Neugebauer, Karl

Geschichte: Personen L-Z

Neugebauer, Karl

Langjähriger BVV-Vorsteher verstorben.

 

Die SPD trauert um den langjährigen Vorsteher der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung Karl Neugebauer. Er ist am 31. Mai 2001 im Alter von 87 Jahren verstorben.

Karl Neugebauer wurde am 05.10.1913 geboren. Der einflussreiche SPD-Politiker war bereits am 1. Januar 1928 in die Partei eingetreten und erhielt neben vielen Ehrungen auch die Würde des Stadtältesten von Berlin.Mehr als 14 Jahre war er Vorsteher der Spandauer BVV, 72jährig hatte er sich aus der Arbeit als Bezirksverordneter zurückgezogen. Aber sein Rat war in seiner Abteilung Spandau-West genauso wie im Kreis weiter gefragt.

Aus der Gratulation zum 70. Geburtstag, Berliner Stimme vom 1.10.1983:
"Urgestein" der Spandauer SPD

Wer auch immer den Begriff vom sozialdemokratischen Urgestein" geprägt hat - er muss dabei einen Menschen wie Karl Neugebauer im Auge gehabt haben. Kaum zu glauben, dass dieser vitale Mann, der die Kommunalpolitik in Spandau nach dem zweiten Weltkrieg entscheidend mitgestaltet hat, am 5. Oktober schon seinen 70. Geburtstag feiert. Ist er doch als Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung noch "mitten im Geschäft", bei dem er Souveränität mit feinem Humor verbindet, was ihm Respekt und Anerkennung auch beim politischen Gegner einbringt.
Der Lebensweg
Den Lebens- und Berufsweg des gebürtigen Berliners kann man mit Fug und Recht als außergewöhnlich bezeichnen. Schon als Auto- und Motorenschlosserlehrling engagierte er sich 1928 in der Sozialistischen Arbeiterjugend. Wenn auch das Jahr 1933 dieser politischen Betätigung bald ein Ende setzte, ging es doch im Beruf weiter - zunächst als Motorenschlosser, dann als Techniker und schließlich nach dem Abschluss seines Studiums als Betriebsingenieur bei der Firma Siemens Flugmotoren.
Als im Jahr 1945 für viele die Lichter ausgingen, wagte Karl Neugebauer einen radikalen Neuanfang. Er ließ sich nebenberuflich zum Lehrer ausbilden, war als Schulhelfer im Bezirk Spandau tätig und legte 1947 sein 1. Lehrerexamen ab. Als er im Dezember 1947 zum Hauptjugendamt wechselte, um die Leitung des Kinderhofes Wannsee zu übernehmen, war sein weiterer Weg vorgezeichnet. Über ein Vierteljahrhundert gehört sein berufliches Engagament der sozialpädagogischen Betreuung junger Menschen.
Was seinen politischen Werdegang angeht, gehörte Karl Neugebauer zu den Männern der ersten Stunde. Schon im November 1945 trat er wieder in die SPD ein und war kurze Zeit später Kreisvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft junger Sozialdemokraten in Spandau. Sein 1946 errungenes Bezirksverordnetenmandat musste er nach zwei Jahren aufgeben, als er sein Domizil nach Zehlendorf verlegte. Dort war er in verschiedenen Parteifunktionen tätig und gehörte der BVV von 1959 bis 1963 an. Seit 1963 ist er ohne Unterbrechung wieder Bezirksverordneter in Spandau, davon Fraktionsvorsitzender von 1967 bis 1971 und Vorsteher der BVV seit 1971.
Rechnet man alles zusammen, kann Karl Neugebauer im November 1983 auf eine Bezirksverordnetentätigkeit von insgesamt 26 Jahren zurückblicken - fürwahr eine stolze Leistung. Dass ihm im Jahre 1978 der Bundesverdienstorden verliehen worden ist, sei hier nur am Rande vermerkt.
Für Partnerschaft
Ohne seine vielen anderen Aktivitäten schmälern zu wollen, gehört er zu denen, die sich der Pflege von Städtepartnerschaften zur Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen verschrieben haben, wobei ihm der Kontakt zur langjährigen Partnerstadt Siegen zweifelsohne besonders am Herzen lag. Karl Neugebauer hat sich um die Partei und den Bezirk Spandau verdient gemacht. Dafür gebührt ihm Dank und Anerkennung. Die Spandauer Sozialdemokraten wünschen ihm Glück, Gesundheit und Schaffenskraft für ein langes, gemeinsames Wirken.
Dieter Ernst

Persönliche Erinnerungen:

Werner Salomon, ehemaliger Bezirksbürgermeister, politischer Weggefährte und persönlicher Freund: "Karl Neugebauer war ein Glücksfall für Spandau. Über die Parteigrenzen hinweg geachtet und beliebt hat er sich große Verdienste erworben. Als `Mann mit der Zigarre´ war er eine markante Persönlichkeit, deren Verlust sehr schmerzlich ist."

Swen Schulz, Vorsitzender der Spandauer SPD: "Karl Neugebauer war ein echtes Urgestein der Spandauer Sozialdemokratie. Bis heute wird mit größter Achtung von seinen politischen und menschlichen Leistungen gesprochen. Dies wird immer so bleiben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren."


(Mai 2001)