Ollenhauer, Erich

Geschichte: Personen L-Z

Erich Ollenhauer

Geboren am 27. März 1901 in Magdeburg
Gestorben am 14. Dezember 1963 in Bonn
Der ehemalige SPD-Vorsitzende Erich Ollenhauer lebte von 1924 bis 1932 an der Trautenauer Straße 6 in Berlin-Lichtenberg. Der Bezirk kündigte im Januar 2004 an, eine Gedenktafel für Ollenhauer an diesem Haus anzubringen..

Nach dem Besuch der Volkshochschule absolvierte Erich Ollenhauer von 1915-1918 eine kaufmännische Lehre. Im Oktober 1916 schloss sich Erich Ollenhauer der Sozialistischen Arbeiterjugend an. Im November 1918 trat er dann in die SPD ein. 1919 wurde er Redaktionsvolontär bei der „Magdeburger Volksstimme“. Ein Jahr später war er dort als Redakteur tätig. Im selben Jahr wurde er Sekretär des Hauptvorstands der Sozialistischen Arbeiterjugend in Berlin, eine Tätigkeit, die er bis 1928 innehatte. Von 1921-1929 war Erich Ollenhauer Mitarbeiter bei der Zeitschrift "Arbeiter-Jugend" tätig. 1921 wurde Ollenhauer auch Sekretär der Sozialistischen Jugendinternationale. 1922 heiratete er die Redaktionssekretärin der "Volksstimme" Martha Müller. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. 1928-1933 war er Vorsitzender des Verbandes der Sozialistischen Arbeiterjugend Deutschlands. Im April 1933 wurde er in den Vorstand der SPD gewählt. Im Mai emigrierte Ollenhauer auf Parteibeschluss nach Prag, um dort den Widerstand gegen das NS-Regime aus dem Ausland weiterzuführen.

Von 1933-1938 organisierte Ollenhauer vom Büro des Parteivorstandes der SPD im Exil (SOPADE) in Prag die Zusammenführung und Versorgung von mehr als 3000 Emigranten. Durch die nationalsozialistische Regierung wurde ihm 1935 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Von 1938-1940 fanden die SOPADE-Mitglieder in Frankreich Zuflucht. Dort hatte 1939 Ollenhauer mit Otto Wels den Aufruf der SPD gegen den Krieg konzipiert. Während des französischen Zusammenbruchs wurde er arretiert. Kurz vor der Besetzung von Paris wurde er freigelassen. 1940-1946 in der Zeit floh Ollenhauer über Spanien und Portugal nach London. Hier richtete sich die SOPADE für die nächsten Kriegsjahre ein.

Die britische Labour Party unterstützte Ollenhauer. Durch die materielle Unterstützung gelang es ihm den Zerfall der Emigrantengruppen zu verhindern und den Kontakt zu englischen Politikern aufrechtzuerhalten. Die erreichte Ausgewogenheit der Auswanderer ermöglichte nach Kriegsende deren schnellen Integration in die von Kurt Schumacher geführte SPD. 1945 wurde nur Ollenhauer die Teilnahme an der SPD-Konferenz in Hannover von den Briten genehmigt. Im Februar 1946 entschied er sich zur endgültigen Heimkehr nach Deutschland. Wieder in Deutschland wurde er Sekretär der SPD der Westzonen im so genannten Büro Schumacher in Hannover.

Im Mai desselben Jahres wurde er zum 2. Vorsitzenden der SPD gewählt. In dieser Position regelte er den Wiederaufbau der West-SPD. Von 1949-63 war Ollenhauer Mitglied im Bundestag. Und von 1949-52 war er der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag. Auf der Gründungsversammlung der "Sozialistischen Internationale" in Frankfurt/Main wurde Ollenhauer 1951 zum Vizepräsidenten gewählt. 1951-53 war er auch Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates und der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). 1952 nach dem Tode Kurt Schumachers wurde Ollenhauer der neue Vorsitzende der SPD und er wurde zum Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag gewählt.

Ollenhauer war es, der die Entwicklung der SPD zur Volkspartei bis hin zum Godesberger Programms vorangetrieben hat. Den Ollenhauer-Plan legte die SPD 1957 vor. Er sah vor, an Stelle der Militärbündnisse in Ost und West ein europäisches Sicherheitssystem mit einem wiedervereinigten Deutschland als gleichberechtigtem Partner zu schaffen. Der Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt schlug Ollenhauer zum Kanzlerkandidaten der SPD vor. Ollenhauer stimmte zu. Am 9. September des Jahres 1963 wurde er zum 1. Vorsitzenden der Sozialistischen Internationalen gewählt. Am 14. Dezember starb er nach einer langen Krankheit.

Recherche/Text: Sertac Davulcu