Piefke, Fritz

Geschichte: Personen L-Z

Fritz Piefke

geboren am 9. Februar 1907 in Rixdorf
gestorben am 27. August 1988 in Ostrach

 

Ein Mann der ersten Stunde
Fritz Piefke, ein Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn, arbeitet seit 25 Jahren für die Partei

Vor 25 Jahren, am 15. Juni 1946, begann ein Mann seine hauptberufliche Tätigkeit im Berliner Landesverband der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, dessen Wirken bis heute einen nachhaltigen Einfluß auf die Politik der Organisation ausgeübt hat: Fritz Piefke. Der "Demokrat aus Leidenschaft", wie die "Berliner Stimme" den Jubilar anläßlich seines 60. Geburtstages am 9. Februar 1967 nannte, stellte sich der SPD vor 25 Jahren – gerade erst aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt – als politischer Sekretär im Bezirk Treptow zur Verfügung.

Mit Tatkraft und Einfallsreichtum bewältigte er die umfangreiche und komplizierte Organisation zur Vorbereitung der ersten freien Wahlen nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg am 20. Oktober 1946. Schon ein halbes Jahr später holte der Landesverband Fritz Piefke als kommunalpolitischen Sekretär in die Zietenstraße. Bis 1968 war er zuständig für den Kommunalpolitischen Ausschuß, die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Juristen und den Fachausschuß für Rechtspolitik. Mit Energie widmete sich Fritz Piefke der kommunalpolitischen Arbeit vornehmlich in den Bezirken.

Im Jahre 1950 gründete Fritz Piefke gemeinsam mit Kurt Mattick und Fritz Brühl den "Kompaß" und die "Berliner Stimme". Der "Kompaß" begann in einer Halbruine in der Bülowstraße ohne Finanzielle Mittel. Der allmähliche Aufstieg begann mit der Verlegung von 20 000 Berliner Grundgesetzen. Inzwischen wurden 600 000 Exemplare davon verkauft. Der Umsatz des "Kompaß" beträgt heute fast 1 Million DM.

Seit 1963 ist Fritz Piefke Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Vier Jahre lang zuvor hatte er der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln angehört. Niemals drückte er sich, wenn man ihn bat, Verantwortung zu übernehmen. 1951 bis 1954 nahm er neben seinen zahlreichen Parteifunktionen das Amt eines Beisitzers am Oberverwaltungsgericht wahr. Seit fast 10 Jahren ist er Geschäftsführer des Berliner Jugenderholungswerkes e.V. Vor über 20 Jahren gründete Fritz Piefke den Neuköllner "Turnverein TSC 1893".

In den 48 Jahren seiner Parteimitgliedschaft hat Fritz Piefke vom Unterkassierer an fast alle Funktionen bekleidet, die die Organisation zu vergebe hat. Heute, inzwischen 64 Jahre alt, steht der gelernte Schriftsetzer noch lange nicht am Ende seines durch und durch politischen Lebensweges. Wie nur wenige hat er sein Leben der Sozialdemokratie gewidmet.

Die Partei wünscht dem Jubilar noch viele Jahre geistiger und körperlicher Frische. Mögen auch in Zukunft die angenehmen Erlebnisse, die Fritz Piefke in seiner Organisationsarbeit hat, die Schwierigkeiten und Mühen vergessen lassen, die sie immer begleiten.

bur-
Berliner Stimme, Nr. 24/21 vom 12. Juni 1971