer Hilfe genauso wie mit öffentlichem Auftreten. Der Gedanke der Versöhnung leitete ihn in jedem politischen Amt. So ist er ein großer Freund Israels geworden und er hat über die langen Jahre seines politischen Wirkens für unser Land Ansehen und Ehre zurückgewinnen können. Berlin trauert um seinen Ehrenbürger, Johannes Rau wird unvergessen bleiben.“

Matthias Platzeck würdigt Johannes Rau

Die deutsche Sozialdemokratie trauert um Johannes Rau. Die dankbare Erinnerung an einen der herausragendsten, anerkanntesten und beliebsteten Politiker unseres Landes wird fortleben. Sein unvergleichliches Lebenswerk ist getragen von seiner großen Mitmenschlichkeit, seinem von Versöhnungswillen getragenen Geist und seinem außerordentlichen politischen Gestaltungswillen. Johannes Rau war geprägt von seinem tiefen christlichen Glauben und bezog aus ihm Durchhaltewillen und Kraft für den politischen Alltag.
Er wurde Politiker, weil er immer daran geglaubt hat, dass unsere Welt besser sein könnte, als sie ist, und dass es gerechter zugehen sollte, als es zugeht. In all seinen Ämtern hat er gegen Ungerechtigkeit gekämpft und sich für mehr Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit eingesetzt. Johannes Rau war Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Wuppertal, Abgeordneter des nordrhein-westfälischen Landtags, Wissenschaftsminister und Ministerpräsident des größten deutschen Bundeslandes.
Sein politisches Wirken in Nordrhein-Westfalen war für die Menschen dort Identität stiftend. Die Menschen verehrten und schätzten ihn als Landesvater und vertrauten ihm. Sein Politikstil, Gemeinsamkeiten zu betonen statt Gegensätze hervorzuheben, hat nicht nur sein Bundesland nachhaltig geprägt.
Seine besonderen Gaben, zu denen auch sein unverkennbarer Humor gehörte, prädestinierten Johannes Rau in einem ungewöhnlichen Maß für das höchste Amt in unserem Staat. Auch als Bundespräsident ist Johannes Rau sich auf beeindruckende Weise treu geblieben. Obwohl seine Amtszeit von 1999 bis 2004 von tiefgreifenden Veränderungen im Land und erschütternden Ereignissen weltweit geprägt war, ist es ihm auch in diesem Amt allein durch die Kraft seines Worte gelungen, den Menschen Zuversicht und Hoffnung zu vermitteln. Er tat dies nicht nur in seinen „ Berliner Reden“, sondern auch in vielen persönlichen und brieflichen Kontakten.
Alle, die in Deutschland Verantwortung tragen, hat er in seiner letzten großen Rede als Bundespräsident dazu aufgerufen, das Vertrauen in Deutschland wieder herzustellen. Ein Vermächtnis, das die Sozialdemokratie Ernst nimmt und nach dem sie handelt.
Die Würdigung des politischen Lebenswerkes von Johannes Rau ist unvollständig ohne die Anerkennung seiner großen Verdienste um die Wiederherstellung der deutschen Einheit, an die er immer geglaubt hat und für die er gekämpft hat.
Sein lebenslanger Einsatz galt in einzigartiger Weise vor allem der Aussöhnung mit Israel. Als erster deutscher Präsident hat er in einer historischen Rede vor der Knesset um Vergebung gebeten für das unermessliche Verbrechen des Holocausts. Das Wiedererblühen jüdischen Lebens in Deutschland hat er gefördert, da es für ihn ein unverzichtbarer Teil unserer Kultur war.
Johannes Rau hat der SPD in vielen schwierigen Situationen Selbstvertrauen und Siegeswillen vermittelt. Er hat über Jahrzehnte hinweg die gemeinsame Sache mit großer Hingabe und Überzeugungskraft vertreten. Dafür danken wir ihm.
Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt in dieser Stunde der Trauer seiner Frau Christina und seinen drei Kindern. Johannes Rau hat uns viel gegeben, das bleiben wird.

Peter Struck: Zum Tode von Johannes Rau

Zum Tode von Johannes Rau hat der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, ein Schreiben an die Mitglieder seiner Fraktion gesendet. Darin heißt es:
"Liebe Genossinnen und Genossen,  die Nachricht vom Tod des Bundespräsidenten Johannes Rau macht uns tief betroffen. Wir trauern um einen großen Menschen, einen Freund, Helfer und Staatsmann. Sein Leben war geprägt von einer großen Liebe zu den Menschen. Er hat uns Versöhnung vorgelebt. Johannes Rau hat zusammengeführt zwischen DDR und Bundesrepublik, zwischen Polen und Deutschen, zwischen Israel und Deutschland.
Er war ein ueberragender Politiker und ein grosser Sozialdemokrat. Er hat ueber fünf Jahrzehnte Deutschland an entscheidenden Stellen mitgeprägt. Johannes Rau war in jeder Beziehung ein Vorbild. Er hat dem Land unermüdlich gedient. Seine Arbeit war immer getragen von einem tief verwurzelten christlichen Glauben. Die Liebe zum Nächsten war sein oberstes Gebot.
Das Land, vor allem auch die Sozialdemokratie, verdankt ihm unendlich viel. Er war ein Sozialdemokrat, der die Partei immer wieder zusammengeführt und sich in ihren Dienst gestellt hat.
Johannes Rau war ein grosser Staatsmann, in dessen Politikverständnis die Menschen immer im Mittelpunkt standen. Die Bürgerinnen und Bürger haben dies gespürt und ihn als Ministerpräsidenten und Bundespräsidenten verehrt und geliebt.
Wir trauern mit seiner Familie und seinen Freunden und suchen nach Trost in der von Johannes Rau gelebten christlichen Zuversicht."

AWO trauert um Johannes Rau

Mit großer Betroffenheit nimmt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) das Ableben von Johannes Raus zur Kenntnis. "Wir haben mit Johannes Rau heute einen guten Freund verloren", so der AWO-Bundesvorsitzende Wilhelm Schmidt. Rau ist in seinem Leben und Wirken stets für eine sozial gerechte und solidarische Gesellschaft eingetreten. Mit seinem Tod verliert Deutschland eine bedeutende Stimme für ein soziales Miteinander. Johannes Rau war der erste Träger des Heinrich-Albertz-Friedenspreises, der ihm 1999 von der AWO verliehen wurde.

Tiefe Trauer über den Tod von Johannes Rau -  "In überzeugender Weise christliche Grundhaltungen gelebt"

Mit tiefer Trauer hat der Rat der Evangelischen  Kirche in Deutschland (EKD) die Nachricht aufgenommen, dass Johannes  Rau heute morgen gestorben ist. Der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, erinnerte an das Leben und Wirken des Bundespräsidenten, der als evangelischer Christ ein Leben lang in außerordentlicher Weise öffentliche Verantwortung wahrgenommen hat.  Das Zeugnis seines Glaubens hat viele Menschen in der evangelischen Kirche wie auch weit darüber hinaus ermutigt, ihren Glauben zu leben: "Unser Bruder Johannes Rau hat gelebt, wovon er stets gesprochen hat: die Menschen zu lieben", so Wolfgang Huber. "Unser tiefes Mitgefühl  gilt in diesem Augenblick besonders seiner Familie." Die evangelische Kirche wie unser Land verlieren mit ihm eine herausragende Stimme, die sowohl innerhalb seiner Landeskirche, der EKD und der Ökumene als auch in Politik und Gesellschaft gehört wurde. Johannes Rau hat in überzeugender Weise christliche Grundhaltungen gelebt. Daran erinnert sich die evangelische Kirche in großer Dankbarkeit.